Alexandra Janssen, zvg.

Ökonomische Kosten des Krieges

Was der Ukraine beim Wiederaufbau fehlen wird.

 

Krieg verursacht unglaubliches menschliches Leid, das nur jene ermessen können, die direkt betroffen sind. Die ökonomischen Kosten des Kriegs verblassen angesichts dieses Schmerzes. Es sind aber genau diese Kosten, welche über die Dauer des Kriegs, über die Dauer der Folgen des Kriegs und über die Lebens-qualität der Überlebenden während Generationen mitentscheiden.

Im Moment ziehen sich westliche Firmen aus Russland zurück und überlassen ihre Betriebe zu Spottpreisen einheimischen Käufern. Dieser Vermögenstransfer vom Westen auf Russland ist riesig und verlängert den Krieg gegen die Ukraine.

Der hoffentlich bald anstehende Wiederaufbau der Ukraine wird weitere ökonomische Kosten offenbaren. Dabei geht es nicht nur um die Häuser, die verminten
Strassen und Wege. Es geht nicht nur um die zerbombten Spitäler, Wohnhäuser, Kindergärten und Schulen, die den Wiederaufbau behindern werden. Es geht nicht nur um die zerbombten Fabriken und Maschinen, die nicht wieder hergestellt werden können. Und es geht nicht nur um die Kirchen, Museen und Opernhäuser, welche die Weitergabe der ukrainischen Kultur erschweren werden.

Es geht vor allem um das grosse und umfassende informelle Wissen und die Beziehungen einer ganzen Gesellschaft: Wie sollen Firmen wieder aufgebaut werden, wenn möglicherweise die Unternehmerfamilie fliehen musste? Wie sollen die gestörten oder zerstörten Ausbildungswege instand gestellt werden, wenn die Lehrer fehlen? Wie sollen Lieferketten funktionieren, wenn der Kopf der Logistik im Krieg gefallen ist? Und wie werden die Lieferantenbeziehungen unterhalten, wenn die Produktionsprozesse wegen ­Inflation, Güterknappheit oder fehlender Leute von Grund auf neu gestaltet werden müssen?

In dieser Lage voller Herausforderungen werden die getöteten, geflohenen und verletzten Leute schmerzlich fehlen. Es ist offensichtlich, dass einem freien Markt mit neuen Unternehmern bei der Bewältigung der grossen Aufgaben eine herausragende Bedeutung zukommen wird.

«Wo Meinungen vom Mainstream
abweichen dürfen.»
Julia Hänni, Bundesrichterin,
über den «Schweizer Monat»