Unter Strom

Beim Bau von Hochspannungsleitungen die Schwerkraft überwinden.

Unter Strom

Sie prägen das Bild der Schweiz.
Sie sind da, sie waren schon immer da und sie werden wohl immer da sein: die Hochspannungsleitungen. Neben Autobahnen, auf wilden, kaum zugänglichen Felsgraten, in steilen Tälern und über weite Felder ziehen sie von Mast zu Mast, kreuz und quer durchs Land. Sie gehören zur Schweizer Landschaft wie die Kühe, wie die Kirchtürme. Wir nehmen sie kaum wahr – aber wenn, dann meist negativ, verbunden mit dem reflexartigen Gedanken: Die belasten schon jedes Landschaftsbild. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.
Als Fotograf kenne ich diese Leitungen: Wie oft stört irgendwo im Hintergrund noch ein Mast die Bildwirkung. Standortwechsel, Veränderung des Ausschnittes, bis der Mast und die Leitungen aus dem Bild gebannt sind. Ärger – oder aber Änderung des Point of View: Diese Masten sind wunderschöne grafische Elemente! Wie Scherenschnitte ragen sie in den Himmel, elegant, symmetrisch, mächtig und doch feingliedrig. Im Gegenlicht glitzernde Leitungen, mit regelmässigem Schwung, wie Girlanden, von einem Mast zum nächsten ziehend, allmählich in der Perspektive sich verjüngend und irgendwann in der Ferne sich verlierend. Perfekte Bildmotive.
Schön oder störend – Ansichtssache, manch­mal das eine, oft das andere. Auf jeden Fall aber für unsere Zivilisation unentbehrlich.

Wie sind die eigentlich entstanden?
Man hat sie halt gebaut.
Wer hat sie gebaut?
Arbeiter mit Maschinen, vermutlich. Wohl auch mit Helikoptern.
Aber eigentlich: keine Ahnung.

Zwei Jahre habe ich eine Arbeitsgruppe beim Bau einer neuen Leitung vom Limmernkraftwerk durchs Glarnerland mit meiner Kamera beobachtet. Ein eingespieltes Team mit einem eigenen Rhythmus: Am frühen Montagmorgen jeweils Anreise von zu Hause in Italien – fünf Tage harte Arbeit bei Wind und Regen, Hitze und Kälte –, am Freitagabend wieder Rückreise ins Veltlin. Ich war beeindruckt von der Effizienz und dem Können, mit dem diese Leute Masten um Masten in den Himmel bauten. In der Vertikalen zu arbeiten ist per se viel anstrengender als am Boden, wegen der dauernd geforderten Körperspannung. Dazu kommen die schweren Elemente, die nur dank einem ausgeklügelten Zusammenspiel von Muskelkraft, Windenmaschinen, manchmal einem Helikopter, an die richtige Position gebracht und verschraubt werden können. Präzisionsarbeit, Können und Improvisationskunst vom Feinsten – Muskelkraft und Wetterfestigkeit vom Gröbsten.
Etwas wurde mir beim Beobachten und Fotografieren bewusst:
Diese Männer wissen, was sie tun.

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«MONAT für MONAT
eine sinnvolle Investition.»
Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
über den «Schweizer Monat»