Ein Zentralamt gegen Rassismus
Bild: C. H. Beck, 2022.

Ein Zentralamt gegen Rassismus

Thomas Piketty: Rassismus messen, ­Diskriminierung bekämpfen.

 

Der französische Wirtschaftswissenschafter Thomas Piketty erlangte mit seiner Abhandlung «Das ­Kapital im 21. Jahrhundert» weltweite Bekanntheit. Sie besagt, dass sich das Kapital zunehmend konzentriere und soziale Ungleichheit dadurch zunehme, was wiederum Demokratie und Wirtschaft bedrohe. In seiner neuesten ­Monografie «Rassismus messen, Diskriminierung bekämpfen» zeigt Piketty nun, was dieser Befund für den Rassismus in Frankreich bedeutet – und wie ihm zu begegnen wäre.

Rassismus hat für Piketty nicht nur kulturelle, sondern auch sozioökonomische Anteile, weshalb eine sinnvolle Antidiskriminierungspolitik auch wirtschafts- und sozialpolitische Massnahmen umfassen müsse. Bisherige Anstrengungen verfügten weder über Ausgangs- noch Endekriterien; ihre Effektivität sei nicht belegt. Um ihren Sinn, Erfolg oder Misserfolg feststellen zu können, schlägt ­Piketty vor, eine ­nationale Beobachtungsstelle für Diskriminierungen zu schaffen, die Schlüsselkennzahlen ermitteln und ­damit ­Controlling ermöglichen soll. Eine Quotenregelung wäre nur dann einzuführen, wenn geklärt ist, wann sie wieder abgeschafft wird, da sie ansonsten neue soziale Ungleichheit und Konflikte hervorbringen könnte.

Ein zentralistisches Amt zur Vermessung des Sozialen einzurichten, um so den gesellschaftlichen Fortschritt zu befördern – dies tönt nach einer sehr französischen Idee. Und dennoch ist dieser Vorschlag angesichts der bekannten Verteilungskämpfe, emotionalen Debatten und unbelegten Behauptungen, die dem Kollektivismus zuarbeiten, clever. Piketty ist bewusst, dass es einer vertieften Debatte bedarf, bevor sein Plan realisierbar wird. Allerdings: Wer würde hierfür konsultiert werden, wenn nicht genau diejenigen Experten, die – wie der Wirtschaftswissenschafter selbst – von «antimuslimischem Rassismus» fabulieren, zum Islamismus aber schweigen?

Ein «Weiter so» ist dem Antirassismus indes nicht anzuraten. Das Plädoyer für ein fundierteres Vorgehen ist angesichts der bekannten ideologischen Tendenzen, die diese gesellschaftliche Angelegenheit umgeben, sehr ernst zu nehmen. Die bündige Schrift sei deshalb allen empfohlen, die sich mit dieser Frage, der französischen Debatte und ­sozialer Ungleichheit befassen.

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Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
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