© Jannik Belser

Afrikaner in der Schweiz IV

Robel Debesay
Aarau / Eritrea

 

Mit dem Wechsel auf die englische Sprache nach fünf Gesprächsminuten taut Robel Debesay auf. Deutsch verstehen und lesen können ist eines. Aber eine Stunde lang über sein Leben und seine Gefühle sprechen? Das fällt dem Eritreer auch nach drei Jahren hier nicht leicht.

Robel Debesay kommt als Asylbewerber in die Schweiz. Nach einem abgeschlossenen Bachelor-Studium in Computerwissenschaften bieten sich in Eritrea nur zwei Möglichkeiten: Zwangsarbeit im Militär oder ein Aufenthalt im Gefängnis. «Ich will für meine Familie sorgen und sie finanziell absichern», sagt der heute 30-Jährige. «Wir Flüchtlinge kommen nicht freiwillig nach Europa, sondern weil wir zu Hause keine Perspektive mehr sehen.» Debesays Reise führt ihn während fünf Jahren über Sudan, Ägypten und Italien in die Schweiz. Hier angekommen, will er eine neue Existenz aufbauen, eine Arbeit finden. Leichter gesagt als getan: «Für uns Flüchtlinge ist es sehr schwer, an die nötigen Informationen oder Vermittlungsstellen zu kommen.» Doch Debesay gibt nicht auf und findet schliesslich sein Glück: Bei Powercoders, einer Coding-Academy für Flüchtlinge, darf er während einer dreimonatigen Ausbildungsphase seine Fähigkeiten unter Beweis stellen. Das Highlight folgt am Schluss des Programms: Die Organisation verknüpft Absolventen mit Schweizer Unternehmen. «Jeder Flüchtling würde für so eine Möglichkeit sterben!», so Debesay. Er ergattert sich ein einjähriges Praktikum im IT-Bereich der UBS, wo er nach guten Leistungen sogar eine Festanstellung erhält. Die Schweiz nennt er sein Zuhause.

Damit mehr Migranten solche Erfolgsgeschichten gelingen, solle die Schweiz ihnen bei der Suche nach Arbeit Plattformen bieten, findet Debesay. Europäische Staaten sollen das Pro­blem bei der Wurzel anpacken und sich für bessere Regierungsführung in Afrika einsetzen. Umgekehrt könne die Schweiz auch einiges von den Migranten dazulernen, zum Beispiel in Sachen Lebensfreude. Ein leeres Klischee? Zur Verabschiedung umarmt mich Robel Debesay.

«Der beste Journalismus ist der,
den man liest, obwohl einen das Thema bis dahin gar nicht interessiert hat.
Beim MONAT passiert mir das ständig.»
Niko Stoifberg, Schriftsteller und Redaktor bei «getAbstract», über den «Schweizer Monat»