(0) Auftakt

Das Erlebnis der Knappheit gehört zur condition humaine. Eine wachsende Weltbevölkerung ist mit der Endlichkeit natürlicher Ressourcen konfrontiert. Der Kampf um knappe, begehrenswerte und deshalb wertvolle Güter, seien es Rohstoffe, Naturprodukte oder Artefakte, ist ein Leitmotiv der Menschheitsgeschichte. Zur condition globale gehört es, dass natürliche Ressourcen auf der Erdkugel sehr ungleichmässig vorkommen. Auch die topographischen, klimatischen, kulturellen und sozialen Bedingungen, die die jeweilige Nachfrage, die Verwertungs- und Nutzungsbedingungen bestimmen, variieren sehr stark. Diese Ungleichheiten haben im Lauf der Jahrtausende zu Völkerwanderungen, Kriegen und Verteilungskonflikten geführt, aber auch zur Entstehung internationaler und interkontinentaler Handelsbeziehungen, die einen grenzüberschreitenden Güter-, Dienstleistungs- und Kulturaustausch ermöglichten und entsprechende Lern- und Integrationsprozesse in Gang setzten.

Die Macht der Ressourcen ist als solche nicht zwingend destruktiv, sie bewirkt vielmehr auch, dass sich Menschen über die Kontinente und Kulturen hinweg zunehmend als Schicksalsgemeinschaften erleben, in denen bei einem regen Austausch alle voneinander profitieren können. Dass der heutige Zustand der Welt in vielerlei Hinsicht noch weit von diesem Ideal entfernt ist, kommt in den Beiträgen dieses Dossiers zum Ausdruck und wird auch am diesjährigen St. Gallen Symposium vom 31. Mai bis 2. Juni Gegenstand der Debatten sein.

Die militärische Strategie der Mächtigen ist nach wie vor eine einflussreiche Bestimmungsgrösse der globalen Ressourcennutzung. Doch weltweit ist auch das ökonomische Prinzip des einvernehmlichen Tauschens und des nachhaltigen Nutzens im Rahmen globaler Handelsbeziehungen im Vormarsch. Das gemeinsame Lernen im möglichst intelligenten und effizienten Umgang mit Knappheit steht im Wettbewerb mit den archaischen Prinzipien des Nehmens, des rücksichtslosen Ausbeutens und des kooperationsfeindlichen Abwehrens, die sich auf Dauer auch rein wirtschaftlich nicht lohnen. Globalisierungsängste, Technikfeindlichkeit und totalitäre Rationierungen führen zu kontraproduktiven Verhaltensweisen. Ein friedlicher Wettbewerb um die bestmögliche Kombination pragmatischer Lösungen kann die Macht der Ressourcen in den Dienst einer Förderung des Weltfriedens durch Welthandel stellen.

«Unverzichtbare Lektüre:
eine intellektuelle Zündkerze, die das
Weiterdenken in Gang bringt.»
Wolf Lotter, Autor und Mitgründer von «brand eins»,
über den «Schweizer Monat»