Verwundete Frauen auf der  Suche nach Erfüllung
Bild: Verlag Elster & Salis.

Verwundete Frauen auf der
Suche nach Erfüllung

Sybil Schreiber: Safranhimmel.

 

Beziehungsprobleme, Durchschnitts­menschen und einzelne, lose miteinander verbundene Episoden: Ein bisschen erinnert Sybil Schreibers neuer Erzählband «Safranhimmel» an Robert Altmans Kultfilm «Short Cuts» von 1993. Nur dass hier nicht Paare im Mittelpunkt stehen, sondern Frauen im mittleren Alter. Sie alle leben ein wenig neben- und ein wenig miteinander in einer Genossenschaftssiedlung aus den 1920er-Jahren, getrieben von Sehnsüchten und Frustrationen. Die Protagonistinnen suchen noch immer nach ihrem Platz im Leben, stürzen sich ins Abenteuer oder entfliehen dem Alltag, in der Hoffnung, endlich ihr Glück zu finden.

Manche der Figuren haben mehrere Kinder und wissen nicht, warum. Andere träumen von sinnlichen Begegnungen oder verarbeiten ihr gescheitertes Liebesleben. Während zum Beispiel Paula für ihren Ex-Partner nur noch Verachtung übrighat und zu drastischen Mitteln greift, um sich von der Vergangenheit zu lösen, muss Ines die Bindung aufgrund eines gemeinsamen Kindes weiterhin leidvoll ertragen. Manchmal kommt es zu einer erneuten Annäherung, so wie im Fall Maxis, die zuvor mit den traurigen Begleiterscheinungen des Single-Daseins kämpfte: «Die Abende in ihrer Wohnung flossen ineinander, als wären sie Tinte im Wasser, Auflösen ohne Kontur.» Die Lehrerin Rose hingegen macht eine Bekanntschaft, die auf geistiger Ebene vitalisierend wirkt: «Es war kein beklemmendes Nichtssagen, sondern vielmehr ein zartes Denken im Duett.»

Sybil Schreiber beschreibt das Gefühlsleben der Frauen in einer poetischen wie konzisen Sprache. Mal ist sie sehr direkt, mal voller Humor. Die deutsch-schweizerische Autorin beflügelt nicht nur die Fantasie ihrer Protagonistinnen, sondern auch die der Leser, indem sie manche Handlungen bloss andeutet, ohne ihren Verlauf im Detail auszuerzählen. Bisweilen genügt nur ein Wort, um eine Gefühlslage, ja eine ganze Lebensphase auszudrücken. In der Figurierung steckt sehr viel psychologisches Feingefühl, mit dem Schreiber vertraute Charaktere auftreten lässt, in die man sich gut hineinversetzen kann. In ihnen spiegelt sich der Zeitgeist: Eine Sehnsucht nach Erfüllung, die ziellos mäandert, ohne zum Versiegen zu kommen.

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
über den «Schweizer Monat»