UFO‑Leaks und Pentagon-Verschwörung
Gibt es Ausserirdische? Klar, sagt Steven Spielberg – doch ihm geht es um grössere Fragen.
Der neue Film von Steven Spielberg, «Disclosure Day», ist ein rasanter Science-Fiction-Thriller. Im Zentrum steht die Wettermoderatorin Margaret (Emily Blunt), die live auf Sendung in Trance fällt und eine Alien-Sprache spricht. So beginnt die Enthüllung einer Weltverschwörung, unterstützt von einem IT‑Spezialisten (Josh O’Connor), dessen Chef Noah Scanlon (Colin Firth) die Wahrheit unterdrücken will.
Der Film interessiert sich weniger für spektakuläre Szenen als für die Frage, was geschieht, wenn Regierungen Narrative nicht mehr kontrollieren können und bestätigen müssen, dass Aliens existieren. Orientiert an Verschwörungserzählungen aus dem Netz (UFO‑Leaks, Pentagon‑Berichte, Medienmisstrauen), arbeitet Spielberg formal ganz klassisch. Sein Film ist Spannungskino der alten Schule.
«Der Film interessiert sich weniger für spektakuläre Szenen als für die Frage, was geschieht, wenn Regierungen Narrative nicht mehr kontrollieren können.»
Interessant ist eine Aussage Spielbergs im Vorfeld der Premiere, die Zuschauer müssten durch den Film ihre «religiösen Überzeugungen» überdenken. Stellt die Existenz von Aliens den Glauben an Gott in Frage? Zumindest aus christlicher Sicht könnte man zurückfragen, warum der Schöpfer des Universums nicht auch Aliens geschaffen haben soll, die uns etwas Wichtiges mitteilen sollen?
Noch spannender ist eine andere Überlegung. Man kann Science-Fiction-Filme wie «Close Encounters» (1977), «E.T.» (1982), «Contact» (1997) oder «Arrival» (2016) durchaus als religiöse Filme des 21. Jahrhunderts betrachten. In dem Sinne, dass sie oberflächlich betrachtet zwar von Raumschiffen und Ausserirdischen handeln, aber unter der Oberfläche von Offenbarungen aus dem Himmel. In diesen Geschichten offenbaren Ausserirdische nämlich meist eine lebenswichtige Wahrheit, die der Mensch allein nicht finden kann. Eine Wahrheit für die Welt, aber nicht von der Welt: Genau das gehört zum klassischen Bestand von Offenbarungsreligionen.
Wer sich also den Spass gönnt, «Disclosure Day» auf der grossen Leinwand zu sehen, kann sich von Steven Spielberg dazu verführen lassen, ins Staunen zu kommen: erstens über die Filmkunst dieses Regisseurs. Und zweitens über die Frage nach Ursprung und Sinn des Daseins. Ja, bei Spielberg sogar nach dem Sinn der Liebe – Liebe zur Wahrheit, Liebe zum Leben.