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Die grosse Umweltapokalypse wurde immer wieder
angekündigt – doch sie blieb aus

Seit Jahrzehnten warnen Umweltaktivisten vor globalen Katastrophen. Viele dieser Prognosen erwiesen sich als überzogen oder schlicht falsch. Ein Blick zurück legt nahe, auch dem heutigen Klimanarrativ mit äusserster Vorsicht zu begegnen.

Die grosse Umweltapokalypse wurde immer wieder  angekündigt – doch sie blieb aus
Die landwirtschaftlichen Erträge in Indien – im Bild Reisanbau – sind in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen. Bild: Keystone/imageBROKER Firdous Parray.

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In den vergangenen fünfzig Jahren wurden unzählige Katastrophen vorhergesagt. Besonders drastische Szenarien sind meist ausgeblieben, und viele der vorgeschlagenen Gegenmassnahmen erwiesen sich im Nachhinein als wirkungslos. Dass wir ihnen nicht konsequent gefolgt sind, war ein Glücksfall. Diese Erfahrung sollten wir im Hinterkopf behalten, wenn wir heute mit Erzählungen vom drohenden Weltuntergang konfrontiert werden.

Vernünftige Umweltpolitik, die das Leben der Menschen tatsächlich verbessert, wurde in den letzten Jahrzehnten selten mit Angst begründet. Wohlhabende Staaten haben die Luft- und Wasserverschmutzung durch technologische Fortschritte und anschliessend durch Regulierung deutlich reduziert. Ärmere Länder schlagen zunehmend ähnliche Wege ein, sobald sie der Armut entkommen und sich einen besseren Schutz der Natur leisten können. Weltweit haben sich die Waldflächen vergrössert – zuerst in den reichen Ländern, vermehrt auch andernorts. Das passt kaum zur düsteren Zukunft, die einst beschworen wurde.

Eine aktuelle Studie hat fast hundert apokalyptische Umweltprognosen aus dem vergangenen halben Jahrhundert untersucht. Rund zwei Drittel davon sagten die grosse Katastrophe noch vor August 2025 voraus. Keine dieser Vorhersagen ist eingetroffen.

Vom drohenden Ende aller Ressourcen

Die erste grosse Schreckensgeschichte über die Natur, die breite Aufmerksamkeit erlangte, war das Buch «Die Bevölkerungsbombe» (1968) von Paul Ehrlich. Es zeichnete das Bild einer ausser Kontrolle geratenen Weltbevölkerung und plädierte für weitreichende Zwangssterilisationen. Angesichts vermeintlich unvermeidlicher Hungertode in dreistelliger Millionenhöhe forderte Ehrlich zudem, die Nahrungsmittelhilfe für Länder wie Indien einzustellen. Zum Glück blieb diese misanthropische und moralisch fragwürdige Empfehlung weitgehend unbeachtet. Stattdessen setzte der wissenschaftliche Fortschritt durch: Die erste grüne Revolution steigerte die Ernteerträge massiv und ermöglichte es, mehr als eine Milliarde Menschen zusätzlich zu ernähren. Heute zählt Indien zu den grössten Reisexporteuren der Welt.

1972 sagte der Bericht «Die Grenzen des Wachstums» des Club of Rome einen globalen Kollaps infolge von Nahrungsknappheit und Umweltverschmutzung voraus. Das Magazin «Time» zeichnete das Bild einiger weniger, ausgemergelter Überlebender, die verzweifelt die Mittelstreifen ehemaliger Autobahnen in Los Angeles bestellen. Es werde an allem fehlen – von Aluminium und Eisen bis hin zu Öl und Lebensmitteln.

Diese Stimmung prägte auch den ersten Umweltgipfel der Vereinten Nationen 1972. Der Vorsitzende Maurice Strong erklärte, der Welt blieben noch zehn Jahre, um eine Umweltkatastrophe abzuwenden. Später wurde er erster Direktor des UNO-Umweltprogramms. Strong hielt den Weltuntergang für sehr wahrscheinlich, sofern das als schädlich betrachtete Wirtschaftswachstum nicht beendet werde. Zum Glück sind wir diesem Rat nicht gefolgt. Das anhaltende Wirtschaftswachstum hat dazu beigetragen, dass heute mehr als drei Milliarden Menschen – rund 41 Prozent der Weltbevölkerung – nicht mehr in extremer Armut leben.

