© Nicolas A. Rimoldi

Afrikaner in der Schweiz I

Maman Bijou
Fribourg / Demokratische Republik Kongo

 

Im Alter von 24 Jahren verliess Mbemba-Landu Makanzu Mankaka, heute als «Maman Bijou» bekannt, den Kongo und emi­grierte in die Schweiz, wo ihr Mann studierte. Als ihre Kinder zur Schule gingen, konnte «Maman Bijou» nicht untätig zu Hause bleiben: Sie eröffnete in Fribourg eine Boutique. Wer diese betritt, wähnt sich an der kulturellen Schnittstelle zwischen der Schweiz und Kinshasa. Hier ist das ferne Afrika ganz nah: Grüne Kochbananen, Yamswurzeln, Maniok, allerlei Gewürze und viele weitere afrikanische Lebensmittel, Stoffe und Schönheitsprodukte finden sich in den Regalen.

Seit 1989 importiert «Maman Bijou» afrikanischen Genuss: «Damals kannte man hier viele meiner Produkte nicht. Mittlerweile lieben die Schweizer Lebensmittel aus Afrika, unsere Kultur und die bunte Kleidung im Sommer.» Vermischung, davon ist «Maman Bijou» überzeugt, werde dafür sorgen, dass Rassismus in der Schweiz innerhalb einer Generation verschwinden werde. Fremdenhass sei sowieso ein individuelles Problem: Um ihn zu bekämpfen, müsse man nur das Unbekannte kennen- und lieben lernen, die Welt entdecken. «Einst hatte man Angst, die Afrikaner würden das Land übernehmen – ungleich den Chinesen heute, die das tatsächlich wollen. Aber auch sie sollte man lieben.» Herkunft ist für «Maman Bijou» irrelevant: «Wenn man mich ins Spital bringt und ich Blut brauche – wird man dann schwarzes Blut suchen? Nein, man gibt mir Blut. Bevor wir schwarz oder weiss sind, sind wir Menschen. Blut hat keine Hautfarbe. Gott hat keine Hautfarbe.»

Integration sei für ein prosperierendes Zusammenleben entscheidend. «Maman Bijou» liebt die Schweiz: «Wenn man den Gesetzen gehorcht, lebt man ruhig und frei. Die Schweiz ist ein Land des Rechts.» Hier finde man Rechtsgleichheit und Frieden, keine Unordnung. Sie bewundert die halbdirekte Demokratie: «Wenn etwas geändert werden muss, gibt es eine Abstimmung! Die Schweiz ist ein Vorbild für Europa.» Und die EU? «Wie Blocher will auch ich nicht in die EU.» Typisch schweizerisch!

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