Nora Gomringer, zvg.

Geist ist Geil

6 Fragen an Nora Gomringer.

 

Welches Kulturerlebnis hat Sie zuletzt begeistert und warum?
Um den Coronawehen zu trotzen, habe ich vom Garten des Wasserschlosses Villa Concordia, in dem ich wohnen und arbeiten darf seit 10 Jahren, dreimal in einer Woche einen musikalischen Abendgruss an alle Nachbarn und Passanten vom Trompeter Till Fabian Weser darbieten lassen. Es war so rührend, mitzuerleben, wie die Musik nun in einer stilleren Welt klingt, wie viel sehnsüchtiger, künstlerisch präziser, aber auch vereinzelter. Ich bilde mir ein, ich hätte die Sehnsucht der Menschen nach gemeinsamem kulturellem Erlebnis gespürt.

Welches Werk hat eine Weichenstellung in Ihrem Leben oder Denken bewirkt?
Das waren zum Glück viele verschiedene. Darf ich zwei nennen? Das Musical «Kiss of the Spider Woman» von John Kender und Fred Ebb nach dem Roman von Manuel Puig. Und der Film «An Angel at My Table», der das Leben der Autorin Janet Frame beschreibt, von Jane Campion.

Welches ältere Werk lohnt sich auch heute noch oder immer wieder?
Heines «Waldeinsamkeit».

Wem vertrauen Sie bei Tips in Sachen Kultur?
Meiner Mutter und meinem Instinkt.

Woran fehlt es Ihrer Meinung nach gerade im Kulturbetrieb?
An Selbstironie und immer an Geld.

Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachtkästchen?
«Sex und Lügen» von Leila Slimani und Gedichte von Nancy Hünger: «4 Uhr kommt der Hund».

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
über den «Schweizer Monat»