In dieser Ausgabe

Editorial

Dossier «Der Mensch und die Grenzen seiner Natur»

Die verderblichen Kräfte der Natur

John Stuart Mill ist einer der grossen englischen Moralphilosophen des 19. Jahrhunderts. In seinem postum erschienenen Werk «Drei Essays über Religion» stellt er auch die Frage nach dem Verhältnis des Menschen zur Natur. Nicht die Versöhnung, sondern der Kampf stehe im Vordergrund; die Natur sei kein Vorbild, sondern ein Gegner, dem die Freiheitsspielräume abgetrotzt werden müssten.

Aktuelle Debatten

Quo vadis Türkei?

Der eurozentrische Blick auf die Türkei bietet ein zu einfaches Bild. Hinter der Auseinandersetzung zwischen Islamisten und Säkularisten verbirgt sich in Wahrheit der tiefergreifende Konflikt zwischen Nationalisten und Demokraten. Wer von beiden Kräften die Oberhand gewinnt, ist unklar.

Die Vereinnahmung des Lebens

Der Bundesrat will den neuen biometrischen Pass mit Gesichtsbild und Fingerabdrücken definitiv einführen. Dadurch wird zwar die Sicherheit der Identifikation erhöht, doch verletzen biometrische Erfassungstechniken die körperliche Selbstbestimmung des Individuums.

Kultur

Gnade wird nicht gegeben

Auf die «Lust, gewisse Fehler des ersten Versuchs beim zweiten Mal zu vermeiden», verweist Thomas Hürlimann bescheiden als Motiv für die Entstehung einer vollständig neuen Version seines «Einsiedler Welttheaters». Wie der Erfolg aus dem Jahr 2000 – mit insgesamt 65’000 Zuschauern – basiert auch sie auf einer durch den spanischen Barockdramatiker Pedro Calderón de la Barca vorgegebenen Struktur. Dessen Fronleichnamsspiel «El gran teatro del mundo», das in Einsiedeln erstmals 1924 aufgeführt wurde, lässt sechs allegorische Figuren von der Geburt bis zum Tod den Schauplatz des Lebens durchwandern. Auch die Welt selbst spielt mit. In Hürlimanns aktueller Fassung unter dem Emblem eines Kitschengels mit Dynamitstangen wird ihre Endlichkeit durch das Verhalten der Menschen beschleunigt, die der Autor im Einsiedler Milieu ansiedelt und alle Kälin tauft. Vom 22. Juni bis zum 8. September finden die Aufführungen, an denen jeweils 350 einheimische Spieler mitwirken, auf dem Platz vor der Klosterkirche statt, auch dieses Mal unter der Regie von Volker Hesse.

Schweizer Literatur in Kurzkritik

Es ist immer wieder zu hören, die deutschsprachige Literatur der Schweiz könne international nicht mithalten, sei uninteressant und kraftlos, hätte weder Pfiff noch Esprit, sei bestenfalls gediegen, meist jedoch belangloses Mittelmass, manches zwar nett zu lesen, das meiste jedoch schnell wieder vergessen. Wir baten daher unsere Autorinnen und Autoren, in einem kurzen Text ihren Eindruck beim Lesen der Neupublikationen festzuhalten.

Es schreiben:

Rüdiger Görner über Elisabeth Binder, „Orfeo“

Gunther Nickel über Pascal Mercier, „Lea“

Thomas Sprecher über Corina Caduff, „Land in Aufruhr“

Ludger Lütkehaus über Martin Dehli, „Leben in Konflikt“ und „Bloch. Eine Bildmonographie“

Gerald Funk über Charles Lewinsky, „Johannistag“

Christoph Simon über Rudolf Bussmann, „Das 25-Stundenbuch“

Rainer Diederichs über Martin Ebel (Hrsg.), „Nackt gebadet, gejauchzt bis zwölf“

Carola Jungwirth über Martin Suter, „Unter Freunden und andere Geschichten aus der Business Class“

Jens Nicklas über „CINEMA, unabhängige Schweizer Filmzeitschrift“

Dietrich Seybold über Aurel Schmidt, „Gehen. Der glücklichste Mensch auf Erden“

Hartmut Vollmer über Pierre Chiquet, „Kleopatrafalter“

Beat Mazenauer über Sandra Hughes, „Lee Gustavo“

Georg Deggerich über Ralph Dutli, „Nichts als Wunder“

Klaus Hübner über Gianni Kuhn, „Amor als Sieger“

Sabine Kuhlenkampff über Urs Mannhart, „Die Anomalie des geomagnetischen Feldes südöstlich von Domodossola“

Markus Bundi über Daniel Goetsch, „Ben Kader“

Jeroen Dewulf über Yusuf Yesilöz, „Lied aus der Ferne“

Joachim Feldmann über Ernst Solèr, „Staub im Wasser“

Christof Wamister über Richard Reich, „Codewort Laudinella. Ein Hotelroman“

Irene Ferchl über Gabrielle Alioth, „Der prüfende Blick. Roman über Angelica Kauffmann“

Stefana Sabin über Wilfried Meichtry, „Verliebte Feinde. Iris und Peter von Roten“

Patricia Klobusiczky über Friederike Kretzen, „Weisses Album“

Marcus Jensen über Peter von Matt, „Der Entflammte. Über Elias Canetti“

Christine Holliger über Jürg Schubiger (Text) und Eva Muggenthaler (Illustration), „Der weisse Bär und der schwarze Bär“

Duke Seidmann über Karl Lüönd, „Verleger sein“

Anett Lütteken über Charles Linsmayer, „Schlaglichter. 200 weltliterarische Kürzestporträts“

Friedbert Stohner über Jürg Federspiel, Petra Rappo, „Mike O’Hara und die Alligatoren von New York“

Michael Braun über Hans Thill (Hrsg.), „Das verborgene Licht der Jahreszeiten. Gedichte aus der Schweiz“

Um diese Ausgabe zu bestellen, wählen Sie bitte oben im Menü unter „Bestellungen“ und „Einzelheft“ die Ausgabe „Juni 2007“.

Weitere Kurzkritiken folgen in den kommenden Ausgaben.