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Was uns «Karate Kid» übers Staubsaugen lehrt

Wer Bewegung aus dem Alltag verbannt und ins Gym auslagert, hat den Sinn und Zweck des Sports missverstanden. Es ist Zeit, den Körper wieder im täglichen Tun zu stählen.

Was uns «Karate Kid» übers Staubsaugen lehrt
Der Film «Karate Kid» erinnert uns daran: Körperliche Anstrengung gehört nicht ins Fitnessstudio ausgelagert, sondern zurück in den Alltag integriert. Bild: Columbia Pictures.

 

Daniel LaRusso ist enttäuscht. Er hatte gehofft, dass der japanische Kampfsportveteran Kesuke Miyagi ihm Karate beibringt. Stattdessen lässt dieser ihn seine Oldtimer polieren, seinen Zaun und sein Haus streichen sowie seinen Fussboden schleifen. Da Daniel von Mitschülern gemobbt wird, will er sich verteidigen können – wie sollen ihm diese Tätigkeiten da helfen? Wenig später offenbart Miyagi dem Teenager: In den scheinbar banalen Alltagsbewegungen stecken die Grundlagen für Karate-Techniken.

Der Kultfilm «Karate Kid» (1984) enthält die wichtige Botschaft, dass eine strikte Trennung zwischen Alltag und Training heikel ist. Körperliche Fertigkeiten, die keinen Bezug zur Alltagsrealität haben, sind abstrakt. Genau diese Abstraktheit ist in hochentwickelten Konsumgesellschaften der Normalfall.

Die Realität sieht für viele Menschen so aus: Sie vermeiden körperliche Aktivität im Alltag und delegieren sie an technische Helferlein – nur um die daraus entstehende körperliche Unterforderung durch Training überzukompensieren. Beruf und Alltag einerseits, Sport und Fitness andererseits driften auseinander, hin zu einem scharfen Dualismus: entweder gar nichts oder alles. Ohne gleich in eine Jäger-und-Sammler-Existenz zurückzufallen, lässt sich durch ein paar simple Massnahmen gegensteuern.

Bewegungstipps für den alltäglich Gebrauch

Finger weg von Smart Homes! Nicht nur sind diese Einfallstore für einen übergriffigen Staat und autoritäre Überwachungskapitalisten. Sie nehmen uns auch immer mehr körperliche Arbeit ab – grobmotorische wie feinmotorische. Es summiert sich durchaus, wenn man die Storen nicht selbst hochkurbelt, das Staubsaugen an Roboter delegiert und die Küchenmaschine jede lästige Handarbeit übernimmt. Kochen Sie lieber selbst mit schweren gusseisernen Pfannen, schnippeln, kurbeln, schrubben Sie von Hand, installieren sie ein mechanisches Garagentor, das Sie eigenhändig hochdrücken und herunterziehen müssen – und so weiter. In der Summe ergeben diese Mini-Aktivitäten ein diversifiziertes Bewegungsprofil.

«Treppe statt Lift» ist nicht alles! Bauen Sie kleine Trainingselemente in den Alltag ein, statt alles im Gym oder im Dojo zu erledigen. Tragen Sie etwa zu Hause ein Fitnessband oberhalb der Knie. So aktivieren Sie ganz nebenbei Ihre seitliche Hüftmuskulatur. Putzen Sie die Zähne im Einbeinstand – mit einer Hand- statt elektrischen Zahnbürste. Und wechseln Sie die Hände! Wenn Sie stabil stehen, gehen Sie einen Schritt weiter: Probieren Sie den Einbeinstand auf den Zehenspitzen. Eine tolle Übung für die kleinen, chronisch unterforderten Fussmuskelgruppen und den Gleichgewichtssinn. Bei Bedarf lassen sich einbeinige Kniebeugen integrieren.

«Finger weg von Smart Homes! Nicht nur sind diese Einfallstore für einen übergriffigen Staat und autoritäre Überwachungskapitalisten. Sie nehmen uns auch immer mehr körperliche Arbeit ab – grobmotorische wie feinmotorische.»

Absolvieren Sie an der Küchenplatte Schräglage-Liegestützen, während der Tee zieht. In drei Minuten lassen sich Brust-, Schulter- und Trizepsmuskeln durchaus zum Brennen bringen. Und warum den Tee nicht mal im Wandsitz («Wall-Sits») einnehmen? Entspannung und Anspannung traut vereint! Der Wandsitz lässt sich übrigens auch bei Zugfahrten üben: einfach das Gesäss anheben und eine Weile über dem Sitz schweben. Selbst im Büro können Sie diskret isometrische Übungen einstreuen. Pressen Sie etwa die Fäuste oder die Knie von unten gegen die Tischplatte – schon sind die Muskeln unter Spannung.

Klar, das fühlt sich zunächst absurd an. Aber warum nicht ein wenig Dada wagen? Als die Dadaisten ihre Kunst des Absurden entwickelten, wurden sie verspottet. Heute hängen ihre Arbeiten ganz selbstverständlich neben den alten Meistern im Museum.

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