Der Mensch ist kein leeres Blatt
Ihr Leben ist zu grossen Teilen genetisch bestimmt – die Vorstellung der menschlichen Natur als ein leeres Blatt ist gefährlich
Während Sie diesen Satz lesen, wirkt eine Kraft auf Sie ein. Sie beeinflusste, was Sie heute essen wollten, Ihre sozialen Vorlieben und Ihre Interessen. Vom Mutterleib bis ins Erwachsenenalter ist sie konstanter als Ihre Meinungen oder Beziehungen: Ihr Genom, das Sie mit der Langsamkeit geologischer Prozesse zu dem Menschen formte, der Sie wahrscheinlich ohnehin geworden wären.
Es stellt sich heraus, dass man mit der Zeit entdeckt, wer man ist, und zu der Person wird, die man ist. Dies gehört zu den am häufigsten replizierten Befunden der Verhaltenswissenschaften. Dass wir das heute wissen, ist bemerkenswert genug. Aber wie lange wir es geleugnet haben und zu welchem Preis, steht noch einmal auf einem ganz anderen Blatt.
Mit dem Alter zeigen sich die Gene
Nehmen Sie zwei eineiige Zwillinge. Genetisch gesehen sind sie Klone; sie teilen 100 Prozent ihrer DNA. Trennen Sie sie bei der Geburt. Lassen Sie sie in unterschiedlichen Familien, Städten oder Ländern aufwachsen, wenn Sie wollen. Messen Sie sie dann in verschiedenen Abständen über ihr Leben hinweg: Gewicht, Intelligenz, Persönlichkeit, politische Ansichten, Scheidungswahrscheinlichkeit und psychiatrische Ergebnisse.
Trotz unterschiedlicher Umwelten und Erfahrungen driften diese Zwillinge nicht auseinander, wie man erwarten würde. Das Gegenteil ist der Fall.
Die Korrelation zwischen getrennt aufgewachsenen eineiigen Zwillingen nimmt mit der Zeit zu. Je älter sie werden, desto ähnlicher werden sie einander. In Persönlichkeit, kognitiver Fähigkeit und ihren Lebensentscheidungen. Bei der Geburt getrennt und auf entgegengesetzten Seiten der Welt aufgewachsen, lesen sie am Ende dieselben Arten von Büchern, machen dieselben Arten von Witzen und sitzen auf dieselbe Weise auf einem Stuhl.
Zwillingsstudien liefern Heritabilitätsschätzungen – den Anteil menschlicher Unterschiede, der genetisch erklärt wird:
- Körpergewicht: rund 60 Prozent.
- Körpergrösse: 80 bis 90 Prozent.
- Augenfarbe: etwa 95 Prozent.
- Intelligenz: 50 bis 80 Prozent, mit steigender Tendenz im Erwachsenenalter.
Heritabilität steigt in wohlhabenden Gesellschaften, weil Umweltunterschiede kleiner werden und dadurch genetische Unterschiede stärker sichtbar werden. Chancengleichheit beseitigt Unterschiede nicht, sondern macht sie sichtbar.
Der Progressive und der Hereditarist werden gewöhnlich als Feinde vorgestellt. Die Daten erzwingen eine seltsame Allianz.
Das schwarze Loch der nichtgeteilten Umwelt
Einflüsse auf unser Leben lassen sich in Gene und Umwelt unterteilen. Die Umwelt selbst zerfällt wiederum in zwei Kategorien:
- Geteilte Umwelt: alles, was Geschwister gemeinsam erleben, also Elternhaus, soziale Herkunft oder familiäres Milieu.
- Nichtgeteilte Umwelt: alles, was Geschwister voneinander unterscheidet, etwa unterschiedliche Freunde, individuelle Erfahrungen, Zufall oder ungleiche Behandlung.
Man könnte erwarten, dass die geteilte Umwelt eine hohe Bedeutung habe. Doch sobald grundlegende Bedürfnisse erfüllt sind, trägt sie nahezu null zu den Unterschieden zwischen Individuen bei. Geschwister, die unter demselben Dach aufgewachsen sind, sind einander nicht ähnlicher als Geschwister, die getrennt aufgewachsen sind.
