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Der dritte Teufel im Bunde: In der Affäre Fischer spielt auch die
Justiz eine unrühmliche Rolle

Der zurückgetretene Eishockey-Nationaltrainer hat einen Fehler gemacht, ebenso wie der SRF-Journalist, der ihn stolpern liess. Doch warum hinterfragt niemand das Verhalten der Staatsanwaltschaft? Eine Polemik.

Der dritte Teufel im Bunde: In der Affäre Fischer spielt auch die  Justiz eine unrühmliche Rolle
Bild: Keystone/Andreas Becker.

 

Aller maliziösen Dinge sind drei: Die Affäre um Patrick Fischer und den SRF-Journalisten Pascal Schmitz ist so verschmitzt, dass die unbedarfte, unrühmliche Rolle eines dritten Parts weitgehend vergessen geht. Der dritte Teufel oder Täter im Bunde, im Ausbund der leidigen Geschichte ist die Justiz, ohne die Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer – obgleich absolut zu Recht verurteilt und gebüsst! – nicht von der Eisfläche und sein forscher Porträtist Schmitz nicht von der SRF-Mattscheibe verschwunden wären.

Warum nur schaut beziehungsweise zeigt in dieser Affäre niemand auf die Justiz, ohne deren Wankelmütigkeit diese Story gar nicht auf Touren gekommen wäre? Es ist nicht der Journalist, der die «Unfälle und Verbrechen» in die Öffentlichkeit bringt. Vielmehr geschieht dies anhand von Polizeirapporten und Gerichtsmeldungen, welche durch den Filter Justiz publik werden. Und im Nachgang zu Nati-Trainer Fischers gefälschtem Impfzertifikat entschied die dritte Gewalt vor rund drei Jahren offensichtlich in aller Weisheit gegen den öffentlichen Pranger, aber für eine scharfe Bussenbelegung.

«Im Nachgang zu Nati-Trainer Fischers gefälschtem Impfzertifikat
entschied die dritte Gewalt vor rund drei Jahren offensichtlich in aller
Weisheit gegen den öffentlichen Pranger, aber für eine scharfe Bussenbelegung.»

Was ist eigentlich eine Mittagspause?

Fischer konnte demnach ganz ruhig im informellen Rahmen mit der «vierten Gewalt» ein bisschen plaudern, denn nur was direkt in eine Kamera gesprochen oder als Interview autorisiert wird, darf von den Medien auch getrost veröffentlicht werden, etwa in einem Dokfilm nach erfolgreicher Mission WM-Titel – und nicht als Vorgeplänkel zur mutwilligen Hintertreibung dieses Traums der Eid- und Eisgenossenschaft nach vier WM-Silbermedaillen.

Laut SRF-Chefredaktor Tristan Brenn erfolgte der informelle Austausch zwischen Fischer und Filmautor Schmitz während eines Mittagessens, wobei allerdings gedreht worden sei. Schmitz seinerseits sprach von einer «Mittagspause», in der Fischer ungefragt so gewagt aus sich herausging. Mittagspause, das heisst Pause von was denn, wenn nicht Arbeitspause vom Filmset? Aus dem Gulasch beim Mittagstisch macht man doch keine Gulaschkanone für welches Filmsetting rundum auch immer! Ausser anscheinend bei der ach so professionellen SRG, wo eine Mittagspause gar keine Pause, sondern irreführend genug exakt jenes Glatteis ist, auf das man just den Eishockey-Nationaltrainer leutselig (unselig) genug führte und kurz vor seinem Karrierehöhepunkt WM-Titel-Mission stürzen, abstürzen liess.

