…im Hotel Angst

Christoph Marthaler persiflierte in einem seiner legendären Theaterstücke die Schweiz als «Hotel Angst». Was ist los mit der Angst? «Angst lügt nie», sagt der Psychoanalytiker Jacques Lacan. «Nur der Dumme hat keine Angst», heisst es. «Angst essen Seele auf», erfahren wir von Rainer Werner Fassbinder. Kaum ein Gefühl ist so zwiespältig. Angst verweist immer auf […]

…im Hotel Angst

Christoph Marthaler persiflierte in einem seiner legendären Theaterstücke die Schweiz als «Hotel Angst».

Was ist los mit der Angst? «Angst lügt nie», sagt der Psychoanalytiker Jacques Lacan. «Nur der Dumme hat keine Angst», heisst es. «Angst essen Seele auf», erfahren wir von Rainer Werner Fassbinder.

Kaum ein Gefühl ist so zwiespältig. Angst verweist immer auf etwas Wahres, dennoch dürfen wir uns von ihr nicht terrorisieren lassen. Wir müssen die Angst wahr- und ernst nehmen, reflektieren und analysieren, was ihr zugrunde liegt: Ist es eine eingebildete, phantasierte Angst – oder eine begründete? Im Umgang mit der Angst gibt es zwei Fallen: die Hysterie, in der inexistente oder unwesentliche Gefahren aufgebauscht werden, und die Verleugnung und Schlamperei, wenn echten Gefahren nicht entschlossen begegnet wird.

Im Falle von Ebola zum Beispiel wird bei den Schutzmassnahmen im Umgang mit der wirklichen täglichen Bedrohung disziplinlos agiert und gepfuscht, gleichzeitig werden masslos übertriebene Seuchenszenarien in die Welt gesetzt.

Während der gewalttätige Islamismus und seine Hassprediger zu wenig konsequent attackiert werden, greift gleichzeitig in weiten Teilen der Bevölkerung diffuse Islamophobie um sich.

Bei den Volkswirtschaften nicht anders: auf der einen Seite werden dringend nötige Reformen auf die lange Bank geschoben, um das kurzfristige Wohlbefinden zu schonen und unangenehme Erkenntnisse und unbequemes Handeln zu vermeiden. Auf der anderen Seite dramatisieren wir individuelle und kollektive Befindlichkeiten und Ängste vor normalen Lebensrisiken und Marktentwicklungen zu Kata- strophen, um dem allgemeinen Klagetrend Genüge zu tun.

Wir meinen: Aus der Schweiz darf kein Hotel Angst werden. Wir wollen mutig sein, den wirklichen Gefahren ins Auge sehen und diesen professionell und entschlossen mit originellen Lösungen entgegentreten. Vor eingebildeten Ängsten dürfen wir nicht in die Knie gehen und uns von ihnen knechten lassen. Wir müssen uns ihnen stellen und, indem wir uns auf unsere Stärken besinnen und über-durchschnittlichen Leistungswillen zeigen, die kollektive Trägheit überwinden.

«MONAT für MONAT
eine sinnvolle Investition.»
Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
über den «Schweizer Monat»