In dieser Ausgabe

Editorial

Edito

Während ich diese Zeilen schreibe, gönne ich mir einen Saperavi von Kakha Berishvili, einem Anarchisten-Winzer, der Laisserfaire-Weine von höchster Güte produziert (sein Motto: «Ich lasse die Natur für mich arbeiten»).  Der Rotwein ist bloss eine Reminiszenz an das Land, das die «Monat»-Redaktion in seinen Bann zog: Georgien. Der Kleinstaat im Südkaukasus, vielfältig, tief und schön, […]

Abenteuer Georgien

Dieses Dossier ist die Dokumentation des bisher grössten Abenteuers der Redaktion. Serena Jung, Claudia Mäder und ich sind eingetaucht in eine unerhörte, alteuropäische, neuliberale und vielfältige Welt. Nach zehn Tagen mit nachhallenden Erlebnissen sind wir wieder aufgetaucht und haben das Gesehene, Gehörte und Geschmeckte verdichtet. Folgen Sie uns auf unserem Abenteuer in die neue Welt […]

Hausgemachter Terrorismus

Dass Jugendliche den «heiligen Krieg» zunehmend «cool» finden, ist besorgniserregend, sagt aber mehr über den Zustand der westlichen Gesellschaften als über den Islam. Denn: Was bringt junge Leute eigentlich dazu, ein Leben in Freiheit und Frieden gegen organisierten Mord im Wüstensand einzutauschen?

Korruption kriegt die Quittung

23 Hühner für ein Staatsbankett? In Georgien können die Bürger kritisch prüfen, was sich ihre Politiker genehmigen. Kein anderes Land hat im letzten Jahrzehnt effektiver gegen Korruption und Misswirtschaft gekämpft – mit politischem Willen, neuen Technologien und den richtigen Anreizen.

Software statt Hardware

Was hat die Untersuchung von häuslicher Gewalt mit Studien zum kulturellen Umfeld von Unternehmen oder zum Aufbau einer meritokratisch orientierten öffentlichen Verwaltung zu tun? Der gemeinsame Nenner ist die sozialwissenschaftliche Thematik. Das ASCN (Academic Swiss Caucasus Net, siehe www.ascn.ch ), ein von der Gebert-Rüf Stiftung unterstütztes Forschungsförderungsprogramm für Armenien und Georgien, beschäftigt sich genau mit solchen Fragestellungen. […]

Migroshvili

Auf der Fahrt zur Fabrik zeigt Mikheil Svimonishvili auf die Geräteparks, die die Regierung in verschiedenen Regionen aufgestellt hat, damit sich die Bauern Traktoren und anderes Gerät für die Feldarbeit ausleihen können. Für eigene Ausrüstung fehlt ihnen das Geld, mehr produzieren aber können sie nur mit Maschinenkraft, und mehr produzieren heisst für Svimonishvili: mehr Gemüse […]

Die Frauen und das Schach

Als ich mitten in Tbilisi das Gebäude der Georgischen Schachföderation betrete, fühle ich mich, als wäre ich in sowjetischen Zeiten gelandet: dunkle Räume, tonnenschwere Möbel, Stühle aus einer anderen Zeit. Natürlich kenne ich die Sowjetunion nur aus amerikanischen Filmen, aber wie ein Protagonist in einem Film komme ich mir auch vor. In einem Vorzimmer warte […]

Der Reformer und die Bildung

Vato Lejava, CEO der Free University of Tbilisi, wartet am Eingang und führt mich durch die Räumlichkeiten seiner Hochschule am äusseren Rand der georgischen Haupt- stadt. Wo einst eine staatliche Lehranstalt untergebracht war, residiert seit 2007 eine private Universität, die bereits sämtliche nationalen Rankings anführt, von Recht über Computerwissenschaften bis zur Business School. Was dem […]

Auf Georgien!

«In Gedanken an die Menschen, die wir lieb­gewonnen und die uns geholfen haben!» «Auf eine gute Zusammenarbeit und das Gelingen unseres gemeinsamen Projektes!» Ich sitze mit meinen georgischen Kolleginnen und Kollegen an einem länglichen Holztisch in einem Gartenrestaurant oberhalb Tbilisis. Unter uns glitzern die Lichter des Altstadtquartiers, wir sehen einen Teil des überdimensionierten, futuristischen Justizgebäudes […]

Jeder ein Kurator
Karaman Kutateladze, photographiert von Martina Jung.
Jeder ein Kurator

Während der Staat versucht, mit der Kunst die geschichtliche Brücke über die Sowjetzeit hinweg zu schlagen, erfinden die zeitgenössischen Künstler neue Berufe und gärtnern mit Studenten auf dem Biohof.

Das orthodoxe Paradox

So sehr sich Georgien im letzten Jahrzehnt liberalisiert hat: In religiösen Belangen hat sich das Land verschlossen. Mit der georgisch-orthodoxen Kirche ist ein Player auferstanden, der der Moderne mächtig entgegenwirkt. Seine national-religiöse Mixtur betört das Volk – und fordert den jungen Staat heraus.

