Editorial

Den Schweizer Zeitungsmachern dürfte aus dem Jahr 2013 besonders ein Vortrag in Erinnerung geblieben sein: die Rede des damaligen Bundespräsidenten Ueli Maurer, die er vor der versammelten Riege der Verleger in Interlaken hielt. Maurers These: wir haben zwar theoretisch viele Pressetitel, aber wo Vielfalt draufsteht, ist zumeist Einfalt drin. Er sprach von einem «medialen Meinungskartell», […]

Den Schweizer Zeitungsmachern dürfte aus dem Jahr 2013 besonders ein Vortrag in Erinnerung geblieben sein: die Rede des damaligen Bundespräsidenten Ueli Maurer, die er vor der versammelten Riege der Verleger in Interlaken hielt. Maurers These: wir haben zwar theoretisch viele Pressetitel, aber wo Vielfalt draufsteht, ist zumeist Einfalt drin. Er sprach von einem «medialen Meinungskartell», von «selbstverfügter Gleichschaltung» und «Einheitsbrei». Trotz übervollem Terminkalender hat sich Ueli Maurer an einem Vormittag Zeit für ein Gespräch mit mir genommen. Dabei habe ich Erstaunliches erfahren: Er liest lieber Bücher als Zeitungen. Wenn schon, darf es auch gerne mal die linke «WOZ» sein. Und er glaubt auch an eine Wiederverbürgerlichung der Schweiz an der Urne – dank selbstbewussten Frauen und eingebürgerten Ausländern. Herr Maurer, ist das Ihr Ernst? Mehr in unserer Titelgeschichte ab S. 14.

Erleben wir eine Rückkehr der Patrons? Klar ist: Familienunternehmen sind das Rückgrat unserer Wirtschaft. Sie leben nach dem Heideggerschen Motto: Herkunft ist Zukunft. Sie denken in Jahrzehnten, nicht in Quartalen. Freiheit und Verantwortung gehören für sie ebenso zusammen wie Leistung und Entschädigung. Was sind die Stärken der Familienunternehmer? Welches sind ihre Sorgen? Wir haben offene Gespräche geführt: mit Stefan und Christian Ganzoni (Sigvaris), Dietrich Pestalozzi (Pestalozzi & Co) und Franziska Tschudi (Wicor). Claudia Astrachan Binz, Tom A. Rüsen und Tobias Straumann liefern Facts & Figures zum Thema. Mehr in unserem Dossier ab S. 47.

Der Todestag des Schriftstellers Hermann Burger (28. Februar 1989) jährt sich in diesem Monat zum 25. Mal. Dank der Veröffentlichung seiner «Werke» (Nagel & Kimche) sind viele ehemals vergriffene Texte Burgers nun endlich wieder erhältlich – ein markantes «Werk» des Ausnahmeschriftstellers ist allerdings bis heute unveröffentlicht geblieben: sein eigentliches Romandebüt «Lokalbericht». In Zusammenarbeit mit dem Schweizer Literaturarchiv präsentieren wir erstmals einen Ausschnitt aus diesem Manuskript. Mehr ab S. 78.

Letzten September haben wir uns mit dem weitgefassten «Unbehagen Schweiz» beschäftigt. Das Dossier haben wir zusammen mit dem Verein Zivilgesellschaft realisiert, der im Herbst eine hochkarätig besetzte Tagung zum Thema abgehalten hat. Die Resultate sind mittlerweile publiziert. Lesen Sie die Thesenpapiere von Mathias Binswanger, Dieter Freiburghaus, Benedikt Loderer, Gerhard Schwarz u.a. unter www.vereinzivilgesellschaft.ch.

Zum Schluss eine Bemerkung in eigener Sache. Dieses Editorial ist das letzte seiner Art. Ab März erscheint der «Monat» in aufgefrischtem Format. Wir entwickeln uns ständig weiter, zusammen mit Ihnen, liebe Leser. Freuen Sie sich mit uns auf einen noch pointierteren «Monat». Und auf ein überraschendes Jahr!

René Scheu

Herausgeber

«Der beste Journalismus ist der,
den man liest, obwohl einen das Thema bis dahin gar nicht interessiert hat.
Beim MONAT passiert mir das ständig.»
Niko Stoifberg, Schriftsteller und Redaktor bei «getAbstract», über den «Schweizer Monat»