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Die systematische Verantwortungslosigkeit reicht über Crans-Montana hinaus – bis nach Bundesbern

Die Brandkatastrophe ist nicht Folge eines Irrtums, sondern Ausdruck des Verfalls des traditionellen Schweizer Arbeitsethos und Pflichtgefühls. Er ist aber keine Überraschung, wenn man die Sicherheits- und Migrationspolitik auf Bundesebene betrachtet.

Die systematische Verantwortungslosigkeit reicht über Crans-Montana hinaus – bis nach Bundesbern
Polizei, Absperrbänder, Medien: Wenn Verantwortung erst sichtbar wird, nachdem sie versagt hat. Foto: Dodo von den Bergen / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0).

Irren ist menschlich – aber unter vernünftigen, verantwortungsvollen Zeitgenossen ziemlich ungefährlich. Hätte der Betreiber des «Le Constellation» seine Decke aus Irrtum mit leichtentzündlichem, hochgiftigem Schaumstoff zugepappt, hätte sich das Publikum durch zweckdienliche Notausgänge retten können. Hätte er wegen Geistesabwesenheit einen Fluchtweg versperrt, wäre es durch gesetzeskonformes Schalldämpfungsmaterial gar nicht erst zu einem Vollbrand gekommen. Wäre ihm bei der Decke und bei den Ausgängen ein Lapsus unterlaufen, wäre die Gefahr bei der ersten Feuerschau bemerkt worden. Und hätte der entsprechende Gemeindebeamte just dann einen Aussetzer gehabt, so hätte die nächste Inspektion ein Jahr später für Ordnung gesorgt.

Wenn also überhaupt etwas passiert wäre in der Silvesternacht, dann sicher kein Grossereignis mit dreistelligen Opferzahlen und weltweitem Medienecho.

Brandschutzgesetze und -konzepte sind dazu da, die Risiken menschlichen Irrtums zu minimieren. Gegen flächendeckende Vollgas-Verantwortungslosigkeit können sie nichts ausrichten. Dass Unglücke mit Dutzenden von Toten in der Schweiz bislang viel seltener vorkamen als anderswo, liegt nicht an der Überlegenheit schweizerischer Paragrafen oder Prozedere. Es liegt vielmehr an einem überlegenen Arbeitsethos des Einzelnen.

«Brandschutzgesetze und -konzepte sind dazu da, die Risiken menschlichen Irrtums zu minimieren. Gegen flächendeckende Vollgas-Verantwortungslosigkeit können sie nichts ausrichten»

Die Quintessenz dieses Arbeitsethos ist, dass Kompetenz als Verantwortung und Führung als Sorge betrachtet wird. Ob Exekutivpolitiker, Offizier, Patron, Lehrer oder Schuhverkäufer: Befehle, Befugnisse oder auch nur Ratschläge sind in erster Linie Instrumente, um einer Sorgfaltspflicht nachzukommen und Vorschussvertrauen zu honorieren. Sieht ein Barbesitzer nicht wandelnde Portemonnaies zur Tür reinkommen, sondern seine Gäste, die zu ihm in sein Lokal wollen, verwandelt sich sein Untergeschoss nicht plötzlich in eine tausend Grad heisse Todesfalle. Und nimmt ein Gemeinderat das Wohl seiner Leute in seinem Ort auch nur halbwegs persönlich, dann können nicht mitten im Dorf jahrelang Hochleistungstodesfallen betrieben werden.

Die Wut über die Barbetreiber und Lokalbehörden ist gross – und mehr als nur berechtigt. Um eine Gesellschaft zu zerstören, braucht es keinen bösen Willen. Es reicht eine kritische Masse Leute, denen es komplett egal ist, ob sich ihre Mitmenschen auf sie verlassen können oder nicht. In Russland reden Kinder alle ihnen bekannte Erwachsenen mit «Tante» oder «Onkel» an – dies darum, weil man prinzipiell niemandem vertrauen kann, mit dem man nicht verwandt ist. Eine Schweiz – das hat die Katastrophe dem Land vor Augen geführt –, in der Gestalten wie Barbesitzer Moretti und Gemeindepräsident Féraud das Sagen haben, wäre eine genauso ärmliche, gefährliche und deprimierende Low-Trust-Dystopie wie Russland.