Stimmung nach Zahlen

Im Oktober 2012 hat Georgien einen wichtigen Meilenstein erreicht – den ersten friedlich verlaufenen, demokratischen Regierungswechsel seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Dieser Wandel wurde sowohl im Land selbst wie auch international als Schritt in Richtung Demokratie wahrgenommen und hat den Zukunftsoptimismus der Georgier verstärkt. Was aber denken die Georgier fast zwei Jahre nach diesem […]

Aufstieg dank Austausch

Georgien ist das Paradies auf Erden: Mit hohen Bergen, fruchtbaren Tälern und hervorragenden Reben hat der liebe Gott es bedacht. Erst seit es auf die segensreiche Wirkung offener Märkte setzt, vermag das Land sein Potential aber auch wirtschaftlich zu nutzen.

Harmonie der Mehrstimmigkeit

Die mündlich überlieferte Musik der Georgier ist ein bedeutender Beitrag zur musikalischen Weltkultur – nicht nur in den Ohren einzelner Begeisterter: Der mehrstimmige traditionelle Gesang steht als «Meisterwerk der mündlichen und immateriellen Kultur» unter dem Schutz der Unesco und fungiert als Kommunikationsform, die die Einheit in der Vielfalt sucht

Georgien ist anders

Mein Georgien-Abenteuer hat vor vier Jahren begonnen, in Zürich, bei einem Abendessen mit Tischgesang. Wie ich das Land im Südkaukasus kennenlernte. Und wie ich neue Freunde und Geschäftspartner fand. Bericht eines involvierten Unternehmers.

Dossier

Guram, Sandro und Nodar

Ich habe Georgien bereist – und bin mit Taschen voller Geschichten zurückgekehrt. Die Personen, die ich kennengelernt habe, kamen mir vor wie Protagonisten eines Romans, dessen Titel lauten könnte: «Vom abenteuerlichen Leben moderner Bildungsbürger». Zuerst treffe ich Guram Sali. Unser einheimischer Fahrer ist in Tat und Wahrheit Lehrer, der an einer Privatschule Russisch unterrichtet. Das […]

«Nachhaltigkeit»
«Nachhaltigkeit»

Halten zu Gnaden! Der nachhaltige Missbrauch der deutschen Sprache könnte nachhaltig missmutig machen. Müssig, denn das aktuelle Wieselwort ist nicht aufzuhalten, auch wenn man ganz und gar nichts davon hält. Niemand scheint sie davon abzuhalten, die Menschen und Marken, Produzenten und Politiker, Werber und Beworbene, alles, was ihnen gut und edel dünkt, mit dem Markenzeichen […]

Sexperten
Sexperten

Das Städtchen Merseburg an der Saale wird für Germanisten und andere altmodische Menschen immer ein Begriff bleiben. Hier wurden im Domschatz vor bald zweihundert Jahren jene einzigartigen althochdeutschen Zaubersprüche aus dem 8./9. Jahrhundert aufgefunden, die beschreiben, wie mit vorchristlich-germanischer Magie das Lösen von Fesseln oder das Heilen eines kranken Pferdebeins zu vollbringen seien. Für moderne […]

Das Unbekannte, Ungewisse und  Unsichere ertragen
Das Unbekannte, Ungewisse und Unsichere ertragen

Unter allen Unternehmensformen geniesst die börsenkotierte Aktiengesellschaft das geringste Vertrauen in der Bevölkerung. Dieser Schluss einer gfs.bern-Befragung kann kaum verwundern, berichten doch die Medien regelmässig und mit Leidenschaft über die Fehler und Dummheiten der AGs und ihrer Manager. Immer häufiger fühlt sich darum die Politik berufen, den Aktiengesellschaften gute Unternehmensführung («Corporate Governance») beizubringen – vor […]

…des Gesundheitskonsums
…des Gesundheitskonsums

Wir haben in den letzten Wochen und Monaten viel über die freie Wahl der Krankenkasse und des Arztes, über Notwendigkeiten und Wünschbarkeiten in der Gesundheitsversorgung, über die überbordenden Kosten lesen und hören können. Schuldzuweisungen allenthalben: geldgierige Pharmalobby, Ärztefilz, Spitalgerangel, Kassenlobbyisten. Politiker fast jeglicher Couleur stimmten laute Wehklagen an und priesen ihre eigenen Rezepte. Das Verhalten […]

Spät oder zu spät?
Juli Zeh, photographiert von Benno Kraehahn / photoselection.
Spät oder zu spät?

Datenschutz ist längst kein Exotenthema mehr. Doch obwohl er in den Medien Präsenz geniesst, hat er am Stammtisch einen schweren Stand – dringt dafür aber zögerlich in Politstuben und Parlamentskammern vor. Nur: was kann ein Akteur, der selber Daten sammelt, zum Schutz der Privatsphäre beitragen? Ein Gespräch über ausbleibende Aufstände, irrationale Ängste und reale Gefahren im digitalen Zeitalter.

