Wir brauchen Ihre Unterstützung — Jetzt Mitglied werden! Weitere Infos

Um frei zu bleiben, muss die Schweiz wagen, die beste Version von sich selbst zu sein

Mein Weg aus einer streng religiösen Familie in die Spitzenforschung hat mich gelehrt, was wirklich wichtig ist: Neugier, Ehrfurcht und Freiheit – vor allem aber der Mut, der sie erst ermöglicht.

Um frei zu bleiben, muss die Schweiz wagen, die beste Version von sich selbst zu sein
Das Hubble Space Telescope ist eine der erfolgreichsten Missionen der Nasa – die aber beinahe scheiterte, weil eine Frage nicht gestellt wurde. Bild: Nasa

Vorbemerkung: Der folgende Text ist eine Rede, die Thomas Zurbuchen am 23. November an der Ustertag-Feier in der reformierten Kirche in Uster hielt. Mit seiner Genehmigung veröffentlichen wir sie hier exklusiv in schriftlicher Form.

 

Liebe Anwesende

Es ist für mich kein selbstverständlicher Moment, heute in einer Kirche zu sprechen. Ich wurde als junger Mensch aus meiner eigenen streng religiösen Familie gedrängt – nicht weil ich schlechte Absichten hatte oder weil entweder ich oder meine Eltern schlechte Menschen waren, sondern weil ich Fragen stellte, für die in der Welt bei mir zu Hause kein Platz war, und weil ich nicht so lebte, wie es von mir erwartet wurde.

Und doch stehe ich heute hier, voller Respekt für diesen Raum. Denn Kirchen sind Orte, an denen Menschen seit Jahrhunderten das tun, was auch Wissenschafter tun und was freie Bürger tun: Sie suchen Antworten auf ihre Fragen. Und sie versuchen, die Realität zu verstehen und mit ihr umzugehen. Sie hoffen auf eine gute Zukunft. Auch die Geschichte unseres Landes beginnt nicht mit Gewissheiten, sondern mit diesem Mut – dem Mut von Menschen, die mehr Zukunft wollten als Gegenwart.

Der Ustertag von 1830 war ein solcher Moment. Dort stellte ein Volk Fragen, das wenig Macht hatte, aber umso mehr Verantwortung und Hoffnung. Heute, fast zweihundert Jahre später, stehen wir wieder in einer Zeit, in der wir uns fragen müssen, welche Zukunft wir wollen und welcher Mut von uns verlangt wird. Und darum möchte ich über drei Kräfte sprechen, die mich geprägt haben, unsere Geschichte geprägt haben und die wir gerade heute dringender brauchen denn je: Neugier. Ehrfurcht. Freiheit.

Neugier – der Mut, Fragen zu stellen

Neugier ist vielleicht die erste und tiefste Freiheit des Menschen. Sie beginnt schon als Kind – in dieser Phase, in der jedes Gespräch mit «Warum?» anfängt. Wenn wir älter werden, wird diese Stimme leiser. Nicht weil wir keine Fragen mehr hätten, sondern weil Fragen Mut verlangen. Weil sie Beziehungen herausfordern. Weil sie Gewissheiten gefährden. Weil sie uns manchmal allein zurücklassen. Ich weiss das aus eigener Erfahrung – eine Erfahrung, die für mich schwierig war und mich etwas lehrte, das ich noch heute brauche. Ich weiss nun mit Bestimmtheit: Fragen sind kein Zeichen von Schwäche. Fragen sind ein Zeichen von Wahrhaftigkeit. Meine Fragerei war eine Schwäche in der Umgebung, in der ich aufwuchs, aber meine Stärke später. Wissenschafter wie ich sind professionelle Fragesteller, professionelle Zweifler. In der Wissenschaft beginnt alles mit einer Frage ‒ und meistens mit einer unbequemen: Wo ist unser Ursprung? Wie funktioniert die Sonne wirklich? Warum ändert sich das Klima merkbar? Gibt es Leben ausserhalb der Erde?

