Die Welt ist eine Verschwörung

Grauzone #2

Die Welt ist eine Verschwörung

In meiner letzten Kolumne habe ich angekündigt, dass ich ausgehend von den Google-Suchresultaten von euch, liebe Leserinnen und Leser, zum Begriff «Grauzone» etwas schreiben werde. Ich muss das leider verschieben. So ist es halt in der Grauzone: eben nicht so einfach. Etwas Brennendes ist mir dazwischen gekommen. 

Ein Brennen unter den Fingernägeln nämlich. Und wenn etwas brennt, dann soll man es nicht umgehend löschen (sofern es nicht grad schmelzende Brennstäbe sind… aber sogar da zeigte sich, dass das Kühlen problematisch sein kann, denn jetzt fliesst das kontaminierte Kühlwasser unkontrolliert irgendwohin … und jetzt schon wieder nicht mehr … was wiederum aufzeigen könnte, dass alles nicht so einfach oder eben, nicht schwarzweiss ist … pardon, ich schweife ab…).

In der schwarzweissen Welt kann man locker einen Schritt ansagen und landet dann im vorgesehen Feld (ich könnte übrigens jeweils statt schwarzweiss zum Beispiel auch rotbraun schreiben…), bei mir – und damit auch in meiner Grauzone – sind die Felder jedoch noch nicht erntereif bestellt. Es darf das gedankliche Unkraut spriessen. Sowieso: Das Jäten war schon damals, als ich noch Landschaftsgärtner war, nicht wirklich mein Ding. Aber keine Sorge: Ich verliere in meinem hiesigen kleinen Wildwuchsacker die tollen Pflänzchen nicht aus den Augen, die Ihr hier in Form Eurer Kommentare eingepflanzt habt.

Zurück zum Feuer unter meinen Fingernägeln: Immer wieder stolpere ich über den Begriff «Verschwörungstheorie». Lange dachte ich, dass ich genau weiss, was damit gemeint ist. Inzwischen läuten bei mir aber die Alarmglocken, wenn es um die Verschwörung geht. Ein «Aha, da ist wieder jemand, der oder die ganz sicher weiss, was wahr ist». Und genau darum geht es oft; aufzuzeigen, dass man weiss, wie es wirklich ist. Als Schwarzweissskeptiker beginnt mich in dem Moment der Hintergrund dessen zu interessieren, was als «Verschwörung» bezeichnet wird. Zuweilen ist mir das sogar etwas peinlich. Dann nämlich, wenn ich ernsthaft in Erwägung ziehe, dass die NASA die Mondlandung nur vorgetäuscht haben könnte (ein Klassiker !), die Amerikaner das World Trade Center zerstörten oder sogar mit dem Projekt HAARP an einer Hochfrequenzwaffe arbeiten, die Tsunamis, Erdbeben und Vulkanausbrüche gleichzeitig evoziert.

Politisch gesehen gibt es links wie rechts Unmengen von Verschwörungstheorien. Meistens stehen sie auf einem luftigen Fundament aus Vorurteilen. Manchmal gibt es sogar zu einzelnen Begriffen ganz unterschiedliche Verschwörungstheorien. Dazu sehr naheliegend, ich schreibe hier ja für den «Schweizer Monat», ist der Begriff «liberal». Oft wird er mit einem weiteren Wörtchen ergänzt, damit verschieben sich dann die Wahrheiten. Gerne zum Beispiel mit «Neo» (was übrigens gemäss Wikipedia «jung, frisch, neu, ungewöhnlich, revolutionär» bedeutet). Oder «national». Oder «radikal». Und erst das «ultra» und das «hardcore»! Habe ich etwas vergessen? Für jedes weitere Präfix per Kommentar bin ich dankbar. Entstehen soll ein Liberallala, eine Enzyklopädie der Liberalismen, denn: Ob in der WoZ oder in der Weltwoche, nirgends treffe ich auf das «reine» Liberale. Jeder schwingt dieselbe Keule, hat sie jedoch ganz eigen geschmückt und verziert. Und keiner merkt, dass die Keule ein Spaten wäre, mit welchem man Bäume pflanzen könnte. Meistens habe ich es also mit buchstäblichen «Klappspaten» aus linken und rechten Werkstätten zu tun, welche an ihrer Klappspatigkeit keinerlei Anstoss zu nehmen scheinen. Immerhin haben sie ja stets recht.

Meine grosse Sensibilität gegenüber Verschwörungstheorien geht inzwischen also so weit, dass ich mein ganzes Weltbild als Verschwörungstheorie bezeichnen würde. Wer weiss schon, was oder wie es wirklich ist? Da bleibt für mich nur der Ausweg, alles zu hinterfragen. Das «reine Liberale» gehört übrigens auch dazu. 

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
 über den «Schweizer Monat»