Gierige Wohltäter
Es ist Mode geworden, dass sich Unternehmen mit ihrer ökologischen und sozialen Verantwortung brüsten. Dabei schaffen sie den grössten Nutzen, wenn sie einfach nur Geld verdienen.
Adam Smith gilt als einer der einflussreichsten liberalen Denker der Geschichte. Gar als «Vater des Neoliberalismus» wird der schottische Moralphilosoph und Ökonom bezeichnet.
Da erstaunt es auf den ersten Blick, dass sein Bild von Unternehmern wenig schmeichelhaft war. In seinem bahnbrechenden Werk «Der Wohlstand der Nationen», veröffentlicht vor 250 Jahren, schreibt er: «Es kommt selten vor, dass Leute vom selben Gewerbe sich treffen, und sei es auch nur zur Erheiterung und Zerstreuung, dass ihr Gespräch nicht in einer Verschwörung gegen die Allgemeinheit endet oder im Aushecken eines Kniffs, um die Preise zu erhöhen.»
Warum war Smith ein Vorkämpfer für die freie Marktwirtschaft, wenn er den Marktteilnehmern so schlechte Absichten unterstellte? Das entscheidende Wort hier ist Absichten. Denn tatsächlich mass Smith der Gut- oder Bösartigkeit menschlicher Absichten eine überraschend geringe Bedeutung bei. Erinnern wir uns an Smith’ berühmtestes Zitat: «Nicht von dem Wohlwollen des Fleischers, Brauers oder Bäckers erwarten wir unsere Mahlzeit, sondern von ihrer Bedachtnahme auf ihr eigenes Interesse.»
Aus Sicht des Konsumenten ist es irrelevant, ob der Verkäufer eines Produkts ein guter Mensch ist. Der Bäcker kann sogar ein Soziopath, der Metzger (auch im übertragenen Sinn) ein Halsabschneider sein. Sie mögen ihren Kunden zur Hölle wünschen – und verschaffen ihm doch ein Frühstück mit frischem Brot und einen währschaften Sonntagsbraten. Der unbeabsichtigte Nutzen, hervorgebracht von der Notwendigkeit, zufriedene Kunden zu haben, spielte für Smith eine entscheidende Rolle, wie der Ökonom Thomas Sowell bemerkt hat.
Verdächtig gute Absichten
So gesehen läuft das Modell der «Corporate Social Responsibility» quer zur Logik der Marktwirtschaft. Es rückt nämlich die Absicht des Produzenten ins Zentrum: Entscheidend ist in dieser Denkweise nicht, dass eine Firma ihren Kunden ein nützliches Produkt zu einem akzeptablen Preis bietet – was auch immer für Motive dahinterstehen. Entscheidend ist, dass sie die vermeintlich «richtigen» moralischen Ziele verfolgt.
Einmal abgesehen davon, dass Unternehmen nicht wirklich einen eigenen Willen haben, ist der Nutzen dieses Ansatzes fraglich. Warum sollte Nestlé wissen, wie man den Klimawandel am besten bekämpft oder welcher Kaffeepreis für Kaffeebauern «fair» ist? Für faire Rahmenbedingungen hat die Politik zu sorgen (und darüber hinaus sich nicht weiter einzumischen). Alle lauthals verkündeten guten Absichten sind in erster Linie PR-Übungen und Beschäftigungsprogramme für Compliance-Spezialisten.
Ich jedenfalls meide den Bäcker, der mir weismachen will, mit meinem Gipfeli würde ich zum Weltfrieden beitragen. Mir ist jener lieber, der einfach nur Geld verdienen will – und sich daher besondere Mühe gibt, mich als Konsumenten zufriedenzustellen.