Nicht Subventionen retten das Klima, sondern Innovation
Zehn Jahre nach Abschluss des Pariser Abkommens steckt der Westen mit seiner Klimapolitik in der Sackgasse. Sein Einfluss auf die globalen Emissionen ist vernachlässigbar – und seine Rezepte sind teuer und untauglich.
Nach wochenlangen leeren Versprechungen ist der COP30-Klimagipfel in der brasilianischen Amazonasmetropole Belém mit einem «Abkommen» zu Ende gegangen, das nichts Messbares für das Klima bringt, aber politisches Kapital und Milliarden an Zusagen verschwendet.
Aktivisten kritisieren, dass das neueste Klimaabkommen keine Einigung über den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen beinhalte. Das ist die Realität, die sich durchsetzt. Arme und mittelständische Länder, in denen etwa 85 Prozent der Menschheit leben, weigern sich zu Recht, Wachstum und Armutsbekämpfung auf dem Altar der Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad zu opfern. Und die westlichen Nationen haben trotz ihrer grossen Versprechungen nur noch einen geringen und schwindenden Einfluss auf den Verlauf der globalen Erwärmung.
Verlagerung in andere Länder
Seit Jahrzehnten geben westliche Regierungen, vor allem in der Europäischen Union – der reichsten Gruppe von Nationen, die noch Teil des vor zehn Jahren abgeschlossenen Pariser Klimaabkommens ist –, der Reduktion von CO₂-Emissionen Vorrang vor höherem Wirtschaftswachstum und geben Billionen Dollar aus, um die Konsumenten davon zu überzeugen, Elektroautos zu kaufen und teurere, weniger zuverlässige Wind- und Solarenergie zu akzeptieren. All diese teuren Bemühungen zeigen kaum Wirkung.
Die globale Dekarbonisierungsrate (gemessen als Veränderung der CO₂-Emissionen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt) ist seit den 1960er-Jahren ungefähr gleich geblieben und hat sich auch nach dem Pariser Abkommen von 2015 nicht verändert. Die globalen Emissionen sind in die Höhe geschossen und haben 2024 einen neuen Rekordwert erreicht. Trotzdem fordern Klimaschützer unrealistischerweise, dass die Welt ihre Dekarbonisierungsrate vervierfacht.
Warum steigen die Emissionen weiter, obwohl die EU und die USA im Jahr 2024 mehr als 700 Milliarden Dollar für grüne Investitionen wie Sonnenkollektoren, Windturbinen, Batterien, Wasserstoff, Elektroautos und Stromnetze ausgegeben haben? Weil die Emissionen der reichen Welt für den Klimawandel im 21. Jahrhundert kaum eine Rolle spielen.
Während der Westen in den vergangenen Jahrhunderten am meisten CO₂ ausstiess, wird der Grossteil der zukünftigen Emissionen aus China, Indien, Afrika, Brasilien, Indonesien und vielen anderen Ländern kommen, die sich aus der Armut befreien wollen. Ein aktuelles Szenario zeigt, dass mit der aktuellen Politik nur 13 Prozent der CO₂-Emissionen im Laufe dieses Jahrhunderts aus den meist reichen westlichen Ländern der OECD kommen werden.
Das Versprechen des Westens, bis 2050 Netto-Null zu erreichen, wird Hunderte von Billionen Dollar kosten und wenig bewirken. Höchstwahrscheinlich wird diese Politik lediglich dazu führen, dass energieintensivere Produktionsprozesse in den Rest der Welt verlagert werden, ohne dass sich dies insgesamt nennenswert auf die Emissionen auswirkt. Wir haben das bereits bei der Verlagerung der Herstellung von Elektroautobatterien in Chinas kohlebasierte Wirtschaft gesehen.
Sollten die reichen Länder versuchen, dieses Problem mit CO₂-Grenzsteuern zu lösen, werden die Kosten sowohl für die reichen als auch für die armen Länder weiter steigen, während den Armen die Chance auf exportgetriebenes Wachstum genommen wird.
«Im Laufe der Geschichte hat die Menschheit grosse Herausforderungen nicht durch Einschränkungen, sondern durch Innovationen bewältigt.»
