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Der Mensch lässt sich nicht staatlich planen

Viele Progressive führen Ungleichheiten auf «Strukturen» zurück. Doch die Realität hält sich nicht immer an diese Vorstellung.

Der Mensch lässt sich nicht staatlich planen
Wenn sie frei wählen können, entscheiden sich Frauen eher für Familien- und gegen Erwerbsarbeit. Bild: Unsplash.

Das Ziel der Individualbesteuerung ist es, den Arbeitsanreiz zu erhöhen und insbesondere Mütter vermehrt in den Arbeitsmarkt (zurück) zu bringen. Was aber, wenn Mütter gar nicht mehr arbeiten wollen?

Oft wird so getan, als wären sämtliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern in Bezug auf Arbeitsmarktbeteiligung, Lohnniveau oder Vertretung in Führungsgremien auf strukturelle Diskriminierung oder eine patriarchale Kultur zurückzuführen. Und so versucht der Staat, die Strukturen so lange zu ändern, bis die Unterschiede verschwinden: mit Frauenquoten, Lohnvorgaben, Förderprogrammen oder Kita-Subventionen. Das bringt allerdings wenig, wenn die Geschlechterunterschiede in der Lebensgestaltung nicht primär auf Strukturen zurückzuführen sind, sondern, nun ja, auf das Geschlecht.

Aufgrund der biologischen Realität haben Mütter vom Zeitpunkt der Geburt an eine deutlich stärkere Verbindung zu ihrem Kind als der Vater. Frauen, insbesondere mit kleinen Kindern, sind verletzlich und schutzbedürftig. Ist es dann überraschend, wenn Mütter öfter in der Kinderbetreuung und -erziehung engagiert sind, während sich Väter eher um die materielle Sicherheit der Familie kümmern?

Tatsächlich entscheiden sich Frauen, wenn sie ihr Lebensmodell frei wählen können, eher für die Familie. In Ländern, die punkto Gleichstellungspolitik besonders «progressiv» sind und in denen Paare die Elternzeit frei aufteilen können, beziehen am Ende doch wiederum die Mütter den überwiegenden Teil davon. Nicht selten lassen Väter sogar einen Teil der ihnen zustehenden Urlaubstage verfallen.

Nun mögen Freunde staatlicher Gleichstellungsmassnahmen sagen, dass man eben noch mehr tun müsse, um wahre Gleichstellung zu erreichen. Warum nicht Paare dazu zwingen, dass beide genau gleich viel Elternzeit beziehen und dann auch beide gleich viel Teilzeit arbeiten? Wenn der Mensch sich nicht aus freien Stücken zum Besseren ändert, muss man ihn eben von oben ändern.

Doch es ist kein Dienst am Menschen, seine Freiheit einzuschränken. Und kein Staat kann die biologische Realität ändern oder Hunderttausende Jahre Evolutionsgeschichte umprogrammieren. Stattdessen sollte die häretische Frage erlaubt sein: Ist es wirklich so schlimm, wenn Frauen und Männer unterschiedliche Präferenzen haben? Wenn sie unterschiedliche Prioritäten setzen? Ja wenn es nicht darum geht, was politische Denkmoden gerade vorschreiben, sondern einfach darum, das Beste für die eigene Familie zu erreichen?

Das soll nicht als Argument gegen die Individualbesteuerung verstanden werden. Aber als Warnung, keine übertriebenen Erwartungen daran zu haben, wie Menschen auf eine neue Steuerregelung reagieren. Es sind am Ende immer noch Menschen. Und weil sie Menschen sind, lassen sie sich nicht so leicht in Schemen pressen, die idealistische Planer für sie gezimmert haben.

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