Und hier noch die Lottozahlen

Todsichere Tipmethode.

Als junger Doktorand gehörte es zu meinen Aufgaben, Anrufe von Bürgern zur Mathematik zu beantworten. Die grösste Unterhaltung waren Lottospieler, die mir ihre Tipmethoden erklären wollten. Viele von ihnen hatten eine «todsichere Methode», mit der sie für sich reklamierten, im langfristigen Durchschnitt Geld zu verdienen.

Allen Lottoanrufern war gemein, dass ihnen bisher leider keine berufene Person länger zuhören wollte. Ihre von Anfang an gereizte Stimme verriet eine lange, bereits erlittene Leidensphase, und das Gespräch wurde im Normalfall nicht von mir beendet. Warum sie nicht einfach still absahnten, sondern, Bestätigung suchend, nicht ohne einen leisen, beinahe kindlichen Stolz ihre Strategien erklärten, weiss ich bis heute nicht.

Das Geheimwissen der Lottospieler besteht aus Geburtstagen (deshalb will der Staat wohl unseren Geburtstag wissen), den Zahlen von letzter Woche, den Zahlen des analogen Spiels aus Deutschland, bei den letzten beiden Vorschlägen noch jeweils +1 addieren, Primzahlen, Fibonacci-Zahlen (dem Namen nach war das sicher einer der Illuminati), Quadratzahlen, Diagonalen runter, Neben- und Gegendiagonalen, Randzahlen. Trotz gespanntem Verhältnis der Kirche zum Glücksspiel darf es auch noch ein bisschen Religion à la carte sein – le voilà: 1, 2, 3, 5, 10, 12. Das ist natürlich alles Mumpitz. Überraschenderweise ist es für einen Profi aber trotzdem sehr klug, die obigen Regeln, dieses «Geheimwissen», zu kennen und ernst zu nehmen. Und dies sogar im vollen Wissen, dass die Wahrscheinlichkeit für jede Kombination bei einem fairen Spiel gleich ist und unabhängig von vergangenen Ziehungen. Der Grund liegt darin, dass man nicht nur die Wahrscheinlichkeit für einen Treffer anschauen sollte, sondern auch, mit wie vielen Personen man dann den Gewinn teilen muss. Aus diesem Grund gilt eine einzige Regel tatsächlich: Meiden Sie aktiv alle offensichtlichen Regeln Ihres Kulturkreises. Die Wahrscheinlichkeit eines Erfolgs ist immer gleich – aber Sie müssen dann mit weniger Leuten teilen.

«MONAT für MONAT
eine sinnvolle Investition.»
Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
über den «Schweizer Monat»