In dieser Ausgabe

Editorial

Editorial

Wilhelm Röpke, der in den Schweizer Monatsheften zwischen 1942 und 1965 über 30 Artikel publizierte, warnte schon bei der Unterzeichnung der Römer Verträge vor 50 Jahren vor der Idee eines nach innen harmonisierten und gegenüber Nichtmitgliedern defensiven Binnenmarktes. Zwei Kommentare dieser Ausgabe befassen sich mit dem von der EU angestrebten Einbezug der Schweiz in den […]

Dossier «Kein Ende der Leselust»

(0) Kein Ende der Leselust

VORSICHT BÜCHER! steht hin und wieder gross auf Buchpaketen, die von der Post ausgeliefert werden. Es könnte als Hinweis auf die psychischen Erschütterungen verstanden werden, die Bücher bei manchen Menschen hervorrufen. «Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch?», fragte Franz Kafka […]

Ulrich Bräker – Der lesende Bauer aus dem Toggenburg

Zu den berühmtesten Lesern im Zeitalter der Aufklärung gehört Ulrich Bräker, der Schweizer Kleinbauer und Garnhausierer. Gebannt verschlang das Publikum der Bücherliebhaber seine Autobiographie, die 1789 beim renommierten Zürcher Verlag «Orell, Geßner, Füßli und Compagnie» erschien. Sie trug den Titel «Lebensgeschichte und Natürliche Ebentheuer des Armen Mannes im Tockenburg». Die Öffentlichkeit der Gebildeten war erstaunt […]

Lesen und Leben
Lesen und Leben

Letzthin erstieg ich mit der kleinen Klara den Trümmerberg in einem Berliner Stadtpark. Unten war sie gerannt, jetzt keuchte sie, und der Schweizer in mir sah sich genötigt, der Stadt-Göre eine onkelhafte Belehrung zu erteilen – ich erklärte ihr den Bergschritt. Das gemächliche Stapfen. Dem Hang und dem Atem angepasst. Den Atem, sagte ich, darfst […]

Aktuelle Debatten

Kultur

Sie wollen wissen, wieso ich jedes Buch kenne?

«Er fährt wir ein Affe eine Leiter hinauf und auf einen Band los, förmlich von unten gezielt, gerade auf diesen einen, holt ihn mir herunter, sagt: ‹Herr General, hier habe ich für Sie eine Bibliographie der Bibliographien› – du weisst, was das ist? – also das alphabetische Verzeichnis der alphabetischen Verzeichnisse der Titel jener Bücher […]

Die Zürcher Aufklärung

Wenn das Leben von den Leistungen des eigenen Verstandes und nicht länger von der Deutungshoheit der Religion und anderer tradierter Autoritäten bestimmt wird, dann könnten, so die Hoffnung der Aufklärer, die Menschen aus ihrer «selbstverschuldeten Unmündigkeit» herausfinden. Auch Zürich gehörte zu den europäischen Metropolen, die im 18. Jahrhundert kräftig daran beteiligt waren, die Ideen der […]

J.J. Bodmer und J.J. Breitinger: Zürcher Aufklärer mit Verstand und Phantasie

«Lebensgestaltung aus der Kraft des Gedankens» – auf diesen Nenner hat der Göttinger Historiker Rudolf Vierhaus die rastlosen Aktivitäten der europäischen Philosophen, Schriftsteller, Pädagogen und Politiker des 18. Jahrhunderts in seinem Essay «Was war Aufklärung?» (1995) gebracht und damit sehr präzise beschrieben, was die Eliten einer ganzen Epoche umtrieb. Es war der entschlossene Wille, die […]

Der Literaturstreit aus Leipziger Sicht

Mitte des 18. Jahrhunderts gerieten sich Zürich und Leipzig erbittert in die Haare über der Frage, ob die Phantasie in der Dichtung etwas zu suchen habe oder nicht. Die Schweizer gewannen die Auseinandersetzung – in den Augen der Sachsen ein Sieg des Mystizismus und der Dummheit über die Aufklärung.

Die Zürcher Hohe Schule

Die anfangs des 16. Jahrhunderts gegründete Hohe Schule in Zürich stand lange Zeit ganz im Dienst der theologischen Ausbildung. Breitinger setzte sich in jahrzehntelanger Arbeit für die Öffentlichkeitswirkung der Schule im Dienste der Aufklärung ein.