Das heilige Bild der Bergwacht

Der zweiteilige Fernsehfilm «Riesending – Jede Stunde zählt» über eine dramatische Höhlenrettung in Bayern zeigt spektakuläre Bilder und ist überraschend kritisch.

Das heilige Bild der Bergwacht
Komplizierte Rettung aus rund 1'000 Metern Tiefe: Höhlenforscher Bernd Hellersdorf (Christoph Bach) verabschiedet sich vom verletzten Josef Häberle (Roland Silbernagl). Bild: SRF / BR / ARD / Degeto / Nikola Predovic.

Zwischen Weihnachten und Neujahr zeigten SRF, ServusTV und ARD die internationale Koproduktion «Riesending – Jede Stunde zählt». Der Spielfilm basiert auf einer spektakulären Rettungsaktion in der bayerischen Riesending-Schachthöhle vom Juni 2014.

Die Riesending ist mit einer vermessenen Länge von 23,8 Kilometern und einer Tiefe von 1149 Metern die tiefste und längste bekannte Höhle Deutschlands. Im Juni 2014 war ein Höhlenforscher in rund 1000 Meter Tiefe bei einem Steinschlag schwer am Kopf verletzt worden. Die Rettung war hochkomplex, weil die Unfallstelle von jeder Kommunikation abgeschnitten und nur für erfahrene Höhlen-Bergsteiger zugänglich ist.

Der Film stellt zum einen viele praktische Herausforderungen packend dar: Welcher Arzt schafft die unterirdische Bergtour bis zum Verletzten? Wie wirken sich starke Niederschläge in der Höhle aus? Wie gelingt ein Transport durch einem Terrain, das eigentlich nur Spitzenkletterern in guter Form zugänglich ist?

Zum anderen stellt Regisseur Jochen Alexander Freydank die Konflikte in der verständlicherweise überforderten Bergwacht Bayern ins Zentrum. Die Frage, ob weitere Menschenleben für die Rettung eines Schwerverletzten aus einer scheinbar auswegslosen Situation gefährdet werden sollen, belastet den Einsatzleiter ebenso wie Druckversuche aus der Politik und kritische Fragen der Medien. Den Hilfsangeboten von erfahrenen Höhlenforschern aus halb Europa steht die Bergwacht lange sehr kritisch gegenüber, während sich die Lage in der Höhle zuspitzt.

Die TV-Produktion ist erstaunlich staatskritisch, erinnert teilweise gar an die TV-Serie «Chernobyl», in welcher der Umgang des Sowjet-Apparats mit dem Atomunfall nachgezeichnet wird. Die Bergwacht Bayern sah sich sogar dazu veranlasst, eine ausführliche Stellungnahme zu veröffentlichen. Sie werde in ein falsches Licht gerückt, «was unsere hochmotivierten ehrenamtlichen Frauen und Männer nicht verdient haben». Die Bergwacht weist darauf hin, dass die Rettungsaktion, an der letztlich rund 800 Personen beteiligt waren und die rund 11 Tage dauerte, eine «absolute Besonderheit in der alpinen Rettung» darstellte.

Die beiden packenden Teile sind weiterhin in der Mediathek der ARD oder auf Play Suisse verfügbar. (dj)

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Dominik Imseng,
Managing Partner bei smartcut consulting,
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