(1) Geostrategie, Effizienzsteigerung und Verteilungsgerechtigkeit

Erfrischend, offen – vielleicht manchmal etwas zu unbekümmert – sind die Wettbewerbsbeiträge der Studierenden aus aller Welt, die sich mit dem Thema des diesjährigen St. Gallen Symposiums befasst haben. Sie nutzen die Gelegenheit und stellen sich einer offenen Diskussion mit internationalen Führungskräften.

Am St. Gallen Symposium kommt der Begegnung zwischen Führungskräften und Studierenden aus der ganzen Welt eine grosse Bedeutung zu. Das Veranstaltungsformat – Vorträge und Paneldiskussionen im Plenum, kleinere work sessions zu ausgewählten Themen, die Präsentation preisgekrönter Studentenarbeiten, sowie informelle Abendanlässe innerhalb dreier Tage – ist seit der Gründung vor 37 Jahren nie sprunghaft verändert worden. Die Dynamik, Kreativität und Innovationsfähigkeit des Anlasses wird dadurch gewährleistet, dass die vom ISC – also den Studierenden der Universität St. Gallen – getragene Organisation alljährlich von einer neuen Generation nach eigenen Vorstellungen gestaltet wird. Das Symposium stellt sich bei der Finanzierung durch Unternehmen aus rund 30 Ländern jedes Jahr selbst den Kräften des Marktes und wird dadurch vor routinemässiger Erstarrung bewahrt.

Das Jahresthema, das am Symposium zur Debatte steht, wird jeweils schon im Vorjahr evaluiert und ist gleichzeitig auch Gegenstand des weltweit für Studierende ausgeschriebenen Wettbewerbs um den – für den besten wissenschaftlichen Kurzbeitrag verliehenen – St. Gallen Wings of Excellence Award. Dabei werden zukünftige und bereits aktuelle Themenbereiche berücksichtigt, die einerseits in der öffentlichen wissenschaftlichen Diskussion sowie in den Medien im Zentrum stehen, anderseits mit den langfristigen Anliegen einer freien Wirtschaft verknüpft sind und für global ausgerichtete Unternehmen an der Schnittstelle von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft strategisch bedeutsam sind.

Kennzeichnend für das St. Gallen Symposium ist die generationen- und disziplinenübergreifende und unter globaler Perspektive ausgetragene Diskussion unter den Teilnehmern, weltweit führenden Unternehmern, Topmanagern, Politikern, Wissenschaftern und Entscheidungsträgern der Zivilgesellschaft sowie den Autoren der besten studentischen Wettbewerbsbeiträge.

Das diesjährige Thema «The Power of Natural Resources» verknüpft drei sehr unterschiedliche Diskussionsstränge. Einmal die geostrategische Situation im Lichte der immer prekärer werdenden Rohstoffabhängigkeit Europas, der USA und der grossen asiatischen Volkswirtschaften, dann die Herausforderung einer effizienten Nutzung und Verteilung knapper werdender Bodenschätze und Energieträger, sowie die buchstäblich in der Luft liegende Diskussion um den Klimawandel, die das ISC bewusst nicht ins Zentrum gestellt hat, und die aktuellen ökologischen Herausforderungen.

Überraschenderweise hat das in den Medien allgegenwärtige global warming in den über tausend eingereichten Wettbewerbsarbeiten nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Dominierend war das Interesse an einer effizienten, umweltverträglichen Ressourcennutzung und das Bemühen um möglichst konkrete Beiträge in überschaubaren Teilbereichen. Die Verfasserinnen und Verfasser der 200 besten Arbeiten werden zur Teilnahme am Symposium eingeladen. So wird zusätzlich ein einzigartiges, spontanes Netzwerk junger begabter und engagierter Menschen aus aller Welt geknüpft. Bei der Jurierung der Arbeiten zeigte sich der Trend, dass unter Studierenden das Interesse an konkreten Lösungsvorschlägen im kleinen Rahmen gegenüber der Ideologie der Weltverbesserung zunimmt. Natürlich ist die Hoffnung auf eine auch die Ressourcennutzung steuernde Gerechtigkeit im Rahmen einer noch zu schaffenden Weltgemeinschaft spürbar. Die Skepsis gegenüber uneingeschränkten Marktmechanismen verbindet sich dabei häufig mit dem Wunsch nach einer aktiveren Entwicklungspolitik zugunsten der Ärmsten der Welt. Gerade bei diesem Themenkreis wird sich im Rahmen des Symposiums einmal mehr im Meinungsaustausch zwischen den Studierenden und den Führungsverantwortlichen besonders ressourcenrelevanter Unternehmen ein weites und spannungsreiches Feld öffnen.

Die Stiftung begleitet und unterstützt das aus Studierenden der Universität St. Gallen bestehende International Students’ Committee (ISC) bei der Konzeption und Durchführung des jährlich auf dem Campus der HSG stattfindenden St. Gallen Symposiums. Als unternehmerische Stiftung engagiert sie sich darüber hinaus in weiteren generationenübergreifenden Themen und internationalen Projekten an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

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Werner Kieser, Unternehmer,
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