Susanna Frick

Gottesfurcht und Alkoholsucht

Der Blick in die Chroniken zur Zeit der Spanischen Grippe zeigt Parallelen und Unterschiede im Umgang mit Seuchen.

Corona ist nicht die erste Seuche und wird nicht die letzte sein, die über die Menschheit herfällt. Ein Blick in alte Dokumente aus 1918 zeigt erstaunliche Parallelen zu heute: So erliess der Zürcher Regierungsrat zur Bekämpfung der Spanischen Grippe ein Versammlungsverbot, wie aus seinem Beschluss vom 25. Juli hervorgeht – Gottesdienste ausgenommen. Schulen wurden ebenfalls zeitweise geschlossen; das Arbeitsleben hingegen lief weitgehend normal weiter – in einer Pandemie notabene, der Schätzungen zufolge weltweit bis zu 100 Millionen Menschen dahinraffte.

Auch damals machte man sich übrigens Sorgen um den Alkoholkonsum, wenn auch aus anderen Gründen: Ein Artikel in der Lokalzeitung zitierte jüngst aus dem Chronikbuch der Gemeinde Rüti, das 1918 vermerkt, aufgrund der Milchrationierung würden Industriearbeiter «als Zwischenmahlzeit» vermehrt «wieder zu alkoholhaltigen Getränken greifen müssen». (lz)

«Der beste Journalismus ist der,
den man liest, obwohl einen das Thema bis dahin gar nicht interessiert hat.
Beim MONAT passiert mir das ständig.»
Niko Stoifberg, Schriftsteller und Redaktor bei «getAbstract», über den «Schweizer Monat»