Alexandra Janssen, zvg.

Gutscheine gegen Lehrermangel

Staatlich gelenkte Märkte kommen leicht aus dem Gleichgewicht.

 

Die Schweiz leidet unter Lehrermangel. Und wenn sie nicht an Lehrermangel leidet, dann an Lehrerüberschuss. 1918 stand im Berner Schulblatt: «Zurzeit besteht ein Überfluss an Lehrer(inne)n wie noch nie.» Dagegen titelte 1963 der «Tages-Anzeiger»: «Kinder, immer nur Kinder, aber Lehrer bringt keiner.» Seit über hundert Jahren wechseln sich in der Schweiz Zeiten mit zu vielen Lehrern und Zeiten mit zu wenigen Lehrern ab. Das zeigt: Die Schweiz leidet nicht an Lehrermangel, sondern an einer zu wenig flexiblen Zahl der Lehrer.

Mangel- respektive Überschusslagen sind typisch für zentralistisch und staatlich gelenkte Märkte. Es gibt einen Mangel an Kinderärzten, einen Mangel an Psychiatern und einen Lehrermangel. Bestünde keine von den Zentralbanken verursachte Kapitalschwemme, hätten wir keinen Mangel an Schreinern, Coiffeurs oder Bankangestellten. Der private Markt bringt Arbeitsnachfrage und -angebot besser in Einklang als ein staatlich gesteuerter Markt. Dass es nicht an Lehrern per se fehlt, zeigen die Privatschulen. Dort gibt es keinen Lehrermangel, obwohl die Löhne mehrheitlich tiefer liegen als an staatlichen Schulen. Dort, wo der Markt die Löhne und Arbeitsbedingungen steuert, entstehen weniger Mangel- und Überschusslagen.

Es braucht also auch auf dem Markt für Lehrer an staatlichen Schulen markt-wirtschaftliche Steuerungselemente. Ein Weg, um das zu erreichen, sind Bildungsgutscheine, die pro Kind und Jahr an die Eltern verteilt werden. Diese entscheiden selber, an welcher privaten oder öffentlichen Schule sie den Gut-schein für die Bildung ihrer Kinder einlösen möchten. Eltern und Schulen wer-den diese Wettbewerbssituation sofort verstehen und Lehrerlöhne, Ausbildungskonzepte und Infrastruktur neu ausrichten. Bildungsgutscheine würden den Wettbewerb um gute Schulen, um Kinder und um Lehrer in Gang setzen. Der staatlichen Ausbildungsbürokratie würde das nicht gefallen.

«Wo Meinungen vom Mainstream
abweichen dürfen.»
Julia Hänni, Bundesrichterin,
über den «Schweizer Monat»