Wofür es Banken (nicht) braucht

Die Bank braucht uns.
Aber brauchen wir die Bank? 
Ein Fintech-Investor analysiert.

Privatpersonen und Unternehmer benötigen klassische Banken derzeit hauptsächlich für drei Dienstleistungen:

einen Zahlungsverkehr, der sowohl lokal als auch international verlässlich funktioniert

die Aufnahme von Krediten

die Möglichkeit zum Sparen sowie die Beratung in Geldangelegenheiten

In allen von diesen Bereichen sind auch Fintech-Unternehmen aktiv. Im Zahlungsverkehr ermöglichen Kryptowährungen wie beispielsweise Ripple oder Stellar Lumens Zahlungen über die Blockchain, und auch zum Sparen eignen sich Krypto-Assets. Start-ups wie Lend.ch oder CreditGate24 zapfen die «Crowd» zur Kreditvergabe an. Und schliesslich helfen digitale Berater wie Selma Finance beim Anlegen. All diese Firmen haben eines gemeinsam: sie sind keine Banken und sie benötigen auch keine Banklizenzen.

Eine Welt ohne Banken scheint also möglich. Doch nicht so schnell: Alternativen zur Bank gab es schon immer. Denken wir etwa an die Nutzung von Bargeld im Zahlungsverkehr, die Aufnahme von Darlehen bei Bekannten, die Anlage von Geld in physischen Assets. Nur was ist heute anders? Neue technische Entwicklungen haben nachhaltige strukturelle Veränderungen ausgelöst. Sie schaffen erstens Alternativen zum Vertrauen in Banknetzwerke, ermöglichen zweitens Anlage und Kreditvergabe und sind drittens Alternativen zu Bankexpertisen – mittels Big Data, das mit künstlicher Intelligenz verschränkt wird.

1. Vertrauensalternativen zu Banken

Im Zahlungsverkehr, in der Vergabe von Krediten und im Sparen von Geldern spielt ein Faktor eine ganz zentrale Rolle: Vertrauen. Wir vertrauen unser Geld und unsere Finanzinformationen nicht irgendwem an, sondern nur Personen und Institutionen, denen wir vertrauen, so wie eben Banken. Wie das Beispiel einer einfachen Geldüberweisung zeigt, resultieren aus diesem Vertrauen Vertrauensketten: Wenn ich einen grösseren Geldbetrag aus der Schweiz an einen Lieferanten in Peking übermitteln möchte, vertraue ich darauf, dass mein Geld beim Lieferanten ankommt. Dazu vertraue ich mich zuerst meiner Hausbank an, welche ihrerseits einer Bank für die internationale Überweisung nach China vertraut, bis letztere einer chinesischen Bank vertraut, die dann die Geldüberweisung an die Hausbank des Lieferanten vornimmt. Bankennetzwerke sind de facto Vertrauensnetzwerke, die so globale Zahlungs- und Investmentflüsse ermöglichen. Die resultierenden Transaktionsketten sind zwar lang, komplex und nicht günstig, haben sich aber als vertrauenswürdig bewährt.

Nun ist mit der Blockchain erstmals eine direkte, günstige und vertrauensbasierte technische Alternative entwickelt worden. Die Blockchain-Technologie agiert wie ein dezentralisiertes Notariat und hält Transaktionen unveränderbar in Hunderten bis Tausenden global verteilten Rechenzentren fest, welche sich ständig gegenseitig überprüfen. So ist eine vergleichbare Vertrauensbasis wie bei Bankennetzwerken geschaffen worden. Im Beispiel der Überweisung an den chinesischen Lieferanten kann ich mein Geld mittels Blockchain direkt, innert Minuten und günstiger überweisen, als dies über das Bankennetzwerk möglich wäre. Die Schaffung von globalen technischen Vertrauensnetzwerken ist ein entscheidender Schritt für die Zukunft unserer wirtschaftlichen Tätigkeiten und wird die Finanzwelt in den kommenden Jahren nachhaltig verändern.

2. Direktes Verknüpfen von Geldgeber und Geldnehmer

Mit ihrer Bilanz übernehmen Banken eine wichtige Pooling-Funktion. Sparer können bei der Bank ihre Gelder in einem Bankkonto aufbewahren. Die Bank hält diese Gelder auf ihrer Bilanz und stellt auf der Gegenseite der Bilanz Kredite…

Für einen Finanzmarkt ohne Banken
Ein Paradeplatz ohne Banken und Banker? Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Comet Photo AG (Zürich) / Com_M01-0762-0006 / CC BY-SA 4.0.
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Die traditionelle Bankenregulierung funktioniert nicht mehr. 
Für das Finanzwesen im 21. Jahrhundert ist ein neuer und radikal marktbasierter Ansatz gefragt.

Willkommen im Schlachthof!
Schalterhalle oder Schlachthof: «Der Eingang ist für alle gleich, und am Ende wird alles irgendwie verwurstet.» Bild: imago / Eibner.
Willkommen im Schlachthof!

Wer Kunden wie Mastvieh behandelt, hat irgendwann keine mehr – 
das gilt auch für das Private Banking in der Schweiz. 
Will sie nicht untergehen, muss die Branche ihre Tugenden wiederentdecken.