Ein-Satz-Bilder, Ein-Bild-Sätze

Der Zürcher Autor Peter K. Wehrli, so die Legende dieses Buchs, soll vor vierzig Jahren auf einer Reise den Fotoapparat veragessen haben, was ihn animierte und zwang, mit der Sprache zu fotografieren. Er machte Ein-Sätze-Bilder mit Titelwort. Darin liegt der Clou: ein Bild, ein Satz; ein Satz, ein Bild. Alle zusammen bilden ein Buch, und […]

Der Zürcher Autor Peter K. Wehrli, so die Legende dieses Buchs, soll vor vierzig Jahren auf einer Reise den Fotoapparat veragessen haben, was ihn animierte und zwang, mit der Sprache zu fotografieren. Er machte Ein-Sätze-Bilder mit Titelwort. Darin liegt der Clou: ein Bild, ein Satz; ein Satz, ein Bild. Alle zusammen bilden ein Buch, und noch mehr Bilder ein grösseres Buch. Work in progress. Auf neuen Reisen hat Wehrli immer fortkomponiert, seine Wahrnehmungs- und Konstruktionsschule verfeinert und seine unvergleichliche Langsatzsammlung wiederholt erweitert. Der Eindruck ist das eine; seine Gestaltung und virtuose Insprachesetzung das andere. Niemand kann dabei Wehrli etwas vor- und niemand ihm etwas nachmachen. Man kann den «Katalog von allem», wie die aktuelle, neugegliederte Fassung von fast 1’700 formstrengen, nie ins Manieristische entgleisenden, verschmitzt ironischen Relativsätzen heisst, von vorne lesen, aber auch von hinten her oder querbeet, und sich dabei in einer höchst persönlich poetisierten Topographie von Welt zu Welt tragen lassen, von Brasilien nach Bülach und Beirut. Man sieht in Worten, was man übersehen hat und hätte, und lernt und lächelt, dass es eine Lust hat. Etwas Surreales haben in diesem komischen Kosmos die alphabetischen Register, das «Titel-» und das «Personenverzeichnis», die eine Ordnung schaffen, nach der niemand verlangt. Vielleicht unterrichtet uns beim nächsten Neubeginn ein Verzeichnis auch über das Vorkommen von Brillen, Zahnlücken, Relativpronomen oder Schuhputzern.

vorgestellt von Thomas Sprecher, Zürich

Peter K. Wehrli: «Katalog von allem. Vom Anfang bis zum Neubeginn». Zürich: Ammann 2008

«Facettenreiche Perspektiven
statt monotoner Haltungsjournalismus.»
Peter Hettich, Professor für öffentliches Wirtschaftsrecht,
über den «Schweizer Monat»