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Ideologie mit wissenschaftlichem Anspruch

Eine neue Studie über junge Männer wird medial gefeiert. Dabei basiert sie auf einem einseitigen Bild, das männliche Eigenschaften primär als Problem sieht.

Ideologie mit wissenschaftlichem Anspruch
Bild: Unsplash/Solal Ohayon.

 

Die Studie «Männlichkeit im Wandel» von Denis Ribeaud, Ann-Lea Buzzi und Markus Theunert wird derzeit in den Medien als objektive Bestandsaufnahme junger Männer in der Schweiz gefeiert. Sie enthält interessante Daten. Ihr Problem liegt nicht in den Zahlen, sondern in der theoretischen Brille, durch die diese gelesen werden.

Bereits die Einleitung zeigt, wohin die Reise geht: Geschlecht und Männlichkeit werden primär als gesellschaftlich erzeugte und gestaltbare Konstrukte verstanden. Eine evolutionspsychologische, verhaltensgenetische oder biopsychologische Perspektive, die biologische Einflüsse auf Risikobereitschaft, Statusstreben oder Aggressionsverhalten berücksichtigt, spielt keine Rolle. Die Studie präsentiert keine offene wissenschaftliche Debatte, sondern setzt ein konstruktivistisches Paradigma voraus und entwickelt daraus politische Forderungen.

Genau darin liegt ihr Bias.

«Die Studie präsentiert keine offene wissenschaftliche Debatte,
sondern setzt ein konstruktivistisches Paradigma voraus
und entwickelt daraus politische Forderungen.»

Besonders deutlich wird er beim sogenannten «Faktor M». Dieser bündelt Antiegalitarismus, Misogynie, Gewaltlegitimation, Queerfeindlichkeit und «maskulistische Bedrohungsgefühle» zu einem einzigen Syndrom. Anschliessend wird dieses als wissenschaftlich identifizierter Risikofaktor präsentiert. Tatsächlich werden zunächst normativ unerwünschte Einstellungen definiert, statistisch zusammengeführt und danach als objektive Entdeckung ausgegeben. Das ist weniger Erkenntnisgewinn als die Bestätigung einer bereits bestehenden Theorie.

Aufschlussreich ist der Begriff «Antiegalitarismus». Gemeint ist nicht die Ablehnung gleicher Rechte vor dem Gesetz. Gemeint ist die Ablehnung eines egalitaristischen Gesellschaftsverständnisses, das auf die Angleichung sozialer Ergebnisse zielt. Wer dieser Vorstellung widerspricht, erscheint im Raster der Studie bereits als Teil des Problems.

«Egalitäre Normen» fördern

Die politischen Empfehlungen folgen derselben Logik. Schulen sollen Genderkompetenzen vermitteln, Berufsschulen verpflichtende Module erhalten, Integrationsprogramme «egalitäre Normen» fördern und bereits Grundschulkinder sollen lernen: «Geschlecht ist, was du daraus machst.» Hier endet Wissenschaft und beginnt Gesellschaftsgestaltung. Nicht Gewalt oder Straftaten stehen im Zentrum, sondern Einstellungen.

Auch der Umgang mit kulturellen Unterschieden ist bezeichnend. Die Studie zeigt erhebliche Differenzen nach Herkunft und Konfession. Doch statt kulturelle oder religiöse Prägungen als mögliche Erklärungen ernsthaft zu diskutieren, verweist sie bevorzugt auf «Othering», Diskriminierungserfahrungen oder prekäre Lebenslagen. Was nicht ins Weltbild passt, wird relativiert.

«Doch statt kulturelle oder religiöse Prägungen als mögliche
Erklärungen ernsthaft zu diskutieren, verweist sie bevorzugt
auf Othering, Diskriminierungserfahrungen oder prekäre
Lebenslagen. Was nicht ins Weltbild passt, wird relativiert.»

Die mediale Begleitung verschärft das Problem. In den Berichten über die Studie wurde oft Donald Trumps Geburtstagsfeier mit Kampfsportspektakel vor dem Weissen Haus erwähnt. Plötzlich dienen Trump und die Ultimate Fighting Championship (UFC) als Symbol für «toxische Männlichkeit». Kampfsport wird zur Metapher für männliche Gefährlichkeit, obwohl gerade Kampfsport Disziplin, Selbstbeherrschung und Respekt verlangt. Dass Frauen in der UFC zu den bekanntesten und bestbezahlten Athletinnen der Organisation gehören, stört das Narrativ nicht.

Keine neutrale Interpretation

Der tiefere Fehler liegt im Menschenbild. Stärke, Statusstreben, Risikobereitschaft und Verteidigungsfähigkeit erscheinen fast nur als Gefahr. Ausgeblendet wird, dass genau diese Eigenschaften – gebunden an Tugend und Selbstbeherrschung – Freiheit schützen, Gewalt verhindern und die Zivilisation verteidigen können. Friedfertigkeit bedeutet nicht, unfähig zur Gewalt zu sein. Friedfertig ist, wer Gewalt anwenden könnte und sich bewusst dagegen entscheidet.

Die Studie liefert Daten. Aber ihre Interpretation ist alles andere als neutral. Sie untersucht Männlichkeit nicht ergebnisoffen, sondern aus der Perspektive der kritischen Geschlechterforschung und leitet daraus politische Programme ab.

Die eigentliche Frage lautet: Wer definiert, welche Vorstellungen von Männlichkeit, Familie und Erziehung legitim sind – freie Bürger in einer pluralen Gesellschaft oder staatlich geförderte Experten mit einem egalitaristischen Programm?

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