Wir brauchen Ihre Unterstützung — Jetzt Mitglied werden! Weitere Infos

Wenn die Politiker abtauchen, hinterlassen sie den Bürgern einen Scherbenhaufen

Weltweit haben Staaten riesige Schulden angehäuft. Das ist nicht nachhaltig – die nächsten Jahre werden unruhig.

Wenn die Politiker abtauchen, hinterlassen sie den Bürgern einen Scherbenhaufen

«Alles Fiatgeld ist ein Versprechen, einen Kredit zurückzuzahlen, der durch einen Vermögenswert gedeckt ist, der von Anfang an gar nicht existierte. Das alles ist Betrug. Es ist alles ein Schwindel und ein riesiges Pyramidensystem.»

Knut Svanholm in «Bitcoin: Everything Divided by 21 Million»

Imperien scheitern immer gleich: am eigenen Grössenwahn. Zuerst kommt die militärische Überdehnung, also der Glaube, die Sicherheit in aller Welt gewähren zu können. Weil das nicht zu finanzieren ist, folgen die Abwertung der eigenen Währung und eine Schuldenspirale. So zerfiel das Römische Reich, so verarmte Spanien im 17. Jahrhundert und so verlor Grossbritannien im 20. Jahrhundert sein Weltreich. Aktuell befinden sich die USA im lärmigen Niedergang; China dagegen wartet still auf den Wiederaufstieg. Viele fragen schon länger nicht mehr, ob die Weltmacht wechselt, sondern wann.

Der Anfang des Niedergangs der USA war die finale Aufgabe des durch Gold gedeckten Geldes 1971. Auf wtfhappenedin1971.com kann man sich in vielen Grafiken anschauen, wie vielfältig sich die von Präsident Richard Nixon verkündigte Aufgabe des harten Geldes langfristig auswirkte: Preise und Schulden explodieren seither, viele weitere Indikatoren reagieren darauf. Die aktuelle Immobilien- und Börsenhausse etwa hat wenig zu tun mit schöneren Häusern oder produktiveren Firmen, aber viel mit schlechtem Geld, das die Leute dringend loswerden möchten.

Während man vor einigen Jahren in Europa noch an eine Einhaltung der Maastrichtkriterien glaubte, an Sparen in guten Zeiten und an ausgeglichene Budgets, so ist das heute fast nur noch in der Schweiz realistisch – den Schweizer Bürgern sei Dank, die ihre Politiker mit der Schuldenbremse in Schach halten. Ansonsten hat man sich an den Gedanken gewöhnt, dass die Schulden nie zurückgezahlt werden und die Bürger halt über Inflation enteignet werden. Frankreich beispielsweise schreibt seit 1975 jedes Jahr ein Haushaltsdefizit.

Seit 2009, als Reaktion auf die Finanzkrise, steht mit Bitcoin für alle auf der Welt ein Ausweg aus der Enteignung durch die Staatsgewalt parat. Genutzt wird dieser Ausweg bisher kaum; viele von denen, die Immobilien und Aktien besitzen, halten sich für unverwundbar und haben wenig Lust, Neues zu lernen. Doch nimmt die Schuldenspirale Fahrt auf, kann es schnell gehen, und die Preise auf der rettenden Insel werden teuer.

Das Dossierthema dieses Hefts ist Resilienz, und das werden Sie in den nächsten zehn Jahren brauchen. Denn es wird aufregend, wenn die verantwortlichen Politiker abtauchen und den Bürgern einen Scherbenhaufen hinterlassen. Eigenverantwortung wird dann plötzlich von einer etwas abgenutzten Moralparole zur neuen Realität.

Das ist die letzte Ausgabe, die ich als Chefredaktor verantworte: Ab 2026 übernehmen Giuseppe Gracia als Herausgeber und Lukas Leuzinger als Redaktionsleiter. Eine gute Wahl! Bleiben Sie dem «Schweizer Monat» bitte gewogen: Er ist eine einzigartige Institution.

»
Abonnieren Sie unseren
kostenlosen Newsletter!