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Mit dem Mittagsschlaf zur Besinnung

Mit dem Mittagsschlaf zur Besinnung

Eine beschleunigte Welt ohne Ruhepausen wäre eine besinnungslose Welt. Deshalb sind Powernaps wichtig, und deshalb braucht es auch eine Kultur des Mittagsschlaf.

Das Buch «Verteidigung des Mittagsschlafs» des Philosophen Ben Rakidžija erzählt von einem fiktiven Gerichtsprozess im Land Tasmunien, wo der Mittagsschlaf auf der Anklagebank sitzt – beschuldigt, Kaufleute träge und Handwerker arbeitsunfähig zu machen. Am Ende schläft der gesamte Gerichtssaal ein, sogar der heimlich anwesende König, der den Mittagsschlaf schliesslich zu seinem persönlichen Berater ernennt.

Nach dem daoistischen Prinzip des «Wu-Wei» betrachtet Rakidžija den Mittagsschlaf als Weg zu mehr Klarheit und neuer Energie, nicht als Trick zur Produktivitätssteigerung, sondern als Selbstzweck.

Bereits Martin Heidegger schrieb, die westliche Kultur werde vom «rechnenden Denken» dominiert. Er fragte sich, wie es gelingen könne, wissenschaftlich-technische Erfolge so zu integrieren, dass dies nicht selber nur vermessend geschehe, sondern in einem ganzheitlichen, humanistischen Sinn. Im Sinn einer Kultur, in der Technologien dem Menschen dienen und nicht umgekehrt. Heidegger war überzeugt, dass eine solche Kultur nur mit «besinnlichem Denken» erreicht werden könne. Darunter verstand er ein Denken, das nicht nach dem Nutzen von etwas fragt, sondern nach dem tieferen Zusammenhang. Dies würde dem Menschen helfen, zur Besinnung zu kommen.

In dieser Denktradition lässt sich auch Ben Rakidžijas Buch lesen. Eine beschleunigte Welt ohne Ruhepausen wäre tatsächlich eine besinnungslose Welt. Darum lassen sich gezielte Powernaps als Methode verstehen, um wieder zur Vernunft zu kommen.

Ben Rakidžija: «Verteidigung des Mittagsschlafs», Königshausen & Neumann.

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