Und in der Demokratie ist es nicht anders. Der Ustertag begann nicht mit Gewissheiten, sondern mit Fragen, gestellt von Menschen ohne grosse Macht, aber mit Verantwortung: «Warum haben wir keine Stimme? Warum soll die Zukunft nicht auch von uns gestaltet werden?» Fragen sind der Anfang von Freiheit – persönlich, politisch und spirituell. Albert Einstein sagte: «Das Wichtigste ist, nicht aufzuhören zu fragen.» Er hatte recht. Ohne Fragen bleiben wir stehen. Ohne Fragen verlieren wir Würde. Ohne Fragen gibt es keine Zukunft. Und wenn jemand versucht, Fragen zu unterdrücken, muss man mehr Fragen stellen, nicht weniger!

Ich will zwei Anekdoten erzählen über die Wichtigkeit von Fragen – und insbesondere von Fragen von Menschen, die in der Machthierarchie unten stehen. Das erste Beispiel betrifft das Hubble Space Telescope, eine der erfolgreichsten Missionen – und eine Beinahekatastrophe, weil eine Frage nicht gestellt wurde. Das Teleskop war die wichtigste Nasa-Mission in den 1980er-Jahren. Und die Mission hatte den besten Spiegel, der je in den Weltraum flog. Der 2,4-Meter-Spiegel war auf 10 Nanometer genau. Das heisst: Falls der Spiegel den ganzen Zürichsee abdecken würde, wäre die Abweichung kleiner als die Dicke eines Blattes Papiers. Es war fast ein Wunder.

Ganz am Schluss wurde der Spiegel durch einen der besten Techniker in diesem Gebiet getestet. Als er seinen Nullkorrektor einstellte, merkte er, dass der Fokus des Spiegels nicht am richtigen Ort war. Was für ein Schrecken – über eine Milliarde in heutiger Währung ausgegeben und etwas war falsch?

Was jetzt passierte, ist eine der interessantesten Geschichten in der Weltraumforschung. Statt die Frage zu stellen: «Warum ist das so?», dachte der Techniker: «Offenbar ist bei mir etwas falsch.» Er machte weitere Messungen und merkte, dass er den Nullkorrektor nur um 1,3 Millimeter anheben musste – und dann funktionierte alles. Alles ging nun gut bis zum ersten Bild fast sechs Jahre später – und vor allen Journalistinnen und Journalisten musste Nasa zugeben, dass Hubble unscharf war. Das teuerste Teleskop war von Anfang an kaputt. Nur dank dem Schweizer Astronauten Claude Nicollier und seinen Kolleginnen und Kollegen wurde das Teleskop geflickt, und der Nullkorrektor im Labor des Technikers diente als Vorlage.

Wenn etwas nicht stimmt: Bitte fragen, nicht schweigen!

Die zweite Geschichte hat mit Chefs zu tun und enthält eine klare Lektion: Wenn jemand Fragen stellt – nimm sie ernst! Diese Geschichte betrifft das Projekt Pioneer Venus, bei dem unter anderem eine Sonde an einem Fallschirm in der Atmosphäre abgeworfen wurde. Und sie hat zu tun mit der Arbeit eines Technikers, der in einer Nachtschicht den Auslösemechanismus des Fallschirms montierte. Er arbeitete die ganze Nacht daran und ging am Morgen schlafen. Doch plötzlich fragte er sich, ob er den Sensor richtig eingebaut hatte. Nach seiner Pause kam er zurück und sagte seinem Chef: «Ich glaube, ich habe das falsch gemacht und den Sensor umgekehrt eingebaut – so funktioniert er nicht.» Sein Chef war alles andere als glücklich darüber: «Nein, du hast das gut gemacht, die Qualitätskontrolle hat unterschrieben – es ist alles okay.»

Aber der Techniker gab nicht auf. Und so ging es die Treppe hoch, bis am Schluss der Techniker zum Chef des ganzen Nasa-Zentrums vorsprach: «Ich habe es falsch gemacht – ich muss das flicken.» Der Chef war auch nicht zufrieden – wenn man das Zeitfenster für die Mission verpasst, muss man 19 Monate warten; das kostet viel Geld. Aber der Chef sagte: «Okay, let’s check.» Gewisse neu montierte Satellitenteile mussten wieder abmontiert werden, bis man zum Fallschirmauslösemechanismus kam. Man nahm ihn heraus – der Techniker hatte recht: Er war verkehrt eingebaut. Nur wegen seiner Hartnäckigkeit war diese Mission bei der Venus trotz seines ersten Fehlers erfolgreich.