Die Reaktion von Fischer und seinem Mediensprecher (vom Eishockeyverband) auf dieses Revolverblatt-Setting der hehren SRG war eindeutig: keine Autorisierung des Filmporträts mit einer solchen Covid-Beichte als Querschläger zur WM-Titel-Mission. Die SRF-Speerspitze Schmitz hätte nun beschwichtigen und diese Pausengespräch-Story, diesen Schnee von vorvorgestern, vorerst mal ein bisschen ruhen lassen können, solange bis der WM-Titel besser mit als ohne Fischer vielleicht doch noch eingetütet wäre. Stattdessen machte er lieber das ganze eigene, weit fortgeschrittene Filmporträt zur Makulatur, nur um Fischer in Sachen Covid-Beichte gleich die Pistole beziehungsweise den ultimativ «eingeforderten» (nicht einfach angeforderten, nachgesuchten) Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Luzern auf die Brust zu setzen und zu riskieren, dass andere Fischer dann vollends abschiessen – allen voran der Eishockeyverband, gegängelt vom internationalen Verband, von der Moraltante Swiss Olympic und von den Sponsoren …

Die ultimativen Versager

Auf Covid-Teufel komm raus sich im Auge der Pandemie, zur Winterolympiade 2022 in China, nicht impfen zu lassen, esoterisch-selbstverliebt und unwissenschaftlich dazu gar noch das eigene Team zu gefährden: das ist der verhexte Eis-Hexenmeister Fischer!

Auf Teufel komm raus ein informelles Pausengespräch, das Fischer für den Filmdreh nicht autorisierte, auszuplaudern und anachronistisch an die grosse Glocke zu hängen, aus der dann dummdreist genug nur mehr das Totenglöcklein für den Spiritus Rector der WM-Titel-Mission wird, das ist die «Glanztat» eines voreiligen Journalisten.

Welcher Teufel aber hat zu schlechter Letzt die Justiz selbst geritten, sich ohne Not so sehr in den eigenen Rücken zu fallen, dass man einen Strafbefehl, der im Nachgang zur Urkundenfälschung wohlweislich nicht publik gemacht wurde, nun holterdiepolter einem Journalisten aushändigte, der sich seinerseits aufführte, als diente er nicht seiner ach so gediegenen SRG, sondern einer Revolverjournaille?

Das ultimative Versagen liegt bei der Justiz, die Schmitz fürs Erste ganz leicht hätte ins Leere laufen lassen können, indem sie den Strafbefehl zwar nicht grundsätzlich, aber differenziert genug so lange unter Verschluss gehalten hätte, bis der angestrebte WM-Titel nicht mehr in die Quere kommen konnte.

«Das ultimative Versagen liegt bei der Justiz, die Schmitz
fürs Erste ganz leicht hätte ins Leere laufen lassen können.»

Notabene: Es geht keineswegs darum, dass man diese Geschichte entgegen guter journalistischer Gepflogenheit einfach unter den Teppich gekehrt hätte, wie Fischer selbst mit seinem Ausstieg aus dem SRF-Filmporträt wohl erhoffte. Nein, just diese Story gehört zweifellos auch ins «Palmarès» von Patrick Tricky Fischer, aber als das, was sie ist, nämlich eine Reminiszenz an den gesühnten Impfzertifikatsbetrug, und nicht als Autodafé, das Fischer nach drei WM-Silbermedaillen um die letzte Chance, doch noch Weltmeister zu werden, brachte.

Die Justiz, ach ja, die Justiz: Mit der salomonischen Zurückhaltung des Strafbefehls 2023 ermöglichte sie Fischer und der ganzen Nation zwei weitere WM-Silbermedaillen 2024 und 2025. Warum nur konnte ein übereifriger Journalist diese Justiz nunmehr so sehr irritieren und von der eigenen Linie abbringen, dass man mit dem Herausrücken dieses schon leicht verstaubten Strafbefehls im dümmsten Moment nicht nur Fischer, sondern vermutlich die ganze Nation um den lange ersehnten WM-Titel bringt? Denn Jan Cadieux, Fischers Nachfolger, fühlt sich nach eigenen Aussagen noch gar nicht bereit und völlig überrumpelt von der Übernahme des Headcoaching.

Das fahrlässige Verhalten der Justiz zur Unzeit mit dem Wedeln eines alles anderen als taufrischen Strafbefehls wiegt schwerer als ein Nati-Trainer und ein Journalist, die selbst nicht ganz dicht waren.

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