Die nichtgeteilte Umwelt ist eine andere Geschichte. Fünfzig Prozent der Variation in Lebensergebnissen bleiben weder durch Gene noch durch die geteilte Umwelt erklärt. Das wurde als das «schwarze Loch» der Verhaltensgenetik bezeichnet.
Trotz jahrzehntelanger Forschung gibt es nur wenige replizierbare Effekte der nichtgeteilten Umwelt; vieles bleibt statistisch unaufgeklärt oder erscheint zufällig verteilt.
Die Natur der Erziehung
Wie viel Zeit Kinder vor dem Fernseher verbringen, galt lange als Goldstandard einer Umweltvariable. Der Verhaltensgenetiker Robert Plomin hat jedoch gezeigt, dass Fernsehkonsum zu 50 Prozent erblich ist. Das Chaos oder die Ordnung eines Haushalts, die soziale Unterstützung, die eine Person erhält, und sogar der Ort, an dem jemand lebt, sind genetisch beeinflusst. Das erscheint seltsam, bis man darüber nachdenkt, warum.
Was sind diese «Umwelt»-Messgrössen eigentlich? Was ein Mensch mit seiner Welt tut. Eine Scheidung ist nichts, das Ihnen passiv widerfährt. Sie ist das Ergebnis einer Beziehung, die Ihr soziales Verhalten widerspiegelt, das in erheblichem Mass heritabel ist. Die Umwelt, die Sozialwissenschafter zu messen glaubten, war immer schon zu einem bedeutenden Teil die Konsequenz jener Natur, die sie sorgfältig ignorierten.
«Die Umwelt, die Sozialwissenschafter zu messen glaubten, war immer schon zu einem bedeutenden Teil die Konsequenz jener Natur, die sie sorgfältig ignorierten.»
Die Korrelation ist real, aber die Kausalität verläuft in die entgegengesetzte Richtung dessen, was jahrzehntelang angenommen wurde, und zwar über einen Mechanismus (Genetik), nach dem niemand in der Erziehungsliteratur suchte.
Genetische Neigungen formen auch die Umwelt: Wer Sprache liebt, liest mehr; wer Mathematik bevorzugt, sucht entsprechende soziale Kreise. So entsteht eine selbstverstärkte Umwelt, die aus frühen Präferenzen wächst. Mit der Zeit werden wir zu Autoren unserer eigenen Umgebung.
Unfalsifizierbarer Erziehungsstress
Vieles von dem, was moderne Elternschaft als eine Last erscheinen lässt, ist die Angst, die durch das Modell des Menschen als unbeschriebenen Blatts (Blank Slate) erzeugt wird: der Glaube, dass Eltern die Architekten des Lebens ihres Kindes seien, dass jede Entscheidung entwicklungsbezogene Konsequenzen habe, dass die falsche Schule oder die falsche Menge an Bildschirmzeit sich zu einem Schaden aufsummierten, der sich erst in zwanzig Jahren zeigen werde. Das ist ein enormes Gewicht, jemandem aufzubürden, bevor er überhaupt entschieden hat, ob er Kinder haben möchte.
Doch dieses Gewicht ist weitgehend illusorisch: Wie sich Kinder entwickeln, hängt primär von der Natur, nicht von der Erziehung ab. Adoptiveltern haben mit ihren Erziehungsentscheidungen bis zur Adoleszenz praktisch keinen Einfluss auf Intelligenz oder Persönlichkeit. Die biologischen Eltern, die das Kind nie getroffen hat, spielen eine wesentlich grössere Rolle.
Wenn dies doch nur ein isolierter Fehler im Erziehungsdiskurs wäre …
In den frühen 1970er-Jahren lehrten führende Lehrbücher der Psychiatrie, dass Schizophrenie dadurch verursacht werde, was Ihre Mutter Ihnen in den ersten drei Lebensjahren angetan habe.