Die Prognosen vom baldigen Versiegen der Ressourcen lagen spektakulär daneben. Statt die letzten Vorräte zu rationieren, setzte die Menschheit auf Innovation. Sie erweiterte das Angebot erheblich und senkte zugleich die Kosten. 1980 reichten die bekannten Ölreserven rechnerisch für dreissig Jahre beim damaligen Verbrauch. Seither wurde nicht nur dieses Volumen gefördert, sondern zusätzlich rund 80 Prozent davon. Dank des technologischen Fortschritts stehen heute dennoch Reserven für etwa fünfzig Jahre zur Verfügung – und das bei deutlich höherem jährlichem Verbrauch.

«Das anhaltende Wirtschaftswachstum hat dazu beigetragen, dass heute mehr als drei Milliarden Menschen – rund 41 Prozent der Weltbevölkerung – nicht mehr in extremer Armut leben.»

Die simplen, alarmistischen Prognosen der 1970er-Jahre prägten die folgenden Jahrzehnte. Ihr Echo findet sich bis heute in Teilen der Klimadebatte, die auf teure und ineffiziente Massnahmen setzt und frühere Befürchtungen von Nahrungsmangel und zunehmenden Wetterextremen wieder aufgreift. Der Klimawandel ist ohne Zweifel eine reale Herausforderung. Doch wie so oft werden die Gefahren überzeichnet.

Im Bereich der Ernährung zeigt dies eine der meistzitierten Metastudien, publiziert in der Fachzeitschrift «Nature». Ohne Klimawandel würde die weltweite Kalorienproduktion bis 2050 um 51 Prozent gegenüber 2010 steigen. Selbst bei einer deutlich stärkeren Klimaerwärmung als erwartet läge der Zuwachs noch bei 49 Prozent. Ein Problem – aber keine Katastrophe.

Auch die Daten zu Naturkatastrophen widersprechen der dramatischen Rhetorik. Die Zahl der Todesopfer durch Überschwemmungen, Dürren, Stürme und Waldbrände ist über die vergangenen 100 Jahre stark gesunken – von etwa einer halben Million pro Jahr in den 1920er-Jahren auf weniger als 9000 jährlich im letzten Jahrzehnt. Das entspricht einem Rückgang von 98 Prozent. Selbst die klimabedingten Schäden, gemessen am Anteil am Bruttoinlandsprodukt, sind seit 1990 nicht gestiegen, sondern zurückgegangen.

«Die Zahl der Todesopfer durch Überschwemmungen, Dürren, Stürme und Waldbrände ist über die vergangenen 100 Jahre stark gesunken – von etwa einer halben Million pro Jahr in den 1920er-Jahren auf weniger als 9000 jährlich im letzten Jahrzehnt. Das entspricht einem Rückgang von 98 Prozent.»

Innovation statt «Degrowth»

Auffällig ist, wie sehr sich die vorgeschlagenen Lösungen ähneln. Schon früher lautete die Botschaft: Umkehr und Verzicht, Abkehr vom Fortschritt. Heute propagieren Akademiker aus wohlhabenden Ländern «Degrowth», während ein Grossteil der Welt weiterhin auf wirtschaftliches Wachstum angewiesen ist, um der Armut zu entkommen.

Der alarmistische Blick auf das Klima hat inzwischen Eingang in die Politik gefunden. Nahezu alle reichen Staaten verfolgen das Ziel, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Die besten ökonomischen Schätzungen deuten jedoch darauf hin, dass die Kosten den Nutzen im 21. Jahrhundert im Verhältnis von etwa sieben zu eins übersteigen. Die dafür notwendigen Massnahmen würden jährlich rund 27 Billionen US-Dollar verschlingen.

Die Klimaökonomie weist jedoch einen anderen Weg: Am wirksamsten und kosteneffizientesten ist es, massiv in Forschung und Entwicklung für Energiequellen zu investieren, die wenig CO₂ ausstossen. Mehr Innovation eröffnet die Chance auf technologische Durchbrüche, die grüne Energie letztlich günstiger als fossile Alternativen machen. So könnte ein Umstieg global gelingen – schlicht, weil die grüne Lösung dann letztlich die günstigere ist.

So wie wir heute froh sein können, nicht auf die Unheilsprediger der Vergangenheit gehört zu haben, sollten wir auch erkennen, dass die wiederauflebenden Klimaweltuntergangsfantasien nicht nur weitgehend unzutreffend sind, sondern auch wenig zur Lösung beitragen.

Aus dem Englischen übersetzt von Alex Buxeda. Der Beitrag ist auf schweizermonat.ch in Originalsprache verfügbar.

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