In dieser Ausgabe

Editorial

Editorial

Die Stadt. Für die einen ist sie ein Graus, Inbegriff des Dunklen, des «Abstraktwerdens des Lebens», wie Robert Musil schreibt. Für die anderen hingegen das Versprechen der Selbstbestimmung: Arbeitsstätte, Wohnort, Vergnügungsparadies, kreativer Lebensraum. Lesen Sie im Dossier ab S. 19 mehr zur ungebrochenen Faszination der Stadt im 21. Jahrhundert. «Machen Sie die Headhunter arbeitslos.» – […]

Dossier «Sind Sie urban?»

(0) Auftakt

«Urbanität». Das Schlagwort suggeriert «Weltläufigkeit», «Modernität», «Aufgeschlossenheit». Wer sich als «urban» bezeichnet, sieht sich als «gebildet», «kreativ», «unabhängig». Vom hochnäsigen und dünkelhaften «Städter» – dem Schimpfwort von einst – ist wenig übriggeblieben. Kulturkritik, die in der Stadt das Dunkle und Verruchte ausmacht, ist passée. Die Menschen zieht es wieder in die urbanen Zentren. Für viele […]

Fredmund Malik im Gespräch

99 Prozent der Managementtheorien sind Irrlehren, sagt der Unternehmensberater Fredmund Malik. Ihre naive Anwendung hat zum Unheil beigetragen,
das nun alle beklagen. Malik, selbst Unternehmer, plädiert für eine neue Sicht auf das Unternehmertum. Und für mehr echten Liberalismus. René Scheu hat ihn in St. Gallen getroffen.

Klaus Merz 1/2 Gespräch
Klaus Merz 1/2 Gespräch

Werkgespräche // Eine Stafette Wie entsteht ein Buch? Meist wissen wir Leser wenig über seine Entstehungsgeschichte, über das, was den Autor während des Schreibens antreibt, worüber er sich freut und woran er leidet. In den «Werkgesprächen» erzählen Schriftsteller über ihr Schreiben und stellen anschliessend einen Auszug aus einem Text vor, an dem sie gerade arbeiten.

Die Werkgespräche werden in dieser Ausgabe mit Klaus Merz weitergeführt. In der kommenden Ausgabe spricht er, das Staffelholz weitergebend, mit Friederike Kretzen über ihre schriftstellerische Arbeit.

Aktuelle Debatten

Kultur

Eloge auf die Nichtprovinz

Wer beim Stichwort «St. Gallen» lediglich «ewiggestrig» und «provinziell» denkt, ist selber ewiggestrig und provinziell. St. Gallen hat zum Beispiel eine lebendige Literaturszene, einer ihrer Verkehrsknotenpunkte war bis vor kurzem die Syrano-Bar, wo Florian Vetsch Schriftsteller aus aller Welt zum Stelldichein lud. Vetsch ist selber eine Art Relais, wo sich die verschiedensten Wege kreuzen. Das […]

Fische im Hafen

Ecce opusculum oder «Die Epik der kurzen Sätze und der scheinbar schmächtigen Kapitel», achtzehn an der Zahl; ihre Symbolik lasse man auf sich beruhen – nicht aber diesen Roman (leider nur) in Novellenstärke, nein, ganz und gar nicht. Gibt es das, ein Buch, an dem nichts auszusetzen ist, in dem einfach jeder Satz sitzt, jeder? […]

Reisen statt orgeln

Seit vier Jahrzehnten hat Gerold Späth sich mit Romanen, Erzählungen, Bühnenstücken und Hörspielen einen Namen gemacht. Beinahe unbemerkt sind nebenbei in den späten siebziger und frühen achtziger Jahren Reisereportagen für die «Neue Zürcher Zeitung» entstanden, die nun unter dem Titel «Mich lockte die Welt» gesammelt nachzulesen sind. Gleich zu Beginn bekennt Späth, am liebsten «ohne […]

Gizgnäpper, Hüürebeiss, okee

Den Anlass zu den 83 alphabetisch sortierten «Wortgeschichten», die der aus dem Schweizer Radio bekannte Redaktor Christian Schmid auf gut 200 Textseiten erzählt, gaben Anfragen seiner Hörer. Da in vielen Wortgeschichten – die Stichwörter sind meist Substantive und Adjektive, selten Verben – auch auf Ableitungen, Zusammensetzungen, Synonyme oder etymologisch Verwandtes eingegangen wird, ist die Zahl […]

Religiöses Ethos und Geist des modernen Kapitalismus

Max Webers 1904/05 erstmals veröffentlichte Studie «Die protestantische Ethik und der ‹Geist› des Kapitalismus» gehört zu den klassischen Texten der Soziologie. Schon zu Zeiten Webers wusste man, dass der Kapitalismus schwerwiegende soziale und andere Widersprüche erzeugt. Zur Auflösung dieses inneren Grundwiderspruchs erzählte Weber die Geschichte von der Geburt des Kapitalismus aus dem Geiste der Religion. […]

Das Quadrat soll ein Kreis werden

Der Sozialismus hat Schriftsteller mit einem sozialen Gewissen in vielerlei Konflikte geworfen, ohne dass sein Scheitern sie von ihnen befreit hätte. Literatur den Zielen einer idealen Gesellschaft zu unterstellen, so die Erfahrung, führt zu einem Desaster. Literatur sich selbst zu überlassen, schützt aber ebensowenig vor politischer Vereinnahmung durch Dritte. Furtwängler etwa, der nur Künstler sein […]