Denken Sie darüber nach, was das bedeutet. Einer Mutter, deren Kind Schizophrenie entwickelte, wurde gesagt, sie habe dies verursacht. Dass die Psychose, die den Geist ihres Kindes zerreisst, die verzögerte Detonation ihrer eigenen Fehler im Kinderzimmer sei.
Es gab dafür keine Beweise. Es hat nie welche gegeben. Es war die selbstsichere Extrapolation einer Ideologie – der Glaube, dass der Geist vollständig durch Erfahrung geschrieben werde und Pathologie deshalb immer die Einschreibung einer schlechten Umwelt sei. Die Ideologie kam zuerst; die Theorie wurde um sie herum konstruiert.
Heute wissen wir, dass Schizophrenie zu den psychiatrischen Erkrankungen gehört, die am stärksten durch Vererbung beeinflusst sind: zu 80 Prozent. Weder die Mutter noch die Familie haben sie verursacht. Die Vorstellung, dass sie es getan hätten, führte dazu, dass Eltern jahrzehntelang Schuld für etwas empfanden, auf das sie nicht mehr Einfluss hatten als auf die Augenfarbe ihres Kindes.
Das ist es, was geschieht, wenn eine falsche Theorie der menschlichen Natur institutionell verankert wird. Sigmund Freud errichtete das einflussreichste psychologische System des zwanzigsten Jahrhunderts auf der Annahme, dass das, was Ihre Eltern Ihnen in den ersten fünf Lebensjahren antaten, der primäre Bestimmungsfaktor Ihres erwachsenen Charakters und Ihrer Pathologie sei. Die Theorie war nicht falsifizierbar, wie eine Religion; jede Evidenz gegen sie konnte als Widerstand oder Verdrängung umgedeutet werden. Sie verbreitete sich nicht, weil sie die Daten erklärte, sondern weil sie eine Annahme bestätigte: dass der Mensch primär durch seine Umwelt geprägt werde, insbesondere durch die Familie.
Dies führte zu Konversionstherapien für Homosexualität, zur Schuldzuweisung an Mütter für Autismus (die von Bruno Bettelheim formulierte «Kühlschrankmutter»-Hypothese, an die jahrzehntelang geglaubt wurde) und zur Entstehung einer gesamten therapeutischen Industrie rund um Interventionen, deren Wirksamkeit sich für die Zustände, die Freud zu behandeln beanspruchte, als null erwies.
Würden sich diese Einsichten durchsetzen, würde ein zentraler Grund entfallen, aus dem Menschen mit Kinderwunsch sich gegen Elternschaft entscheiden. Eltern sind wichtig. Aber wenn sie hinreichend gute Eltern sind, formen sie weder Persönlichkeit noch Intelligenz noch psychische Grundstruktur ihres Kindes. Sie führen eine Beziehung. Und Beziehungen gehören zu jenen Dingen, die Menschen seit jeher als sinnvoll erlebt haben.
«Sie führen eine Beziehung. Und Beziehungen gehören zu jenen Dingen, die Menschen seit jeher als sinnvoll erlebt haben.»
Die Liebe zwischen Eltern und Kindern ist keine kulturelle Konvention, die sich beliebig ersetzen liesse. Sie gehört zu den tiefsten Trieben, die die Evolution hervorgebracht hat. Wer mit sechzig ohne Kinder zurückblickt und sich fragt, was gefehlt habe, verspürt nicht bloss eine verpasste Lebensoption. Er spürt die Anziehungskraft von etwas, das älter ist als die Säugetiere selbst.
Massive Kosten
Die Expansion des Universitätssystems im späten 20. Jahrhundert wurde zu einem grossen Teil durch den impliziten Glauben an das unbeschriebene Blatt verursacht: die Vorstellung, dass höhere Bildung kognitive Fähigkeit, Produktivität und Lebensverläufe erhöhe.
