Macht hoch die Tür,
die Tor’ macht weit!

Wenn sich alle Menschen ungehindert von Grenzen bewegen könnten, wäre die Welt nicht nur freier, sondern auch deutlich reicher. Ein libertäres Plädoyer.

 

Die Schweiz geniesst den Ruf, ein offenes, kosmopolitisches Land zu sein. Doch während ich dies schreibe, wendet sie der Welt den Rücken zu – und viele andere Länder tun es ihr gleich. Wir leben im Zeitalter der geschlossenen Gesellschaften: Die meisten Menschen in den meisten Ländern beäugen die meisten Einwanderer mit tiefem Unbehagen – als Bedrohung für die heimische Kultur oder das Lohnniveau – und tun alles, um sie draussen zu halten. Das war noch bis zu Beginn des vorigen Jahrhunderts anders, und trotz apokalyptischer Schlagzeilen über Horden rechter Barbaren, die das politische Spielfeld stürmen, sind die Einwanderungsgegner weiter im Aufwind: zwar sind legale wie illegale Migration zwischen den meisten Ländern heute schon extrem schwierig, trotzdem wollen viele Wähler und Politiker, dass die Grenzen noch enger geschlossen werden.

Anders als viele Journalisten behaupten, sind es aber nicht die Einwanderungs- und Freihandels-«Verlierer», die gegen ein «System» rebellieren, das sie «zurücklässt». In der Schweiz, Grossbritannien und den USA etwa gedeihen ausländerfeindliche Haltungen in abgelegenen Gebieten mit wenigen Einwanderern1 am wahrscheinlichsten. Warum? Der Nutzen der Offenheit wird übersehen, und die Nachteile sind grossenteils eingebildet. Es ist wie beim Freihandel: Arme Wähler profitieren zwar überproportional davon – er erhöht den realen Gegenwert ihrer Löhne –, lehnen ihn aber stärker ab als Reiche.

Grenzen sind ungerecht und ineffizient

Wenn Ökonomen Zuwanderung erforschen, finden sie verblüffende Dinge heraus. Michael Clemens etwa weist nach, dass Grenzschliessungen mit grossem Abstand das Ineffizienteste sind, was Regierungen tun können. In einer Welt, in der Arbeitskräfte sich frei dahin bewegen könnten, wo sie am meisten gebraucht werden, also die Nachfrage nach ihrer Arbeit am höchsten ist, wäre die weltweite Wirtschaftsleistung schätzungsweise doppelt so gross, wie sie heute tatsächlich ist.2 Selbst konservativeren Schätzungen zufolge werfen wir jedes Jahr 50 Billionen Dollar Bruttoinlandsprodukt einfach weg. Welche sozialen Probleme Migration also auch immer mit sich bringen mag – und die meisten dieser «Probleme» sind gar keine, die mit den Einwanderern zu tun haben –, sie werden ökonomisch von den positiven Effekten der Immigration ausgeglichen, ja übertroffen.

Aber geschlossene Grenzen sind nicht nur ineffizient, sie schaffen auch weitreichende neue Ungerechtigkeiten. Stellen Sie sich vor, Sie lebten in einem sehr armen Land. Alles, was Sie zum Verkauf anbieten können, sind Erdbeeren. Sie, der Arme, müssen bleiben, wo Sie sind, denn Ihnen ist verboten, sich anderswo nach einem besseren Deal umzusehen. Stellen Sie sich nun ein paar reiche Menschen an einem anderen Ort vor, die sich Erdbeeren nicht nur leisten, sondern überallhin auf der Welt reisen können, um dort Erdbeeren zu kaufen, und die immer auf der Suche nach dem besten Deal sind. Es ist offensichtlich, dass die armen Erdbeerproduzenten in diesem Beispiel leichte Beute für Ausbeuter sind. Wollte der Teufel persönlich die Armen bestrafen, würde er ihnen genau diese Bedingungen aufzwingen: Weil die Produzenten keine Möglichkeit haben, nach besseren Konditionen zu suchen, kann der Erdbeerpreis künstlich tief gehalten werden. Die Folge: Die Produzenten können nur die schlechten Bedingungen akzeptieren, die ihnen geboten werden. Sie sind keine Verkäufer, sondern Knechte.

Das ist kein abstruses Beispiel, es sind die tatsächlichen Bedingungen, die weltweit für den Verkauf von Arbeitskraft gelten. Wir haben ein Wirtschaftssystem, in dem alles – Finanzinstrumente, Geld, Fabriken, Information – globalisiert werden und sich über Grenzen hinwegbewegen kann. Alles, nur arme, unqualifizierte Arbeitskräfte nicht. Sie können nicht nach Chancen suchen, sondern müssen darauf warten, dass das Glück sie findet. Kein Wunder, dass sie in Sweatshops enden.

Eine Möglichkeit, dieses Problem zu lösen, wäre es, armen Arbeitskräften zu gestatten, sich frei zu bewegen – so wie jeder Amerikaner aus dem armen West Virginia ins reiche Virginia ziehen kann.…