Ja, Fragen sind absolut wichtig für den Erfolg von Nasa-Missionen und auch von Dingen, die noch schwieriger sind, zum Beispiel die Gesundheit der Demokratie und unserer Freiheiten. Fragen zu stellen ist wichtig – Fragen wirklich zu hören auch.

Ehrfurcht – das Staunen über den Himmel und die Erde

Ich habe Ehrfurcht beim Beobachten der Natur in Heiligenschwendi gelernt. Mein Nachbar, ein Bauer mit fünf Kühen, kannte alle Orte, wo die besten Orchideen wuchsen. Er nahm sich Zeit, diese Blumen zu bewundern, und er nahm auch meinen Bruder mit. Mein Bruder ist heute Chefgärtner in der Stadt Bern und versteht diese Momente mit den Blumen genauso wie ich, wenn ich als Wissenschafter die Natur betrachte.

Ich erinnere mich immer noch daran, wie es sich anfühlte damals im nächtlichen Büro an der Uni Bern, als ich zum ersten Mal etwas über die Natur herausfand, das sonst noch niemand wusste. Plötzlich spürte ich etwas, das grösser ist als jede Erklärung. Ich wusste, dass das wichtiger ist als ich – ich lernte ein Geheimnis über die Natur, die Teil von uns ist. Ich konnte fast nicht schlafen.

Dieses Staunen – auf Englisch nennt man es «awe» – ist eine der wenigen Erfahrungen, in denen Glaube und Wissenschaft nicht konkurrieren, sondern sich gegenseitig aufrichten. Ich erinnere mich an den Juli 2022, als ich in einem Raum mit zwei, drei Nasa-Chefs die ersten Bilder des James Webb Space Telescope sah. Dieses Teleskop war fast nicht Realität geworden, wegen Fragen, die nicht gestellt oder nicht beantwortet wurden. Ich hatte alle Chefs entlassen müssen und hatte über Jahre ein bis zwei Tage pro Woche mit diesem Projekt verbracht. Und da, zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit, sah ich das frühe Universum im Infrarotlicht in höchster Auflösung.

Es war still im Raum, und ich schaute umher. Ich merkte, dass ich nicht der Einzige war mit Tränen in den Augen. Ja, es waren Tränen der Erleichterung – denn wenn es nicht funktioniert hätte wie bei Hubble, hätten wir es nicht flicken können, da es über 1,5 Millionen Kilometer von der Erde weg ist. Aber es waren auch Tränen der Ehrfurcht, des «awe» – das Universum zeigte sich in vorher nie gesehener Schönheit. Und es geht mir heute immer noch so, wenn ich von diesem Teleskop, aber auch von anderen Missionen neue Bilder sehe.

Die Naturgesetze und die Schönheit der Natur geben uns das Gefühl, Teil von etwas Grossem zu sein. Juri Gagarin, der erste Mensch im All, sagte: «Die Erde ist blau… Sie ist unglaublich schön.» Ehrfurcht, dieses Staunen, ist der Beginn von Weisheit. Denn wer staunen kann, möchte bewahren. Wer Ehrfurcht empfindet, versteht Verantwortung ohne Belehrung. Es gibt Wahrheiten, die stehen nicht in Büchern. Sie stehen im Wind, in der Stille, am See und unter Sternen.

Je älter ich werde, desto wichtiger scheint mir dies für uns Menschen. Wir wissen, dass die direkte Auseinandersetzung mit der Natur etwas unglaublich Wichtiges für die Menschheit ist. Nicht etwas Modernes, etwas Gelerntes, sondern etwas Ursprüngliches. Nach dem ersten Kapitel der Schöpfungsgeschichte kommt das bereits im zweiten Kapitel: «Und Gott der Herr formte aus Erde alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und führte sie zu dem Menschen, um zu sehen, wie er sie nennen würde; und wie der Mensch jedes Lebewesen nannte, so sollte es heissen.» Die Natur zu benennen heisst, die Natur kennenzulernen. Das gehört zum Menschsein.