Ein grosser Teil der beobachteten Korrelation zwischen Universitätsbesuch und späterem Erfolg erklärt sich durch einen Selektionseffekt: Studierende, die an Universitäten zugelassen werden, haben bereits vor der Ausbildung höhere kognitive Fähigkeiten und sozioökonomischen Status. Ein grosser Teil der Hochschulbildung ist ein vom Steuerzahler finanzierter Zirkus, eine enorme Diskrepanz zwischen dem, was der Markt verlangt, und dem, was das Bildungssystem liefert. Einen solchen Zirkus kann man von einer Planwirtschaft erwarten. Zentrale Planer scheinen bemerkenswert oft eine Vorliebe für das unbeschriebene Blatt zu haben.
«Ein grosser Teil der beobachteten Korrelation zwischen Universitätsbesuch und späterem Erfolg erklärt sich durch einen Selektionseffekt: Studierende, die an Universitäten zugelassen werden, haben bereits vor der Ausbildung höhere kognitive Fähigkeiten und sozioökonomischen Status.»
Karl Marx baute ein politisches System auf einer ähnlichen Annahme. Der neue Mensch, den die Sowjets konzipierten, war das unbeschriebene Blatt in Form offizieller Politik: Menschliche Natur ist formbar, falsches Bewusstsein kann durch die richtige institutionelle Ordnung korrigiert werden. Die richtige Umwelt wird den idealen Menschen hervorbringen. Die Zahl der Todesopfer dieses Irrtums, in der Sowjetunion, im maoistischen China, in Kambodscha oder Nordkorea, liegt bei über 100 Millionen und steigt weiter.
Die Blank-Slate-Ideologie erlaubt Zwang. Wenn menschliche Natur existiert, gibt es Grenzen dessen, was man einem Menschen antun kann, einen Punkt, an dem seine Natur sich widersetzt, sich wieder durchsetzt, sich verweigert. Etwas hat eine höhere Loyalität als den Staat. Blank-Slate-Ideologen anerkennen keine solche Grenze. Man kann immer mehr tun. Man kann immer weiter gehen.
Die Standardreaktion an diesem Punkt, um die Sowjets zu entlasten, ist der Verweis auf andere zentral geplante Akteure, die nicht sie selbst waren, insbesondere die Nationalsozialisten. Schon die Erwähnung von Genetik, so wird behauptet, führe zu Gräueltaten, und der Holocaust stehe als ewige Warnung vor jeder Wissenschaft, die sich mit menschlicher Natur beschäftige. Die Nationalsozialisten gelten als Warnung vor der Untersuchung menschlicher Natur, während die Blank-Slate-Regime als etwas anderes oder im besten Fall als Gegenmittel dargestellt werden.
Die Nationalsozialisten verwendeten tatsächlich die Sprache der Genetik. Doch sie war ein Vorwand, keine Ursache. Sie hätten unabhängig davon getan, was sie taten; der Eliminationsdrang ging der Biologie voraus und hatte keinen verlässlichen Zusammenhang mit ihr. Die Menschen, die sie ermordeten, waren nicht, wie eine ehrliche Analyse erwarten würde, die am wenigsten Geeigneten. Oft waren es die kognitiv begabtesten Populationen des Kontinents. Es war Mord im Laborkittel. Interessanterweise ist heute bei der Erklärung von Unterschieden zwischen Geschlechtern oder anderen Gruppen oft nur noch die Erklärung des unbeschriebenen Blatts politisch akzeptabel – wiederum Mord im Laborkittel.
Nationalsozialisten und Sowjets teilten denselben grundlegenden Fehler: Die Ideologie definierte ihre Wahrnehmung von Individuen, statt dass Individuen die Ideologie begrenzten. Der Unterschied liegt lediglich in der Richtung der Projektion. Die nationalsozialistische Ideologie behandelte Menschen als Träger fixer, wesentlicher Eigenschaften. Die sowjetische Ideologie behandelte sie als Rohmaterial, dessen Natur durch die Umwelt überschrieben werden kann. Beide Auffassungen führten zu massiver Entmenschlichung und Leid. Gulag und Konzentrationslager sind keine Abweichung extremer umweltzentrierter Ideologie. Sie sind deren Konsequenz.