Unser digitaler Schatten

Das Netz umgibt uns überall. Engt es uns aber mit Kontrolle ein oder bringt es uns durch Verknüpfung weiter? Beides, meint Sascha Lobo, denn Genialisches und Diabolisches liegen immer nah beieinander. Ein Blitzgespräch über Internetphänomene und die dunkle Seite von Mark Zuckerberg.

Das «Land Afrika»
Das «Land Afrika»

Kürzlich sass ich mit einem Parlamentarier einer einigermassen liberalen Partei beim Mittagessen. Ich erzählte ihm von Afrika, genauer: von Äthiopien, wo ich dieses Jahr als Berater für einen sicherheitspolitischen Think Tank arbeitete. Der besagte Herr glaubte, aufgrund einer Westafrikareise in den Siebzigerjahren durchaus selber in der Lage zu sein, die Situation unseres Nachbarkontinents zu beurteilen […]

Quoten für Frauen – und für wen noch?
Quoten für Frauen – und für wen noch?

Der Ruf nach einer Quotenregelung für Frauen in den Verwaltungsräten börsenkotierter Unternehmungen wird lauter. Bundesrätin Sommaruga will eine entsprechende Gesetzesregelung im revidierten Aktienrecht. Die Zahlen sind klar: Die Frauen sind in diesen Gremien untervertreten. Auch sonst spricht einiges für eine grössere Zahl von weiblichen Mitgliedern in den Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten von grösseren Unternehmungen: Frauen bringen […]

Wohin wächst die Wirtschaft?
Wohin wächst die Wirtschaft?

Sie wächst ins Digitale, ins Netz. Schauen wir näher hin: Das Internet hat – anders als die materielle Industrie – weder eine Fläche, ein Mass noch ein Gewicht. Trotzdem ist es heute von entscheidender Wichtigkeit, im Zentrum dieses Netzes zu stehen. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Der Internetgigant Google bietet uns bereits heute einen schönen […]

Chronik eines Fiaskos
Chronik eines Fiaskos

Die Kartellgesetzrevision ist gescheitert und damit auch der Versuch, ein erstinstanzlich unabhängiges Kartellgericht zu schaffen. Die Odyssee hat ihren Anfang 2009 mit einer Expertengruppe genommen, die vierzehn teils beliebige Empfehlungen zur Änderung des Kartellgesetzes (KG) abgab. Der Bundesrat hat es dann unterlassen, die Spreu vom Weizen zu trennen, die Vorschläge glaubwürdig zu bündeln und dem […]

Mehr Teilzeit für Männer?

Der Trend zu mehr Teilzeitarbeit ist ungebrochen: 2013 waren knapp 9 Prozent der männlichen Arbeitnehmer mit einem Beschäftigungsgrad zwischen 50 Prozent und 90 Prozent angestellt. Dieser Anteil hat sich seit 1991 annähernd verdreifacht. Dazu kommt ein leicht steigender Anteil von Männern mit einem Beschäftigungsgrad unter 50 Prozent. Bei dieser zweiten Gruppe ist das tiefe Pensum […]

Splitter aus der Redaktion

Flug LH438 «Don’t worry, Sir. You are taking off», war die Antwort am Check-in, als ich nach den Auswirkungen des angekündigten Lufthansa-Pilotenstreiks auf meinen Flug fragte. Ein Worry weniger: Für die 10 Stunden von Dallas nach Frankfurt blieben nun bloss noch Beinfreiheit, schlechtes Entertainmentsystem und – Ebola. Sie erinnern sich: Dallas. Texas Health Presbyterian Hospital. […]

Wühlen im Mülleimer der Geschichte
Bergdorf Omalo, photographiert von Claudia Mäder.
Wühlen im Mülleimer der Geschichte

In Georgien steht Stalin nicht als Schlächter auf dem historischen Schrottplatz, sondern als Rebell auf dem nationalen Podest. Bevor er entsorgt wird, wo er hinge-hört, tut aber Aufklärung not. Denn auch aus Mentalität und Gesellschaft sind nicht alle sowjetischen Relikte verschwunden.

Arbeitsfrei

Um zu überleben, musste der Mensch immer arbeiten. Von Anbeginn stand seine Existenz unter diesem Joch. Tagtäglich folgt er dem Kreislauf der Selbsterhaltung, dem endlosen Wechsel von Verausgabung und Regeneration, von Erzeugen und Verbrauch. Arbeit und Konsum. In diesem Mühlrad fristet er sein Dasein. Von der Notdurft des Lebens sind nur jene befreit, die von […]

Lange Nächte
Lange Nächte

Das Museum (aber auch die Galerie, die Kunsthalle u.ä.) gilt vielen Menschen als eher unbehaglicher Ort intellektueller Anstrengung und emotionaler Kontrolle. Auf dieses Unbehagen reagieren pädagogische Programme und festliche Events, speziell die «Langen Museums-nächte». Sie sollen, Achtung, ein «kunstfernes Publikum» anlocken. Durch Wein (seltener: Weib), manchmal Gesang, aber stets: Spektakel. Erfunden in Berlin, breitete sich […]