Und wir wissen heute auch, dass es gesund ist für uns. Menschen, die sich regelmässig solchen Gefühlen aussetzen, sind mental gesünder. Menschen, die etwas Grösseres fühlen, werden besser mit anderen, grosszügiger und vertrauensvoller. Übrigens verringern solche Erfahrungen auch den Blutdruck. Das Motto ist also: Mehr Ehrfurcht – weniger Instagram. Mehr «awe» – weniger Screentime.

Freiheit – Vermächtnis, Hoffnung und der Schweizer Weg

Freiheit ist nicht einfach da. Sie fällt nicht vom Himmel. Sie ist nie selbstverständlich. Freiheit ist ein Geschenk und eine tägliche Entscheidung. Freiheit ist für uns ein Auftrag. Denn Freiheit ist nicht nur ein politischer Zustand. Sie ist eine innere Haltung: der Mut, Verantwortung zu übernehmen, und die Hoffnung, nicht aufzugeben. Es ist leicht, die eigenen Prinzipien zu opfern, wenn der Druck steigt. Es ist leicht, der Angst nachzugeben. Es ist leicht, zynisch zu werden. Aber wer das tut, gibt nicht nur sich auf – er gibt auch die Zukunft seiner Kinder auf.

«Es ist leicht, die eigenen Prinzipien zu opfern, wenn der Druck steigt. Es ist leicht, der Angst nachzugeben. Es ist leicht, zynisch zu werden. Aber wer das tut, gibt nicht nur sich auf – er gibt auch die Zukunft seiner Kinder auf.»

Es gibt verschiedene Arten, wie sich Freiheit auf unser Leben auswirkt – in der Forschung, im Unternehmertum und auch in der Verteidigung unseres Landes. Die Forschung von heute ist die wirtschaftliche Stärke von morgen. Wer das Potenzial der Forschung für kurzfristige Prioritäten verbraucht, isst das Saatgut der nächsten Generation – einfach weil er heute Hunger hat. Das ist bequem, aber es macht die Zukunft mager. Forschung und Freiheit gehören eng zusammen: Es braucht Freiheit, um die beste Forschung zu machen. Und gute Forschung gibt den Werkzeugkasten, um Freiheit in Zukunft zu sichern.

Viele unterschätzen, wie wichtig offene Gedankenräume für Innovation sind. Seit 1950 stammen ungefähr zwei Dutzend Nobelpreise aus Russland und der Sowjetunion – darunter Alexander Solschenizyn oder Witali Ginsburg, der als Jude jahrelang in Sibirien leben musste. Zählt man die Bürger anderer kommunistischer Staaten dazu – Ostdeutschland, Tschechoslowakei, Polen, China –, kommen vielleicht noch zehn weitere dazu. Das sind rund fünf Prozent aller Nobelpreise der Neuzeit. Der überwältigende Rest kam aus freien oder weitgehend offenen Gesellschaften. Das ist kein Zufall. Wo Freiheit herrscht, wächst Forschung. Und wo Forschung wächst, gedeiht Wohlstand.

Wir verdanken dieser Forschung nicht nur den gesamten Deep-Tech-Bereich. Unsere Familien leben länger. Unsere Ärztinnen und Ärzte können Krankheiten früher erkennen und besser behandeln. Unsere Behörden haben Werkzeuge, um Menschen zu schützen. Ein konkretes Beispiel entsteht gerade bei uns: Mit dem GeoLab in Luzern baut die ETH gemeinsam mit Partnern ein neues erdwissenschaftliches Zentrum auf. Wir wollen nicht nur ein paar hundert kritische Orte überwachen – wir wollen das ganze Alpengebiet im Blick behalten. Denn viele Katastrophen der letzten Jahrzehnte kamen nicht von überwachten Orten, sondern von jenen, die niemand beobachtete. Weltraumtechnologie und Werkzeuge der künstlichen Intelligenz helfen also Kandersteg, Blatten und vielen anderen Berggemeinden.

Spitzenforschung wächst im Land der Freiheit. Und Freiheit wird nicht nur von autoritären Systemen bedroht. Sie kann auch erstickt werden durch übermässige Bürokratie und Regulierung – etwas, das in vielen unserer Nachbarländer Fuss gefasst hat und das auch uns jederzeit ereilen könnte. In vielen amerikanischen Universitäten arbeiten heute weniger Menschen in Lehre und Forschung als in der unterstützenden Bürokratie. Bürokratie erstickt die Freiheit – und die Forschung. Das wollen wir in der Schweiz nie kopieren!

