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Die Schweiz verbaut sich ihre Zukunft

Die immer mehr und schärferen Vorschriften erschweren das Bauen in der Schweiz. Zum Schaden der Mieter und des Klimas.

Die Schweiz verbaut sich ihre Zukunft
Wärmepumpen sind klimafreundlicher als fossile Heizungen – doch sie werden durch Regulierungen gebremst. Bild: Wikimedia Commons.

Die Schweiz soll bis 2050 netto null CO2-Emissionen verursachen. Das hat das Stimmvolk 2023 entschieden. Ein wichtiger Hebel ist dabei das Wohnen. Der Gebäudebereich ist für rund einen Viertel der Emissionen verantwortlich.

Um das Emissionsziel zu erreichen, müssten pro Jahr rund 40 000 fossile Heizungen ersetzt werden. Wie die Grossbank UBS in ihrer jüngsten «Real Estate Focus»-Studie schreibt, hinkt die Schweiz diesem Ziel allerdings weit hinterher. Vergangenes Jahr sank die Zahl der Heizungserneuerungen sogar auf 25 000.

Lose-lose-lose

Ein wesentlicher Grund dafür sind die zahlreichen einengenden Bauvorschriften. Der Kanton Zürich stimmt im Juni über die sogenannte Wohnschutz-Initiative ab. Diese will Mietpreiserhöhungen nach Sanierungen massiv erschweren.

Bloss: Wenn ein Eigentümer die Kosten nicht über Mieten finanzieren kann, wird er im Zweifelsfall auf eine Sanierung verzichten.

Basel-Stadt ist diesbezüglich ein warnendes Beispiel: Seit der Kanton eine ähnliche Regulierung eingeführt hat, gibt es massiv weniger Wohnungssanierungen. Die Zahl der Baugesuche brach um 80 Prozent ein. Der Kanton Genf, der schon länger entsprechende Regeln kennt, hat schweizweit den tiefsten Anteil ökologischer Heizungen. Und die Mieter haben nicht einmal etwas davon: Die Angebotsmieten in der Stadt Genf sind die höchsten der Schweiz.

Die einengenden Bauvorschriften führen zu einer Lose-lose-lose-Situation: Es gibt weniger Wohnungen, und jene, die es gibt, sind teurer, schlechter – und umweltschädlicher.

Der Elefant im Raum, über den in der Wohnpolitik niemand spricht, ist die Zuwanderung. In den vergangenen 20 Jahren ist die Bevölkerung um rund 20 Prozent gewachsen – wesentlich getrieben durch die Personenfreizügigkeit. Man kann diesen Zustrom befürworten, wie das die Linke tut. Aber er hat nun einmal Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt und die Treibhausgasemissionen. Diese zu ignorieren oder zu glauben, man könne die Probleme mit immer neuen Vorschriften wegregulieren, ist gefährlich naiv.

Wenn die Schweizer Häuser ökologischer werden sollen, führt kein Weg daran vorbei, das (Um-)Bauen deutlich einfacher zu machen. Zu befürchten ist allerdings, dass genau das Gegenteil passieren wird: Je teurer es ist, Wohnungen zu erstellen und zu erneuern, desto teurer werden die Mieten – und desto lauter werden die Rufe nach noch mehr Regulierung.

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