Tipps für mehr Natur im Alltag: Zurück zu den Bäumen
Bevor Bewegung etwas wurde, das wir trainieren, war sie etwas, das unser Überleben sicherte. Unser Körper erinnert sich besser daran als der Kopf.
Etwas geschieht in dem Moment, in dem man eine Stange ergreift und hängt. Noch bevor man sich hochzieht, stellt sich etwas ein. Der Griff, das Gewicht des eigenen Körpers, die Stille vor der Anstrengung – es fühlt sich an wie eine uralte Verbindung.
Ich mache fast jeden Tag Klimmzüge. Sie sind ein einfacher Teil meines Trainings: keine Maschine, keine Einstellungen, die man anpassen muss, kein Strom. Nur eine Stange, zwei Hände und die Schwerkraft. Man kann die Schwierigkeit variieren: von der einfachen Variante, bei der man oben beginnt und nur die Bewegung nach unten macht, bis hin zum einarmigen Klimmzug.
Früher fragte ich mich, warum sich das so natürlich anfühlt. Dann wurde mir klar: Menschen hängen seit Millionen von Jahren an Dingen. Unsere Schultern sind genau dafür gebaut. Die Klimmzugstange ist im Grunde nur ein abstrahierter Baumast.
Wir teilen rund 98 Prozent unserer DNA mit Schimpansen. Unser Oberkörper, der breite Rücken, die tiefen Schultergelenke, die Finger, die sich instinktiv um eine Oberfläche schliessen, wurden – lange bevor es Fitnessstudios gab – in Wäldern geformt, in denen Klettern Überleben bedeutete. Wenn ich an einer Stange hänge, mache ich keine klassische Fitnessübung, sondern nutze meinen Körper so, wie er gedacht ist. Das ist ein seltenes Gefühl in einem Alltag, der sonst vor allem aus Tippen, Sitzen und auf Bildschirme starren besteht.
Sie müssen nicht tief in den Wald wandern, um etwas Ursprüngliches zu fühlen (auch wenn es hilft). Manchmal reicht es, nach draussen zu gehen, eine Stange, einen stabilen Ast oder sogar ein Baugerüst zu finden und einfach einen Moment zu hängen. Ihr Körper weiss genau, was zu tun ist. Er wusste es schon immer.