In dieser Ausgabe

Editorial

Dossier «Zahlenwahn»

(4) Der Anpfiff ist das Ende

Männer lieben nicht nur Fussball, sie lieben auch Tabellen über Fussball. Denn diese stillen die Sehnsucht nach Gleichheit unter Ungleichen – jedenfalls solange, bis es losgeht. Dann geht die Nullstellung verloren, und am Ende gibt es nur einen: einen Tabellenführer, einen Star, einen Fussballweltmeister.

(6) Die vermessene Psyche

Im Verlauf ihrer Entwicklung hat die Psychologie sich zunehmend von einer Geistes- zu einer Naturwissenschaft gewandelt – und auch hier findet diese Veränderung ihren deutlichsten Ausdruck in der Verdrängung qualitativer Aspekte durch quantifizierende Methoden.

(1) Die andere Rechnung

Statt den Ursachen, Erscheinungsformen und Auswüchsen der gegenwärtigen Fixierung auf das in Zahlen Darstellbare nachzugehen, kann auch die Frage gestellt werden, welchen Preis wir für diese Verengung der Perspektive bezahlen. Die Antwort lässt sich nicht quan-tifizieren; mit Sicherheit geben wir «viel» auf.

Kant und die freie Form

Das Wahre, das Gute und das Schöne je als autonome Bereiche zu begründen, ist Kants Verdienst. Dieser fünfte Beitrag zu Kants Wirkung auf das philosophische Denken unserer Zeit zeigt, dass seine Begründung der Autonomie der Kunst nichts von ihrer argumentativen Kraft eingebüsst hat. Anhand eines zunächst negativen Massnahmenkatalogs
kann ein Kunstwerk daraufhin befragt werden, ob sein vermeintlich ästhetischer Wert sich nicht doch aus fremden Quellen, aus moralischem oder aus bloss privatem Interesse speist. Statt eine dogmatische Definition «des Schönen» zu liefern, ruft Kant zum selbständigen, ästhetischen Reflektieren auf.

Die Mathematisierung der Sozialwissenschaften

Der Autor kritisiert die Manie, hochkomplexe Zusammenhänge und nicht messbare Gesamtgrössen, Durchschnitte und Koeffizienten so zu kombinieren, dass daraus die gewünschten Schlüsse gezogen werden können. So werde eine Präzision und Plausibilität der Aussagen vorgetäuscht, die einer kritischen, von einer Gesamtschau ausgehenden Analyse nicht standhalten. Der hier abgedruckte Text ist die gekürzte Fassung einer Festrede mit dem Titel «Geschichte und Ökonometrie», gehalten am Hochschultag 1968 an der Hochschule St. Gallen (Werke IV, S. 182–194).

Aktuelle Debatten

Kultur

Wetten für die Seligkeit

Hieb- und stichfest beweisen lässt sich
die Existenz Gottes nicht. Wer nicht glaubt, den kann die Mathematik auch nicht überzeugen. Das gilt auch für die Wette von Blaise Pascal, der Mitte des 17. Jahrhunderts die Zweifler doch noch auf die rechte Bahn zu bringen versuchte. Weniger Mathematik, so zeigt der folgende Beitrag, kann daher auch weniger Aberglauben bedeuten.