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Das Schweigen der Feministinnen

Seit Wochen kämpfen Frauen im Iran gegen das Mullah-Regime, werden unterdrückt und getötet. Das interessiert westliche Feministinnen wenig.

Das Schweigen der Feministinnen
Wahrer Mut: Feminismus in Iran. Bild: Unsplash.

Die feministische Revolution im Iran ist nicht nur ein Kampf gegen wirtschaftliche Misere und Diktatur, sondern auch ein gesellschaftlicher Aufstand für Frauenrechte und Menschenwürde. Dafür sind Millionen in der Islamischen Republik auf die Strasse gegangen. Aus der Sicht des Regimes handelt es sich um einen Aufstand gegen Gott; deswegen hat der geistliche Führer Ali Chamenei den Befehl gegeben, mit grösster Härte vorzugehen. Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen gehen von bislang 30 000 getöteten Menschen im Iran aus.

Seit Jahren sind sich progressive Muslime einig: Der Feminismus ist, zusammen mit einer historisch-kritischen Koranauslegung, die grösste Hoffnung auf Reformen im Islam. Angesichts dieser Hoffnung, zumal auch im Westen immer mehr Muslime leben, müsste Europa daran interessiert sein, dass sich ein islamischer Feminismus durchsetzt.

Leider scheint das keine Priorität der Instagram-Feministinnen hierzulande zu sein. Sie sehen im Kopftuch weniger ein Symbol der Unterdrückung als ein Selbstbestimmungsrecht von Migrantinnen. Beinahe so, als hätte die Hijab-freundliche Luxuswerbung für Touristen in Zürich auch Schweizer Frauenrechtlerinnen überzeugt. Diese gehen jedenfalls nicht auf die Strasse, wenn im Iran Frauen unterdrückt, ausgebeutet, misshandelt und im Namen Allahs getötet werden oder wenn junge Muslime nach Europa kommen und hier ebenfalls Frauen vergewaltigen und töten. Unsere Frauenrechtlerinnen kümmern sich lieber um Gendersprache und Quoten für Kaderjobs. Sie demonstrieren Solidarität mit Männern, die sich als Frauen fühlen, und Frauen, die sich als Männer fühlen.

Abgekoppelt von der Realität, die Millionen Frauen ausserhalb europäischer Wohlstandsoasen jeden Tag durchleiden, droht der westliche Feminismus zu vergessen, wie starke und mutige Frauen aussehen: Sie sehen aus wie die Frauen im Iran, die ihr Leben riskieren, um die Welt, die sie vorgefunden haben, für künftige Generationen besser zu machen.

Die Frauen im Iran sind die Heldinnen unserer Tage. Es ist an der Zeit, sie laut und öffentlich zu unterstützen. Im Bewusstsein, dass sie die Wegbereiterinnen eines fortschrittlichen Islams werden können, ohne den es auch in Europa keine friedliche Koexistenz mit Andersgläubigen und Ungläubigen geben wird.

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