«Um eine Gesellschaft zu zerstören, braucht es keinen bösen Willen. Es reicht eine kritische Masse Leute, denen es komplett egal ist, ob sich ihre Mitmenschen auf sie verlassen können oder nicht. »

Der Fisch stinkt vom Kopf

Die Verantwortlichen für das Inferno stehen auf verlorenem Posten – nicht nur juristisch, sondern auch moralisch. Doch fairerweise muss gesagt werden: Gibt es so etwas wie einen mildernden Umstand für sie, dann ist es das heutige Bundesbern.

Der Brand im «Le Constellation» ereignete sich auf den Tag genau zehn Jahre nach dem Kölner Silvesterpogrom. Dieses wiederum ereignete sich kurz nach dem Bataclan-Massaker, das sich einige Monate nach dem Anschlag auf «Charlie Hebdo» zutrug.

In diesen zehn Jahren hat Bundesbern absolut nichts getan, um die Kontrolle über die illegale Massenimmigration von jungen Männern aus muslimischen Ländern wiederzuerlangen. Mehr noch: Während wenigstens die SVP das Asylrecht und das Grenzregime reformieren will, hält sie am flächendeckenden zivilen Waffentragverbot genauso fest wie die anderen Parteien. Die Terrorgefahr wird immer grösser, und im Fall der Fälle ist jedes Lokal in der Schweiz ein «Le Constellation». Bis die Polizei vor Ort ist, dauert es fünf, zehn oder gar zwanzig Minuten: im Ereignisfall eine Ewigkeit, die in einem Ausgehlokal mehr als vierzig Menschen das Leben kosten kann.

Ähnlich verhält es sich unter anderem mit der Energiestrategie 2025: der hanebüchenen Idee, Bandenergie von Kernkraftwerken durch Flatterstrom aus Wind- und Sonnenkraftwerken zu ersetzen. Weil dieser Ersatz nicht möglich ist, steht die Schweiz näher als je zuvor an einer Strommangellage – einer Krise, gegen die der Brand in Crans-Montana nach wenigen Tagen wie eine Lappalie aussehen würde.

Natürlich: Wenn vierzig Leute sterben, weil ein illegaler Immigrant ein Lokal massakriert, in dem niemand zurückschiessen kann, dann ist Bundesbern weniger unmittelbar dafür verantwortlich als Moretti für das Inferno in seiner Bar. Aber der Unterschied ist ein quantitativer, kein qualitativer. Eine Todesfalle wie das «Le Constellation» wird nicht aus blossem Irrtum zehn Jahre lang nicht geschlossen. Und genauso wenig ist es ein blosser Lapsus, dass in dem Jahrzehnt, in dem im «Le Constellation» der hochentzündliche Schaumstoff an der Decke klebte, die Landesgrenzen sperrangelweit offenblieben. An beiden Orten war die Gefahr bekannt, an beiden Orten reichte das Pflichtgefühl und das Verantwortungsbewusstsein nicht, um sie einzudämmen.

Von Schülern zu erwarten, dass sie sich besser benehmen als ihre Lehrer, ist Unsinn. Je mehr Schlendrian, Leichtsinn, Dummheit, Grössenwahn und «N’importe quoi» wir auf nationaler Ebene zulassen, desto weniger können wir Charakterstärke und das traditionelle Schweizer Arbeitsethos auf lokaler Ebene erwarten. Vielmehr müssen wir uns dann darauf einstellen, dass sich die Schweiz immer mehr anfühlen wird wie Crans-Montana in den ersten Tagen von 2026.

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