Apéro

Häppchen aus der Alltagskultur

Apéro

 

Political Correctness anno 1911 (Fundstück)

«Die Herren Verteidiger der ‹öffentlichen Moral› haben das Recht, ihre Ansicht gut zu nennen und jede gegensätzliche Meinung böse. Diesen Umstand will ich hier nicht zur Diskussion stellen. Aber wenn sie in Zukunft nicht von uns ausgelacht werden wollen, so sollen sie nicht kommen und uns erzählen, dass nur ein unanständiger Mensch eine andere Meinung als sie vertreten könne.» (Vilfredo Pareto, «Der Tugendmythos und die unmoralische Literatur», 1911) (mm)


 

Bleibt daheim. Jetzt. Alle. Auch du, einsamer Wanderer!

Bild: Isabel M. Marquez / Facebook.

Der «Mönch am Meer» ist wohl schon verhaftet, und auch der einsame Blick in die Landschaft muss jetzt ganz klar unterbunden werden! In den sozialen Medien kursieren seit Covid-19 hintergründige Polizeikontrollen in klassischen Werken. Okay, dass man da Vincis «Abendmahl» polizeilich auflöst oder Renoirs «Frühstück der Ruderer», kann man unter dem Aspekt des Social Distancing verstehen. Aber Caspar David Friedrichs «Wanderer über dem Nebelmeer»? Ähnliche Fragen stellte sich wohl, wer an verwaisten Seepromenaden zuletzt mit dem Verbot konfrontiert wurde, sich auf eine Bank zu setzen. (mm)


 

Ein Fall wie ein Doughnut

Es ist ein Mord, wie er im Bilderbuch steht – oder eben in den zahlreichen Kriminalromanen von Agatha Christie: Der Familienpatriarch und weltberühmte Krimiautor Harlan Thrombey (Christopher Plummer) wird in der Nacht nach seinem 85. Geburtstag mit aufgeschnittener Kehle in seinem riesigen Anwesen aufgefunden. Selbstmord? Oder wurde er von einem der zahlreichen, geldgierigen Familienmitglieder kaltblütig ermordet? Diesem Geheimnis geht der Privatdetektiv Benoit Blanc (Daniel Craig mit herrlichem Südstaatenakzent) auf die Spur. Der Film «Knives out» lief im Januar 2020 in den Schweizer Kinos, jetzt ist er auf Streaming-Plattformen wie myfilm.ch zu mieten und wahrlich sehenswert. Ob Figuren wie die wahrheitsliebende Pflegerin Marta (Ana de Armas), die nicht lügen kann, ohne sich zu erbrechen, oder Sätze wie «Seit Beginn ist das ein eigenartiger Fall. Ein Fall mit einem Loch in der Mitte. Ein Doughnut!»: Humorvoll und mit Liebe zum Detail gelingt eine ironische Hommage auf die klassischen Krimis und die Queen of Crime. (ar)


 

Vogelkunde für Klimaaktivisten

Alpensegler, fotografiert von Lefteris Stavrakas/Wikicommons.

Kaum legt der Bundesrat das öffentliche Leben still, stürzen sich die Menschen in die Wälder und Gärten. Dabei scheint es bei vielen aber vor allem um die Flucht vor der Langeweile zu Hause zu gehen, Flora und Fauna schenken sie kaum Beachtung. Da kommt das Buch von Hans­peter Latour mit dem sinnigen Titel «Natur mit Latour» gerade recht. Bekannt ist der 72jährige Berner Oberländer vor allem als hemdsärmeliger Fussballtrainer, der sich wild gestikulierend beim Schiedsrichter zu beschweren pflegte («Das isch e Gränni!»). Dass Latour auch neben dem Platz etwas zu sagen hat, beweist er mit seinem nunmehr dritten Buch, in dem er den Lesern Alpensegler, Erdkröten und Wiesenknöterich näherbringt und sie für die Pflege der Biodiversität sensibilisiert. So erfahren sie, wie man eine Wildblumenwiese anlegt oder ein Biotop richtig unterhält. Und vielleicht lernen ja auch Klimaaktivisten noch etwas, die zwar lautstark Massnahmen von der Politik fordern, aber laut Latour selber meist «weder ein halbes Dutzend Schmetterlinge und Vögel kennen». (lz)

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
über den «Schweizer Monat»