In dieser Ausgabe

Editorial

Editorial

Die Fiskalquote ist der Entmündigungskoeffizient einer Gesellschaft. Die Zahl besagt, über wie viel vom Erwirtschafteten die einzelnen Bürger frei entscheiden können – und wie viel Macht das Kollektiv hat. Die Schweiz gilt gerade unter Schweizern als Land mit halbwegs vernünftiger Fiskalpolitik. Die Begründung liegt auf der Hand: Es sind hierzulande die souveränen Steuerzahler höchstselbst, die […]

Dossier «Wo bitte geht's zum Markt?»

Auftakt

Zwischen der Realität und ihrer Darstellung klafft ein immer grösserer Graben –neudeutsch: ein immer tieferer Gap. Während die meisten Medien über den ungezügelten Markt herziehen und Sozialabbau beklagen, nehmen marktwirtschaftliche Freiräume laufend ab und wächst der Wohlfahrtsstaat in einem fort, Jahr für Jahr. Der kritische Zeitgenosse ist geneigt zu fragen: Wo bitte geht’s zum Markt? […]

«Das ist mein Job»
Hans-Werner Sinn, photographiert von Thomas Burla. 67
«Das ist mein Job»

Was hätte er an der Spitze der SNB entschieden? Welches wären seine Forderungen als Premier Griechenlands? Und wäre er gerne Präsident der EZB? Ein Gespräch mit Hans-Werner Sinn über gigantische Geldflüsse. Ihre Hintergründe. Ihre Folgen. Und seine innere Ruhe trotz allem.

Sie wollen kommen
Juni 2014, 25 Kilometer nördlich der libyschen Küste, photographiert von Massimo Sestini / Dukas.
Sie wollen kommen

Millionen von Menschen planen ihre Ausreise aus afrikanischen Ländern. Viele sehen ihre Chance in Europa. Sie sind auf der Suche nach Arbeit, Wohlstand und Komfort. Hat eine der grössten Wanderungsbewegungen der Menschheitsgeschichte erst begonnen?

Verkehrte Politik

Viele Bewohner Afrikas, die ihr altes Leben aufs Spiel setzen, um in Europa ein neues zu bekommen, sind  keine politisch Verfolgten und auch keine Armutsflüchtlinge. Es handelt sich in der Mehrzahl um junge Männer, die oftmals den mittleren Schichten ihrer Länder entstammen. Sie und ihre Familien haben genügend Geld gespart, um Schlepper bezahlen zu können. […]

Öffnet die Grenze!
Andrea Franc, zvg.
Öffnet die Grenze!

Seit Jahrzehnten verwehrt der Westen Afrika den Marktzugang. Die afrikanischen Volkswirtschaften wurden durch subventionierte westliche Landwirtschaftsüberschüsse zerstört. So entscheiden sich junge Afrikaner für die Emigration. Was tun? Weniger Ausgrenzung, mehr Freihandel!

Was ist ein Populist?
Jan-Werner Müller, photographiert von Tor Birk Trads.
Was ist ein Populist?

Der Populist ist nicht der Vertreter der Frustrierten. Und er ist nicht ein Bewirtschafter diffuser Ängste. Er ist vielmehr derjenige, der selbst dann das Volk zu vertreten laubt, wenn ihm die Mehrheit der Bürger nicht folgt. Ein Definitionsversuch.

Kolumnen

Der Staat, der Weihnachtsmann

Die Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) könnte transparenter nicht sein. Das ist mutig. Denn das nimmt ihre potentiellen Wähler in die Pflicht. Niemand wird jemals behaupten können, er habe nicht gewusst, welche Politik er für seine Stimme serviert bekommt. Wo SP draufsteht, ist SP drin. Ich würde meinen: das können längst nicht alle helvetischen Parteien von sich behaupten. Schauen wir […]

Petri Heil, Kleiner!
Petri Heil, Kleiner!

Eine Bekannte erzählte mir, dass ihr vierjähriger Enkel sie in eine peinliche Situation gebracht habe, als er auf offener Strasse lauthals – und mit der Spielpistole in der Hand – geschrien habe: «Peng, peng, peng! Alle tot!» Die Öffentlichkeit strafte die Grossmutter mit missbilligenden Blicken – sie hätte sich, sagte sie, am liebsten mitsamt ihrem […]

Wiesel public
Wiesel public

Liebe den Service public! Etwas unwirsch kommt sie daher, die neue Kampagne des Personalverbands des Bundes (PVB). Dass der Interessenverband der öffentlichen Angestellten den «Service public» liebt, überrascht nicht, schliesslich heisst «Service public» ja öffentlicher Dienst. Die Bundesver-waltung liebt sich also selbst. Das spricht für ein gesundes Selbstbewusstsein. Doch warum sollen nun auch wir Bürger […]

Kultur

Die Diktatur der Mittelmässigkeit
Thomas Hürlimann, photographiert von Jannis Keil.
Die Diktatur der Mittelmässigkeit

Gesamtschule statt Gymnasium, Grossbildschirm statt Bibliothek, Denkverbot statt Debatte – Bürgertum ade, klagt Thomas Hürlimann. Die einst fortschrittliche und mächtige Gesellschaftsschicht, so der Schriftsteller, wurde von einem Kleinbürgertum abgelöst, das den Gleichheitsmief kultiviert. So erklärt sich der Triumph des Bauchgefühls an der Urne, der Qualitätsverlust in den Medien und nicht zuletzt so mancher Shitstorm gegen Intellektuelle. Gespräch mit einem, der glücklich darüber ist, aus der Zeit gefallen zu sein.