Der Ustertag ist ein Tag der Proklamationen für Freiheit im zweiten Sinne – dem des Aufstandes und des Verteidigungswillens. Die Gründung der Eidgenossenschaft war auch so ein Moment. Und die Schlacht am Morgarten vor ziemlich genau 710 Jahren war ein dritter. Eine kleine, schlecht ausgerüstete Schar stand einer übermächtigen Streitmacht gegenüber. Sie hatten keine besseren Waffen. Keine grössere Armee. Keine stärkeren Verbündeten. Was sie hatten, war: Klugheit, Agilität, Mut und einen unzerstörbaren Willen zur Freiheit.

Sie entschieden sich nicht für den Weg der Grossen. Sie entschieden sich für den Weg der Schweiz: wenig Masse, viel Intelligenz. Wenig Grösse, viel Beweglichkeit. Wenig Macht, viel Wille. Unsere Geschichte kennt Momente, in denen dieses Vermächtnis alles andere überstrahlte. Die Schweiz bleibt nicht frei, indem sie eine kleine Version des Auslands wird. Sie bleibt frei, indem sie die beste Version von sich selbst ist: stur, unabhängig, gut organisiert, hoffnungsvoll und bereit, für ihre Zukunft einzustehen.

«Die Schweiz bleibt nicht frei, indem sie eine kleine Version des Auslands wird. Sie bleibt frei, indem sie die beste Version von sich selbst ist: stur, unabhängig, gut organisiert, hoffnungsvoll und bereit, für ihre Zukunft einzustehen.»

Dietrich Bonhoeffer schrieb: «Die Freiheit des Menschen besteht darin, Verantwortung zu übernehmen.» Und heute, in einer Welt, die uns testet, brauchen wir diese Freiheit mehr denn je – und Menschen, die sich dafür einsetzen, diese Freiheit am Leben zu behalten. Freiheit ist der Sauerstoff der Demokratie. Wenn man ihn verliert, erstickt zuerst die Debatte, dann die Hoffnung, dann die Zukunft. Aber Freiheit braucht Zeit und muss von jeder Generation weitergetragen und wiedererkämpft werden.

Zum Schluss möchte ich einen Gedanken teilen, der mich immer wieder begleitet – gerade in Zeiten der Furcht und des Sorgens. Maya Angelou schrieb einmal: «Mut ist der wichtigste aller menschlichen Werte, denn ohne Mut kann man keine anderen Werte beständig leben.» Dieser Satz beschreibt nicht eine Welt ohne Schwierigkeiten, sondern eine Welt, in der Hoffnung stärker ist als Angst und innere Freiheit stärker als jede äussere Bedrohung und jedes innere Zögern. Neue Kraft entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Vertrauen, durch Miteinander – und durch den Mut, weiterzufragen, weiterzustaunen und weiterzumachen.

Denn jede dieser drei Kräfte, über die ich gesprochen habe, braucht Mut: Neugier braucht Mut – den Mut, nicht zu wissen und trotzdem zu fragen. Ehrfurcht braucht Mut – den Mut, das Grössere anzunehmen und zu schützen. Freiheit braucht Mut – den Mut, Verantwortung zu übernehmen für eine Zukunft, die wir nicht geschenkt bekommen, sondern gemeinsam möglich machen. Es ist die Kraft der Neugier, die uns aufbrechen lässt. Es ist die Kraft der Ehrfurcht, die uns unseren Platz erkennen lässt. Es ist die Kraft der Freiheit, die uns befähigt, für die Zukunft einzustehen – für unsere Kinder und für deren Kinder.

Wenn wir diese drei Kräfte – und den Mut, der in allen dreien steckt – bewahren, dann können wir aufsteigen wie Adler – nicht über andere, sondern über die Angst, die uns klein machen will. Dann bleibt die Schweiz die Schweiz. Dann bleibt unser Land ein Ort, an dem Neugier gefördert, Staunen möglich und Freiheit verteidigt wird.

»
Abonnieren Sie unsere
kostenlosen Newsletter!