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Traumberuf «Angestellter»

Elon Musk kennt jeder – Unternehmer sein will trotzdem kaum jemand. Warum Unternehmertum dennoch fasziniert, zeigen unsere in Zürich und Lausanne durchgeführten Strassenumfragen unter Jugendlichen.

Traumberuf «Angestellter»

 

In der kollektiven Vorstellung scheint der Unternehmer eine vertraute, aber dennoch vage Figur zu sein. Die vom «Schweizer Monat» und «Le Regard Libre» auf beiden Seiten der Saane durchgeführten Strassenumfragen zeigen, wie sehr dieser Begriff eine falsche Selbstverständlichkeit darstellt. Wenn die befragten Jugendlichen sagen, sie hätten eine Vorstellung davon, was ein Unternehmer sei, ähneln sich viele Antworten, ohne jedoch sehr präzise zu sein: Er organisiert das Unternehmen, leitet es und sorgt dafür, dass «das Geld hereinkommt». Der Unternehmer scheint in erster Linie als Manager wahrgenommen zu werden und die beiden Begriffe werden von den allermeisten Jugendlichen als Synonyme wahrgenommen.

Misserfolg in Kauf nehmen

Einige Teilnehmer heben jedoch ein zentrales Merkmal hervor, das für Unternehmer repräsentativer ist und mit Unternehmergeist zu tun hat: das Eingehen von Risiken. So «identifiziert der Unternehmer Marktlücken und bietet Produkte oder Dienstleistungen an, die diese schliessen», heisst es in Zürich. «Es ist immer gut, Dinge zu erfinden, die es noch nicht gibt», meint man in Lausanne. Kurz gesagt: Ein Unternehmer «belebt die Wirtschaft, indem er ein Unternehmen gründet». Und «im Idealfall erzielt er damit Gewinne».

Risiken einzugehen bedeutet auch, Misserfolge in Kauf zu nehmen. Auf die Frage nach ihrem letzten persönlichen Misserfolg nennen viele Befragte alltägliche Situationen – oft nicht bestandene Prüfungen –, die jedoch von vielen als Lernmöglichkeiten interpretiert werden. «Ich scheitere jeden Tag, aber dadurch wachse und lerne ich viel», meint ein Passant in der Deutschschweiz. Ein Westschweizer berichtet von seinem ersten unternehmerischen Abenteuer: «Einmal habe ich mit Freunden Getränke gekauft, um sie teurer weiterzuverkaufen, aber das hat nicht so gut funktioniert.»

Risiken sind im Leben aller Menschen präsent. Täglich wägen wir (oft unbewusst) unzählige Risiken ab, bevor wir Entscheidungen treffen. Ob wir wollen oder nicht, wir sind alle professionelle Risikoanalysten. Oder anders gesagt: In uns allen schlummert diese eine Anlage, die erfolgreiche Unternehmer unter anderem so auszeichnet. Auch die jüngere Generation geht bewusst Risiken ein – meist jedoch noch fernab von Business und Unternehmertum, aber etwa in Form eines Auslandsstudiums oder eines riskanten Hobbys, wie sie zu Protokoll geben. Eine wichtige Voraussetzung für den zweifelsohne riskanten Schritt in die Selbstständigkeit ist somit gegeben.

Autoritär und belastbar

Auf der Liste der persönlichen Eigenschaften, die man mitbringen muss, um ein unternehmerisches Abenteuer zu starten, werden von unseren Gesprächspartnern immer wieder Entschlossenheit und Autorität genannt. Dies zusammen mit der Fähigkeit, zu überzeugen und zu vereinen, sowie der Fähigkeit, zuzuhören und zusammenzuarbeiten. Bemerkenswert ist, dass bei genauerem Nachfragen das autoritäre Bild des Chefs dem Bild eines Dirigenten weicht, der in der Lage ist, eine Richtung vorzugeben und gleichzeitig sein Umfeld zu berücksichtigen.

Auch Mut, Belastbarkeit und das Vorhandensein von Optimismus werden häufig als Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start als Unternehmer genannt. Es scheint, als ob Unternehmertum aus Sicht der Befragten in erster Linie eine mentale Bereitschaft voraussetze, Rückschläge zu verkraften.

«Bei genauerem Nachfragen weicht das autoritäre Bild des Chefs dem Bild eines Dirigenten, der in der Lage ist, eine Richtung vorzugeben und gleichzeitig sein Umfeld zu berücksichtigen.»

Wenn es um Unternehmerpersönlichkeiten geht, fallen sofort die grossen, weltweit bekannten Namen der «Superreichen» wie Elon Musk oder Jeff Bezos. Ein Deutschschweizer hingegen nennt seinen Vater, «der mit einem Kollegen ein Start-up gegründet hat». Ein anderer erwähnt Peter Spuhler, den Thurgauer Unternehmer und Politiker, der das kleine Unternehmen Stadler Rail zu einem international erfolgreichen Hersteller von Schienenfahrzeugen gemacht hat. Er ist zudem der Meinung, dass die Chefs der zahlreichen KMU, Handwerker, Friseure oder Gärtner das eigentliche «Rückgrat der Schweizer Wirtschaft» seien.

Sicherheit schlägt Selbstständigkeit

Und wollen die jungen Menschen, die wir getroffen haben, selbst Unternehmer werden? Die meisten nicht, so das klare Fazit unserer in dieser Hinsicht hoffentlich nicht repräsentativen Umfrage. «Ich bin lieber Angestellter», lautet die häufigste Antwort. Einige sind auch von der Vorstellung angetan, wie motivierend und befriedigend es sein müsse, seinen Mitarbeitern monatlich einen Lohn ausbezahlen zu können. «Ich könnte mir schon vorstellen, eine eigene Bude zu gründen, aber der Weg dorthin erscheint mir ziemlich schwierig.»

Schwierig? Auf jeden Fall. Machbar? Auf jeden Fall. In den Antworten vieler Jugendlicher schwingt eine gehörige Portion Respekt (oft auch Ehrfurcht) vor Unternehmern und ihren Leistungen mit. Alles beginnt mit einer guten Idee, die sich von anderen abhebt und einem Marktbedürfnis entspricht. Als Nächstes braucht es «einen guten Businessplan», wie sich ein potentieller zukünftiger Unternehmer ausdrückt. Aber wie geht es danach konkret weiter?

Mit dieser Sonderpublikation möchten wir Hemmschwellen abbauen, inspirieren und informieren. Wir wollen Jugendlichen die ersten Schritte in die Selbstständigkeit erleichtern – damit aus dem «Traumberuf Angestellter» möglichst ein Traumleben als Unternehmer/-in werden kann.

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