(6) Ressourcenknappheit als ökonomische Herausforderung

Klare Eigentumsverhältnisse fördern den nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Wo es diese Verhältnisse nicht gibt, braucht es verbindliche Regeln für alle. Das Problem ist nur, dass solche sich kaum durchsetzen lassen.

Als Ressourcen bezeichnen wir Inputs in den Produktionsprozess oder in den Konsum. So kann Wasser einerseits bei der Herstellung von Energie als Kühlmittel verwendet, anderseits aber auch einfach getrunken werden. Im ersten Fall ist es ein Produktionsfaktor, im zweiten ein Konsumgut. Es ist klar, dass wir auf Ressourcen angewiesen sind, um überhaupt leben und produzieren zu können.

Natürliche Ressourcen sind solche, die wir nicht selbst hergestellt haben, sondern der Natur entnehmen. Luft, Wasser, Wild und Bäume sind Beispiele. Ihnen stehen produzierte Ressourcen gegenüber. Dabei ist klar, dass der Unterschied zwischen «natürlichen» und «produzierten» Ressourcen insoweit unscharf ist, als wir einmal eingesetzte natürliche Ressourcen möglicherweise erneut in den Prozess einbringen können, eventuell nach einer Bearbeitung. So können wir das zur Kühlung herangezogene Wasser in den Fluss zurückleiten, der dadurch allerdings erwärmt wird. Dadurch wird die Kühle des Flusswassers zur knappen Ressource, was es uns verbietet, den Vorgang beliebig auszuweiten.

Es ist zweckmässig, natürliche Ressourcen in «erneuerbare» und «nicht erneuerbare» einzuteilen. Nicht erneuerbar etwa ist das Erdöl, das sich im Laufe hunderter von Millionen Jahren abgelagert hat. Wird es gefördert und verbrannt, verschwindet es für immer. Fische in den Meeren und Bäume im Wald sind in gewissen Grenzen erneuerbar. Sie erneuern sich, indem sie ihr normales Leben fortsetzen. Das können sie sie freilich nur, wenn ihnen dafür Raum gelassen wird.

Ein überfischtes Meer gibt nichts mehr her; wenn erst einmal zu viele Exemplare einer bestimmten Spezies verschwunden sind, vermag sie sich nicht mehr zu regenerieren und stirbt aus. Werden Wälder einfach abgeholzt, dauert es Jahrzehnte, bis sie sich erneuert haben. Wurden sie gerodet, um Ackerland zu schaffen, bleiben sie verschwunden.

Bei der Verwertung erneuerbarer natürlicher Ressourcen kommt es auf die Nachhaltigkeit an, wie sie ursprünglich von der Forstwirtschaft entwickelt wurde. Sie besagt, dass Bäume nur in dem Masse zu fällen seien, wie sie jeweils durch neugepflanzte ersetzt würden. Die Zahl der gefällten Bäume war daran auszurichten, dass der Wald insgesamt nach Qualität und Quantität langfristig unverändert blieb. Dieses konservative Prinzip kann auch auf die Fischpopulation der Weltmeere angewandt werden. Nachhaltigkeit würde dann auf Zahl und Dichte der insgesamt vorhandenen Fische abstellen und verlangen, dass jährlich jeweils nur die Menge Fische zu fangen sei, um die der lokal vorhandene Bestand sich jährlich regenerieren kann.

Der Gedanke der Nachhaltigkeit konnte sich in Europa entwickeln, weil dort ausgedehnte Waldungen Grossgrundbesitzern gehörten, die ihr Eigentum zusammenhalten wollten. Wo sich die Verringerung des Bestandes durch Übernutzung erneuerbarer Ressourcen rasch und bereits lokal feststellen lässt, liegt es im Eigeninteresse des lokalen Nutzers, nachhaltig zu wirtschaften; denn jede Übernutzung zeigt sich unmittelbar durch rückläufige Fänge, die man selbstverständlich vermeiden will. Umgekehrt erfährt derjenige, der Partien des Regenwaldes niederschlägt, um Edelholz zu gewinnen und auf dem freien Land Getreide anzubauen, zunächst nur den Nutzen des gewonnenen Holzes und guter Ernten; und wenn das so gewonnene Ackerland später erodiert und nicht mehr nutzbar ist, ist das Unglück geschehen.

Interessant ist, dass bei der Verfolgung solcher für die Allgemeinheit zentralen Anliegen der unflankierte Markt manchmal versagt. Der einzelne Fischer oder auch die regionale Fischereiflotte möchte möglichst viele Fische fangen, da auf diese Weise der Umsatz steigt und sich der resultierende Rückgang der Fische insgesamt auch dann ereignen würde, wenn man für sich selbst dem Prinzip der Nachhaltigkeit folgte – solange die übrigen Flotten alles fischen, was ihnen ins Netz geht. Da helfen nur allgemein verbindliche Fischereiquoten auf weltweiter Ebene, die am Prinzip der Nachhaltigkeit orientiert sind. Die Verknappung durch Übernutzung zeigt sich anfangs nur allmählich und in verhaltenem Ausmass, sie nimmt jedoch exponentiell zu, und die sich nun ergebenden Probleme machen Eingriffe nötig.

Wie könnten solche Eingriffe aussehen? Sie mögen…

«Das intelligenteste
Magazin der Schweiz.»
Rolf Dobelli, Bestseller-Autor und Unternehmer,
über den «Schweizer Monat»