Im Bunker brennt noch Licht

Mit Notvorräten, Waffen und einer Survival-Ausrüstung wollen «Prepper» überleben, wenn es hart auf hart kommt.

Im Bunker brennt noch Licht
Produkte fürs Überleben, z.B. Gemüse, das 15 Jahre haltbar ist (Dose ganz links), fotografiert von Laura Clavadetscher.

2012 endete der Maya-Kalender, 2013 befürchtete manch einer ein Schwarzes Loch am Cern. Bislang ist uns der Himmel nicht auf den Kopf gefallen, trotzdem sind laut Reid Hoffman, Mitgründer von LinkedIn, mindestens die Hälfte aller im Silicon Valley lebenden Tech-Milliardäre Prepper – Menschen also, die sich auf irgendeine Art von finaler Katastrophe vorbereiten. Zu den Vorsorgemassnahmen von Preppern können Notvorräte und eine Survival-Ausrüstung ebenso zählen wie, gehobenen Verhältnissen entsprechend, der eigene Bunker, eine einsame Insel oder ein Privatflug nach Neuseeland. Ja, tatsächlich ist «going to New Zealand» ein Insiderausdruck für die Prepper-Aktivitäten der globalen Eliten geworden. Während «going to Switzerland» dank Di­gnitas und Exit als Euphemismus für selbstbestimmtes Sterben dient, lockt der abgelegene Inselstaat Neuseeland mit seinen weniger als fünf Millionen Einwohnern jene an, die um jeden Preis überleben wollen – und es sich leisten können. 

In der Woche nach Donald Trumps Wahl zum Präsidenten liessen sich über dreizehntausend US-Bürger bei den neuseeländischen Einwanderungsbehörden registrieren; das Investor-plus-Visa, das Investitionen von beinahe 7 Millionen Dollar über drei Jahre verteilt voraussetzt, lockte 2017 beinahe dreimal so viele Bewerber an wie in den Jahren davor. Einem dieser Bewerber wurde besonders viel Aufmerksamkeit zuteil, nämlich Paypal-Gründer Peter Thiel, der nicht nur zwei Anwesen in Neuseeland ausdrücklich mit der Absicht erwarb, sich im Falle einer Apokalypse dorthin zurückziehen zu können, sondern nach einem nur zwölftägigen Aufenthalt die neuseeländische Staatsbürgerschaft annahm. Und während manche der Tech-Prepper nur eine Tasche mit Survival-Zubehör, Goldmünzen und einer Waffe bereitliegen haben, investieren andere, unter ihnen angeblich Bill Gates, sogar in private Bunkeranlagen. Wissen diese Menschen etwas, das wir nicht wissen? Nicht unbedingt, scheint es, denn es herrscht weder bei den konkreten Ursachen des antizipierten Weltuntergangs Einigkeit noch beim diesbezüglichen Vokabular. Apokalypse, Doomsday, Armageddon, Tag X, SHTF («Shit Hits the Fan») oder schlicht «The Event» sind einige der geläufigen Bezeichnungen für den Tag, an dem alles bachab gehen soll.

Eine ganze Reihe von Unternehmen auf der ganzen Welt bedienen die wachsende Nachfrage nach Schutzvorkehrungen am Tag des Untergangs, etwa in Form von im Boden versenkbaren Bunkern, bei denen der Luxus nicht zu kurz kommt. Das Modell «Aristocrat» des texanischen Unternehmens Rising S kostet demzufolge ohne Installationsgebühr 11,5 Millionen Dollar – stilvoller untergegangen sind wohl nur einige Aristokraten auf der «Titanic». «One Day Youʼll Wish You Could Get In … Donʼt be left out!», wirbt Vivos, ein weiterer Anbieter, auf seiner Website. Ein Standpunkt der Firma im Süden Dakotas besteht aus 575 ehemaligen Militärbunkern und soll 5000 Menschen Unterschlupf bieten. Vivos bietet auch eine «moderne Arche Noah» in einem ehemaligen Munitionslager der deutschen Armee an. So weit, so gut. Weiter im Werbetext geht es bei Vivos allerdings mit Endzeitwarnungen aus der Bibel, von Nostradamus, den Hopi-Indianern und einer eklektischen Auswahl weiterer «Seher», die vor einer globalen Katastrophe gewarnt haben. Da sich ihre Vorhersagen widersprechen, rechnen wir am besten mit allen zugleich, scheint die Schlussfolgerung von Vivos zu sein.

Was die Survival-Bemühungen der unteren 99 Prozent betrifft, bezeichneten sich im Jahr 2017 in den USA mehr als drei Millionen Menschen als «Doomsday Prepper». Wortwörtlich genommen wappnen sich diese für den Jüngsten Tag, und die religiöse Komponente im Namen ist nicht unpassend, denn unter den Doomsday Preppern finden sich nicht nur viele Verschwörungstheoretiker, sondern oft tiefreligiöse Menschen. Wiederum haben 2017 ganze zwei Drittel der US-Amerikaner in Ausrüstung investiert, die sie dabei unterstützen soll, eine Katastrophe zu überleben – inspiriert von durchaus realen Desastern: einem der schlimmsten Hurrikane seit Menschengedenken, volatilen Beziehungen zu Russland und Nordkorea, der Terrororganisation ISIS sowie einer zunehmend instabilen politischen, sozialen und finanziellen Lage im eigenen Land. Prepper imaginieren denn auch sehr unterschiedliche Versionen des Weltuntergangs.…

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
über den «Schweizer Monat»