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Auf den Shitstorm folgt vornehmes Schweigen

Eine Studie zu Frauen an Universitäten hat zwei Forscherinnen harsche Kritik an ihren Methoden eingebracht. Eine renommierte Fachzeitschrift teilt diese offenbar nicht.

Margit Osterloh, fotografiert von Selina Seiler.

Vor zwei Jahren hat eine Studie der Ökonomin Margit Osterloh und der Soziologin Katja Rost hohe Wellen geschlagen. Die Forscherinnen befragten rund 9000 Studenten, Assistenten, Doktoranden und Professoren, um der sogenannten «Leaky Pipeline» auf die Spur zu kommen. Der Begriff bezeichnet das Phänomen, dass an Universitäten Frauen zu Beginn des Studiums die Mehrheit stellen, ihr Anteil aber mit jeder akademischen Stufe sinkt.

Dabei zeigte sich, dass in frauendominierten Fächern die Karriereneigung etwas geringer ist als in männerdominierten Fächern. Die «Sonntagszeitung» spitzte das Ergebnis mit dem Titel zu: «Die meisten Studentinnen wollen lieber einen erfolgreichen Mann als selber Karriere machen».

In der Folge prasselte vor allem von linker Seite Kritik auf Osterloh und Rost ein, in teilweise beleidigendem Ton. Den Wissenschafterinnen wurden methodische Fehler vorgeworfen. Sie hätten «problematische Fragen» gestellt, bemängelte etwa die Historikerin Sarah Scheidmantel. Sie widersprächen «dem aktuellen und peer-reviewten wissenschaftlichen Forschungsstand», sekundierte GLP-Nationalrätin Kathrin Bertschy gegenüber dem Onlineportal «Watson». Dieses betonte auch, Osterlohs und Rosts Untersuchung sei noch nicht peer-reviewed – als ob eine wissenschaftliche Untersuchung erst dann ernstgenommen werden muss, wenn sie dieses langwierige Verfahren durchlaufen hat.

«Wenn man ein Ergebnis nicht gut findet, fängt man an, an den Methoden rumzukritteln», kommentierte Margit Osterloh die Kritik im Podcast «Macher und Denker» des Schweizer Monats.

Inzwischen ist der Peer-review-Prozess abgeschlossen und die Studie im renommierten European Management Review publiziert worden. An den grundsätzlichen Ergebnissen und Erkenntnissen hat sich nichts geändert. Osterloh schreibt dazu: «Das Ergebnis hat heute kaum mehr Neuigkeitswert. Hätten wir uns im Sinne unserer Kritikerinnen verhalten, wäre die Studie im Sande versickert.»

Und wie reagieren die Kritikerinnen nun? Mit vornehmem Schweigen. (Lukas Leuzinger)

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