Die rollende Alternative

Es ist ein nasskalter Abend. Ich muss nochmal raus und auf die andere Seite der Stadt. Gratis und zu Fuss? Per Tram mit dem 8-Franken-Ticket? Oder mit dem Taxi für 15 Stutz? Nichts dergleichen! Ich lade die Uber-App herunter und probiere ein neues Personentransportsystem aus. Kurz darauf erhalte ich eine SMS: «Paulo ist in 4 […]

Die rollende Alternative

Es ist ein nasskalter Abend. Ich muss nochmal raus und auf die andere Seite der Stadt. Gratis und zu Fuss? Per Tram mit dem 8-Franken-Ticket? Oder mit dem Taxi für 15 Stutz? Nichts dergleichen! Ich lade die Uber-App herunter und probiere ein neues Personentransportsystem aus. Kurz darauf erhalte ich eine SMS: «Paulo ist in 4 Minuten bei dir.» Und tatsächlich, Paulo war in 4 Minuten bei mir! Hochmotiviert chauffierte er mich für 6 Franken durch die eisige Nacht. Seither bin ich begeisterte Uber-Kundin.

Ubers Reiz besteht dabei nicht nur im günstigen Tarif: Ich brauche weder Bargeld noch eine telefonische Bestellung, Uber besticht durch die virtuelle, aber zuverlässige Kundenbeziehung. Eine willkommene Konkurrenz des Taximonopols also, aber auch ein Innovator, der den individuellen Personentransport einem neuen Kundensegment zugänglich macht.

Allerdings nicht überall: In Spanien musste der Dienst nach einer gerichtlichen Verfügung per Ende Jahr eingestellt werden, und in Deutschland ist es dem Unternehmen untersagt, den selbständigen Fahrern ihre Kunden gegen Provision zu vermitteln – was letztlich das weltweite Geschäftsmodell des Dienstes ist. In der Schweiz ist das Gewerbe kommunal reguliert, insbesondere die Nutzung des öffentlichen Grundes ist bewilligungspflichtig.

Gegen Uber laufen Taxifahrer also in verschiedenen Städten Sturm – in Genf kam es zu Tätlichkeiten gegen Uber-Fahrer, auch ein Gerichtsverfahren ist dort hängig. Uber-Fahrern in Zürich ist es verboten, Kunden an Taxistandplätzen z.B. am Flughafen oder im HB zu akquirieren. Dennoch hat man eine Lösung mit Augenmass gefunden: die Uber-Cabs können per App bestellt werden, die Gewerbepolizei beharrt auch nicht auf einer Taxiprüfung. Die Erlaubnis zum Personentransport und eine Versicherung genügen.

Für einmal lobe ich mir also Zürich! Die Stadt gibt der Innovation Vorrang – und sichert nicht bloss die Pfründe angestammter Berufsgruppen.

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