Ein Leben im Künstlerprekariat

Ein Leben im Künstlerprekariat

Andreas Niedermann: Schreiben – Selbstbild mit Tier.

 

In der Rückschau erscheint Andreas Niedermann vor allem als Getriebener. Zu den Stationen seines Lebens zählen Zeiten als Drogendealer, Kino­betreiber, Obdachloser, Bühnentech­niker, Maroniverkäufer, Beinahedrehbuchautor und Kranführer. Er wollte nicht in der Schweiz sein, konnte aber auch nicht im Ausland leben, er wollte schreiben, konnte dies jedoch nicht und wurde schliesslich in eigenen Worten «zum Tier». Das entdeckte er, als ihn ein Gelegenheitsjob für drei Monate zum Rinderhüten in die Berge verschlug. «Das Tier» in ihm half durch neblige Wochen, lehrte ihn, seine Herde zu kontrollieren, und brachte ihn physisch in Topform. Doch dann kommt der Fall, die ­Alkoholsucht, die Verzweiflung. Niedermann hatte sein ­Testament schon auf eine Papierserviette gekritzelt, aber «das Tier» wollte nicht sterben. Eines Nachts sagt ihm eine Frau in einer Bar: «Trink doch einfach keinen Schnaps mehr.» So beginnt der erfolgreiche Entzug.

In seinem neuesten Buch widmet sich Andreas Niedermann autobiografisch der Beziehung zwischen Autor und Schreiben – am Beispiel seines ersten Romans «Sauser», dessen erfolgreicher Publikation 1987 und der nachfolgenden Fernsehauftritte. Der Schriftsteller berichtet davon, was nach so einem High folgte: «Nämlich das nächste. Und dann noch eins und noch eins.» Irgendwann kam der Fall aber eben doch und Niedermann stürzt tief. Das ist in diesem Buch kein Klischee.

Es hat etwas Abschliessendes, wenn Niedermann zur Entstehungsgeschichte seines ersten Romans zurückkehrt, ähnlich einem Schauspieler, der einen «Lifetime Achievement Award» erhält – nur dass sich der Autor das Denkmal selbst setzt und dieses von Selbstzweifeln zeugt. Er schreibt in einer einfachen Sprache, hier und da hat es ein paar ­Anglizismen oder andere sprachliche Einwanderer. Seinen Stil beschrieb eine Rezensentin im «Literarischen Monat» einmal treffend als «unverfälscht, süffig-unprätentiös, ­reduziert und doch stilsicher». Wer sich für wechselreiche Biografien aus dem Künstlerprekariat interessiert, ist mit diesem Buch sehr gut bedient.

«Ein Leuchtturm der
Freiheit in einem immer
staatsgläubigeren Europa.»
Frank Schäffler, Bundestagsabgeordneter,
über den «Schweizer Monat»