An den Universitäten gedeiht eine Paraverwaltung, die ihre
rigide Moralpolitik durchsetzt
An den meisten Hochschulen wächst der Personalbestand schneller als die Zahl der Studenten. Das führt nicht zu einer besseren Betreuung, sondern zur Aufblähung von Diversity-Abteilungen und anderen aktivistischen Strukturen. Sie sollten abgeschafft werden.

Dieser Beitrag ist Teil der Serie «Motosierra suiza», in der wir zeigen, wo man in der Schweizer Bürokratie die Motorsäge ansetzen könnte.
Vor knapp 60 Jahren rief der Student und marxistische Aktivist Rudi Dutschke in einer feurigen Rede zu einer neuen Art von Revolution auf. Diese sollte nicht mit roher Gewalt ausgetragen werden, sondern durch die beharrliche Unterwanderung staatlicher Institutionen und Universitäten durch linkssozialistisch geprägte Ideologen und Umstürzler. Zwei Generationen nach Dutschkes Aufruf zum «Marsch durch die Institutionen» zeigen sich die Früchte seiner Kampfrhetorik – auch in der Schweizer Hochschullandschaft. Der kontinuierliche Ausbau des universitären Verwaltungsapparats und dessen inhaltliche Verschiebung von akademischen Administrationsaufgaben hin zu einem Ringen über moralische Deutungshoheit zeitgenössischer Politikdebatten ist auch hierzulande längst kein Randphänomen mehr.
Heute stehen allein an der Universität Zürich 28 785 Studierenden 10 323 Mitarbeitende gegenüber, davon 3674 im administrativ-technischen Bereich. Vor einem Vierteljahrhundert zählte die Universität noch knapp 20 000 Studierende und etwas mehr als 5000 Mitarbeitende, davon rund ein Drittel im administrativen Bereich. Der Personalbestand hat also um 87 Prozent zugenommen, die Zahl der Studierenden hingegen nicht einmal halb so stark.
Ähnliches lässt sich an der ETH Zürich beobachten: Aktuell beschäftigt die Hochschule rund 13 600 Mitarbeitende, davon mehr als ein Drittel im administrativen Bereich. Im Jahr 2000 lag diese Zahl noch bei etwas mehr als 7000 Mitarbeitenden, wovon ebenfalls rund ein Drittel dem administrativen Bereich zuzuordnen war; dies entspricht einem Anstieg von 77 Prozent. Allerdings ist parallel dazu auch die Zahl der Studierenden stark gestiegen, was den Ausbau der Verwaltung zumindest teilweise rechtfertigt.
Leitfäden für «diskriminierungsfreie Sprache»
Auffällig ist, dass sich der Fokus vom blossen Betreuen der Studierenden hin zum Vorleben moralischer Verhaltensvorschriften verschiebt. So betreibt die ETH Zürich mit «ETH Diversity» ein ganzes Sammelsurium von Massnahmen zu «Diversity, Equity and Inclusion» (DEI). Auch die Universität Zürich unterhält eine eigene DEI-Abteilung. Deren «Gender Equality Plan» sieht vor, Mitarbeitende durch Schulungen zu inklusiver Sprache normativ zu bevormunden; zugleich werden Karriereverläufe bei gleicher Qualifikation geschlechtsabhängig beeinflusst – eine Geschlechterdiskriminierung mit umgekehrten Vorzeichen. Die «Diversity Policy» hingegen wirkt wie ein zahnloser Papiertiger: ein eineinhalbseitiges Grundsatzpapier von bemerkenswerter Substanzarmut. Braucht es für solche Flyer tatsächlich eine eigene Abteilung?
Ein weiteres Beispiel für das Diktat neosozialistischer Bestrebungen sind Sprachleitfäden, die eine «diskriminierungsfreie Sprache» vorschreiben – so gesehen an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) und der Fachhochschule Graubünden (FHGR). Allerdings pfiff der Zürcher Regierungsrat die ZHAW bereits 2022 zurück: Gendergerechte Sprache dürfe weder über Leistung noch Note entscheiden, sondern habe lediglich Empfehlungscharakter. Dennoch braucht es Personal, um solche Papiere auszuarbeiten – im Fachjargon: Diversitätsbeauftragte. Und diese wiederum legitimieren ihre eigenen Abteilungen.
«Es ist stets dieselbe Dynamik: Gesellschaftspolitische Debatten über die Anliegen diskriminierter Minderheiten werden zur Schaffung neuer Stellen instrumentalisiert, die sich im Universitätsapparat schliesslich als dauerhafte Strukturen verfestigen.»
Es ist stets dieselbe Dynamik: Gesellschaftspolitische Debatten über die Anliegen diskriminierter Minderheiten werden zur Schaffung neuer Stellen instrumentalisiert, die sich im Universitätsapparat schliesslich als dauerhafte Strukturen verfestigen.
Diese Arbeitsplätze wachsen nicht durch politische Grundsatzentscheide, sondern durch eine subtile Ausdehnung des universitären Verwaltungsapparats. Dabei geht es nicht um gesellschaftlich-philosophische Diskussionen, sondern um politischen Aktivismus. Letzterer hat an Hochschulen nichts zu suchen.
Problematisch ist jedoch nicht nur die schiere Grösse des stetig wachsenden hochschulstaatlichen Verwaltungsapparats, sondern auch seine inhaltliche Verschiebung. Gleichstellung, Diversität und Inklusion sind alles legitime Anliegen. Doch sie dienen zunehmend als Einfallstor für dauerhafte Bürokratien, denen ein moralinsaurer Beigeschmack universitärer Umerziehung anhaftet.
Selektive Moral
Hier gilt es, Einspruch zu erheben: Universitäten dürfen Wissen als Allgemeingut zur Verfügung stellen – nicht aber eine selektive Moral diktieren, die von wenigen definiert und vielen aufgedrängt wird. Nicht jede gesellschaftlich wünschbare Norm rechtfertigt eine eigene Verwaltungsstruktur. Der Ausbau dieser Strukturen im Namen des «Guten» ist kein Fortschritt, sondern eine schleichende Ausweitung universitärer Zuständigkeiten.
Eine rigide Moralpolitik, die sich in einem verwaltungsartigen Apparat manifestiert, ist in einer freien Gesellschaft überflüssig. Sämtliche Diversity- und andere aktivistische Abteilungen an Hochschulen können daher ersatzlos gestrichen werden. Die Schaffung solcher Stellen erscheint als reiner Selbstzweck: Sie verschafft vor allem jenem akademischen Überschuss einen Brotverdienst, den die Hochschulen Jahr für Jahr selbst produzieren, und befriedigt linke Hochschulabgänger in ihrem Weltverbesserungseifer.