Selbst unter der superoptimistischen Annahme, dass der Westen bis 2050 seine Emissionen tatsächlich vollständig eliminiert, sinken die globalen CO₂-Emissionen im Laufe des Jahrhunderts um nur 8 Prozent. Die daraus resultierende Verringerung des globalen Temperaturanstiegs ist minimal, wenn man sie durch das Klimamodell der Vereinten Nationen laufen lässt. Bis 2050 wird der Westen den globalen Temperaturanstieg um nur 0,02 Grad reduziert haben. Selbst bis zum Ende des Jahrhunderts wird er um weniger als 0,1 Grad reduziert werden.
Die Botschaft des Westens, sich selbst zu opfern, wird in Ländern, die verzweifelt eine energiegetriebene Entwicklung anstreben, nicht viel bewirken. Ärmere Nationen wollen Deutschlands riesige klimabedingte Schulden, Spaniens grüne Stromausfälle oder die rekordhohen Strompreise Grossbritanniens nicht kopieren.
Kaum Geld für Forschung
Es gibt einen günstigeren und viel effizienteren Ansatz: Innovation. Im Laufe der Geschichte hat die Menschheit grosse Herausforderungen nicht durch Einschränkungen, sondern durch Innovationen bewältigt. Als in den 1950er-Jahren die Luftverschmutzung Los Angeles einhüllte, haben wir nicht Autos verboten, sondern den Katalysator entwickelt, der sie sauberer machte. Als in den 1960er-Jahren ein Grossteil der Welt hungerte, zwangen wir nicht alle, weniger zu essen, sondern entwickelten ertragreichere Nutzpflanzen.
Jetzt brauchen wir ähnliche Durchbrüche für grüne Energie – aber die Welt ignoriert Innovationen fast vollständig. Nach den Ölpreisschocks im Jahr 1980 investierten die wohlhabenden Länder mehr als 8 Cent pro 100 Dollar des BIP in grüne Forschung und Entwicklung, um alternative Energiequellen zu finden. Als fossile Brennstoffe billiger wurden, gingen die Investitionen zurück. Als die Klimaproblematik an Bedeutung gewann, haben wir in unserem Bestreben, ineffiziente Solar- und Windenergie zu subventionieren, Innovationen ignoriert. Bis 2023 gaben die reichen Länder immer noch weniger als 4 Cent pro 100 Dollar ihres BIP aus. Die Gesamtausgaben der reichen Länder belaufen sich auf nur 27 Milliarden Dollar – weniger als 2 Prozent der gesamten Ausgaben für grüne Technologien.
Der Westen sollte diesen Betrag auf etwa 100 Milliarden Dollar pro Jahr erhöhen. Dies würde es ermöglichen, sich auf Durchbrüche in vielen potentiellen Technologien zu konzentrieren. Wir könnten in die Innovation der Kernenergie der vierten Generation mit kleinen, modularen, typgeprüften Reaktoren investieren oder die Produktion von grünem Wasserstoff zusammen mit der Wasseraufbereitung vorantreiben oder die Batterietechnologie der nächsten Generation, CO₂-freies Öl aus Algen sowie CO₂-Extraktion, Fusionsenergie, Biotreibstoffe der zweiten Generation und Tausende anderer Möglichkeiten erforschen.
Keine dieser Technologien ist derzeit effizient, aber es reicht, wenn eine oder wenige davon besser sind als fossile Brennstoffe, damit alle Nationen umsteigen. Ausserdem werden Innovationen nur einen winzigen Bruchteil der aktuellen und zukünftigen Netto-Null-Ausgaben kosten, sodass wir mit grüner Forschung und Entwicklung viel mehr erreichen können, während wir viel weniger ausgeben.
Leider haben die Staats- und Regierungschefs, die zum Klimagipfel in den brasilianischen Regenwald geflogen sind, wochenlang über einen «Fahrplan» zur Reduzierung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe gestritten – ohne Erfolg –, sich weiterhin auf Vorschriften und Subventionen konzentriert und die Kraft intelligenter Forschung und Entwicklung übersehen. Es ist an der Zeit, dass der Westen seine begrenzten Einflussmöglichkeiten erkennt und von verschwenderischen Ausgaben zu bahnbrechenden Technologieinvestitionen übergeht, die tatsächlich Ergebnisse liefern.
Aus dem Englischen übersetzt von Lukas Leuzinger.