Die Last der Geschichte
Kara Walker, fotografiert von Ari Marcopoulos.

Die Last der Geschichte

Eine der wichtigsten Gegenwartskünstlerinnen verleiht den Geistern der Vergangenheit Gestalt. Damit weist sie zugleich auf die Missstände der Gegenwart hin.

 

Lässt sich in der Kunst über Rassismus nachdenken, ohne dass diese didaktisch oder gar aktivistisch wird? Die US-amerikanische Künstlerin Kara Walker wurde in den 1990er Jahren mit übergrossen Scherenschnitten berühmt, die die Geschichte der Sklaverei, der Lynchjustiz, der Rassentrennung und der fortwährenden Vorbehalte in den Vereinigten Staaten aufgearbeitet haben. Bis heute prägt die Auseinandersetzung mit diesen Themen ihr Werk. Mit «A Black Hole Is Everything a Star Longs to Be» zeigt das Kunstmuseum Basel vom 5. Juni bis zum 26. September 2021 eine grosse Auswahl an Walkers Arbeiten, die bislang noch nirgends zu sehen gewesen sind, weil sie aus dem Archiv der Künstlerin stammen. Sie gewähren Einsichten in ihre Arbeitsweise, die «Rassismus, Geschlecht, Sexualität und Gewalt in den Fokus [nimmt] – ohne Rücksicht auf politische Korrektheit», wie es in der Ankündigung zur Ausstellung heisst.

Auf den folgenden Seiten sehen Sie vier exemplarische Arbeiten, die allesamt auf Papier entstanden sind. Sie spielen mit den Erwartungshaltungen des Betrachters, der sich von einer künstlerischen Beschäftigung mit Rassismus Klarheit oder Versöhnliches erhoffen mag, wie auch mit der politischen Provokation, die hier gleich in mehrfache Richtung ausschlägt – sei es, was die Frage angeht, wo sich eigentlich die schwarze Mittelklasse befand, als die Siedler gen Westen zogen, sei es, was den Gebrauch obszöner Wörter betrifft. Dass Walker keine einfachen Antworten formuliert, sondern vielmehr irritiert, ist eine der besonderen Stärken ihrer Werke.

26 x 18,1 cm; Wasserfarbe, Tusche, Gouache und Pastellkreide auf Papier
27,6 x 22,5 cm; Collage, Tusche, Filzstift, Photokopie, Klebeband, Aufkleber, Gouache, Wasserfarbe, Graphit und Buntstift auf Papier
28,6 x 40,3 cm; Collage und Tusche auf Papier
Tusche und Wasserfarbe auf Papier

Wir danken Anita Haldemann und Karen Gerig vom Kunstmuseum Basel dafür, dass sie uns diese Bilder freundlicherweise vorab zur Verfügung gestellt haben.

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