Die Erkenntnisse der modernen Genetik stützen weder die eine noch die andere Ideologie. Sie sagen nicht, dass jemand einer unterlegenen oder überlegenen Rasse angehört, und sie geben keine Anweisungen, was mit Menschen getan werden soll, um gewünschte Ergebnisse zu erzwingen. Sie sagen, was wahrscheinlich ist, was beeinflussbar ist und was nicht. Dadurch geben sie dem Individuum jene Handlungsfähigkeit zurück, die der Ideologe ihm genommen hat. Zu wissen, dass man ein genetisches Risiko für Adipositas hat, bedeutet nicht, ihm ausgeliefert zu sein. Es bedeutet, den falschen Kampf zu beenden und den richtigen zu beginnen. Wie kann Wissen über etwas, das ohnehin existiert, weniger Freiheit bedeuten?
Das Wissen um unsere Natur macht uns freier. Wissen ist Macht. Wenn es etwas wie Knechtschaft gibt, dann ist es Ignoranz. Knechtschaft gegenüber einer Natur, die nicht aufhört zu existieren, nur weil man sie ignoriert. Wer sich selbst versteht, erkennt, wo die tatsächlichen Freiheitsgrade liegen. Am stärksten durch seine Natur bestimmt ist derjenige, der nichts über sie weiss.
«Wissen ist Macht. Wenn es etwas wie Knechtschaft gibt, dann ist es Ignoranz»
Die aufgeklärte Alternative
Das ist weder Fatalismus noch Determinismus. Die Stoiker verstanden dies, lange bevor die Genetik den Mechanismus liefern konnte. Reinhold Niebuhrs Gelassenheitsgebet – «Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden» – ist eine Anleitung, Energie auf die Hebel zu richten, die sich tatsächlich bewegen lassen.
Wer seine polygenen Scores kennt, kann trotz genetischer Veranlagung zu Übergewicht schlank sein. Das Wissen über das eigene Genom reduziert die Stärke der Kopplung zwischen genetischer Anlage und Ergebnissen. Die Studien, mit denen der Einfluss genetischer Faktoren geschätzt wurde, wurden an Menschen durchgeführt, die ihre genetischen Prädispositionen nicht bewusst berücksichtigten. Sobald man sie berücksichtigt, kann man handeln. Man kann ungesunde Nahrung aus dem Haushalt verbannen. Man verlässt sich nicht auf Willenskraft im Moment der Versuchung, wenn eine bewusst gestaltete Umwelt die besseren Entscheidungen ermöglicht.
Wer seine eigene Natur ignoriert, ist nicht nur stärker von ihr bestimmt. Er steht vor einem ständigen Rätsel. Er versteht nicht, warum er trotz aller Bemühungen zunimmt. Er versteht nicht, warum ein Kind trotz aller Vorteile Schwierigkeiten hat, während ein anderes keine hat. Er stolpert immer wieder über denselben Stein, weil er ihn nicht sieht.
«Wer seine eigene Natur ignoriert, ist nicht nur stärker von ihr bestimmt. Er steht vor einem ständigen Rätsel»
Der russische Schriftsteller Anton Tschechow schrieb einst: «Der Mensch wird erst dann besser, wenn man ihm zeigt, wie er ist.» Dies ist die Grundlage der Aufklärung: Klare Sicht geht Verbesserung voraus, und eine genaue Karte ist Voraussetzung guter Navigation. Die genetische Revolution der letzten 50 Jahre hat die genaueste Karte menschlicher Natur hervorgebracht, die wir je hatten. Zwillings- und Adoptionsstudien, genomweite Assoziationsstudien und polygenetische Scores führen alle zu demselben Bild. Und sobald man die Ideologie ablegt, die dieses Bild lange bedrohlich erscheinen liess, erweist es sich als zutiefst menschlich.